Bei den French Open 2026 zeichnet sich für Alexander Zverev ein guter Tag auf dem Court Philippe-Chatrier ab. Im Viertelfinale gegen den 19-jährigen Spanier Rafael Jodar hat die Nummer drei der Welt den Spieß mittlerweile deutlich zu eigenen Gunsten umgedreht. Nach einer wackligen Anfangsphase steht der Hamburger nun zwei Sätze in Führung und hat auch im dritten Durchgang bereits zugeschlagen. Wie weit er noch hat, entscheiden die nächsten Spiele.
Jodar vs. Zverev: Ein erster Satz mit Achterbahn-Charakter
Was der Auftakt der Partie versprach, wurde nicht eingelöst – jedenfalls nicht aus deutscher Sicht. Jodar legte einen blitzsauberen Start hin, holte sich gleich im ersten Aufschlagspiel des Hamburgers zwei Breakchancen und nutzte den zweiten Versuch mit einem Rückhandstopp. Plötzlich lag der Favorit hinten und musste sich erst einmal sortieren.
Es kam noch dicker für Zverev. Mit einer druckvollen Vorhand-Peitsche, die laut Eurosport-Stimmen wie ein Paukenschlag wirkte, schraubte Jodar das Tableau bis auf 5:2 zu seinen Gunsten nach oben. Erstmal sah es so aus, als würde der Spanier den ersten Satz souverän einsacken.
Doch die Nummer drei der Welt fand zurück. Mit Serve-and-Volley brachte Zverev sein Aufschlagspiel zum 3:5 durch, dann gelang ihm beim Re-Break der Wendepunkt. Aus dem zwischenzeitlich verloren geglaubten Satz wurde ein 5:5, dann ein 6:6. Im Tie-Break hatte der Hamburger schließlich die besseren Argumente: Mit konsequent platzierten ersten Aufschlägen und einer Rückhand longline holte er sich drei Satzbälle und beendete den Auftakt-Durchgang mit 7:6 (3).
Eine knappe Stunde Spielzeit hatte der erste Satz gedauert – und Zverev wieder Auftrieb gegeben.
Zweiter Satz: Zverev sehr souverän gegen Jodar
Was im Anschluss folgte, war ein Klassenunterschied. Der 29-Jährige schaltete bei Jodar früh in den Angriffsmodus und holte sich mit einer starken Vorhand das erste Break. Wenig später folgte ein Doppel-Break zum 5:1, das den Satz endgültig in eine Richtung lenkte.
Jodar hatte plötzlich Probleme mit der Konstanz, leistete sich mehrere Fehler und kam gegen die tiefen Schläge des Hamburgers kaum noch in seinen Rhythmus. Nach lediglich 34 Spielminuten verwandelte Zverev mit einem dominanten Aufschlag durch die Mitte und einem präzisen Service nach außen den ersten Satzball zum klaren 6:1. Eine Antwort, wie man sie nach einem zuvor durchaus knappen ersten Satz erwarten konnte.
Dritter Satz: Erneut früher Wirkungstreffer
Im dritten Durchgang setzt sich die Linie fort. Der Spanier begann zwar mit Aufschlag, geriet aber sofort unter Druck. Bei zwei Breakbällen hielt Jodar die erste Chance mit einer Vorhand noch ab – beim zweiten Versuch ließ er eine Rückhand zu tief ins Netz fallen. Damit liegt Zverev erneut mit 1:0 vorne und hat das Aufschlagrecht bereits umgekehrt im Rücken.
Eine Konstellation, die andeutet: Der Hamburger will den Sack zumachen. Sollte Jodar nicht noch einmal aufdrehen, könnte das Match zügig in die Schlussphase gehen.
Hintergrund: Ein Talent mit Comeback-Qualität
Auch wenn Jodar derzeit den Anschluss verloren hat – abschreiben darf man den Madrilenen keinesfalls. Bei diesem Turnier zeigte der 19-Jährige bereits zweimal Comeback-Qualität: Gegen Alex Michelsen drehte er einen 1:2-Satzrückstand, gegen seinen Landsmann Pablo Carreño Busta sogar ein 0:2.
Sein Breakout-Jahr 2026 hat Jodar in eine ganz neue Liga katapultiert. Bis vor einem halben Jahr noch fast ausschließlich auf der Challenger-Tour zu Hause, holte er im April seinen ersten ATP-Titel in Marrakesch, schaffte das Halbfinale in Barcelona und stand zudem in Madrid und Rom unter den letzten Acht. Position 29 der Weltrangliste belegt die Entwicklung.
Zverevs historische Chance
Für Zverev wiederum hat dieses Turnier alle Voraussetzungen, eine Wende in seiner Grand-Slam-Geschichte einzuleiten. Mit dem frühen Aus von Jannik Sinner, Carlos Alcaraz, Novak Djokovic und anderen Schwergewichten ist der Weg so frei wie selten zuvor. Lediglich drei der zehn bestgesetzten Spieler stehen noch im Viertelfinale.
In bislang 40 Grand-Slam-Anläufen reichte es für den 29-Jährigen zu drei Endspielen, aber nicht zum großen Wurf. Hinzu kommt das emotionale Kapitel von 2022, als sich Zverev in Paris gegen Rafael Nadal eine schwere Fußverletzung zugezogen hatte. Ein Erfolg an gleicher Stelle hätte einen ganz besonderen Beigeschmack. Doch dafür muss zuerst Jodar weichen – und das ist trotz der aktuellen Komfort-Lage nicht endgültig sicher.