Fußball heute: Beim TSV 1860 München ist das Drama um die Drittliga-Lizenz mit einer bitteren Wendung zu Ende gegangen. Wie der Klub am Mittwochabend in einer Pressemitteilung bekannt gab, konnte der vom DFB geforderte Liquiditätsnachweis bis zum Ablauf der Frist um 17 Uhr nicht erbracht werden. Damit muss der traditionsreiche Münchner Klub den bitteren Gang in die Regionalliga Bayern antreten – zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehnts.
1860 München: 2,7 Millionen Euro fehlten zur Lizenz
Wie die Sportschau berichtet, mussten die Löwen bis zum 3. Juni dem DFB nachweisen, dass sie zahlungsfähig sind. Konkret ging es um eine Summe von 2,7 Millionen Euro. Diese konnte aufgrund einer ausgebliebenen Zusage der Investorenseite nicht erbracht werden – die Drittliga-Lizenz für die kommende Saison wird damit nicht erteilt.
Hauptgrund für die Nicht-Einhaltung ist eine offene Finanzierungszusage des jordanischen Investors Hasan Ismaik. Wie ran ausführt, hatte der umstrittene Mehrheitsgesellschafter Ende Mai bestehende Darlehensverträge mit dem TSV gekündigt – der Klub geht bereits rechtlich dagegen vor. Trotz mehrerer Verhandlungstermine kam keine Einigung zustande.
Paula bedauert: „Wunsch hat sich leider nicht erfüllt“
Geschäftsführer Manfred Paula äußerte sich mit deutlichen Worten zur dramatischen Entwicklung. „Ich bedauere die Nicht-Einhaltung der Finanzierungszusage durch den Gesellschafter HAM International“, erklärte Paula laut Vereinsmitteilung. „Bis zuletzt war ich fest davon überzeugt, dass eine Lösung im Interesse der Profifußball-Gesellschaft gefunden werden kann. Dieser Wunsch hat sich leider nicht erfüllt.“
Konkret kündigte Paula bereits den Neuaufbau in der Viertklassigkeit an: „Wir werden nun all unsere Energie darauf verwenden, einen schlagkräftigen Kader für die kommende Saison in der Regionalliga Bayern aufzustellen.“ Auch Mutterverein-Präsident Gernot Mang äußerte sich enttäuscht: „Diese Entwicklung ist besonders enttäuschend, da sowohl die Geschäftsführung als auch die Vertreter des Muttervereins auf die Einhaltung der getroffenen Zusage vertraut haben.“
Aufsichtsratschef Herbert Bergmaier ergänzte: „Ich bedauere, dass nach der Kündigung der Darlehen keine Einigung zwischen den Gesellschaftern über eine Finanzierung der 3. Liga erzielt werden konnte.“
Parallele zu 2017: Zweiter Zwangsabstieg unter Ismaik
Sportlich ist es nicht das erste Mal, dass 1860 unter Ismaiks Aufsicht in die Viertklassigkeit absteigt. Wie der kicker einordnet, hatte die Löwen 2017 nach dem sportlichen Abstieg aus der 2. Bundesliga ein ähnliches Schicksal ereilt. Damals verweigerte Ismaik die nötige Zahlung von rund 10 Millionen Euro, der Klub musste in der Regionalliga neu starten und schaffte unter Trainer Daniel Bierofka erst nach einer Saison den Drittliga-Aufstieg.
Aus sportlicher Sicht ist der Zwangsabstieg ein bitterer Rückschritt. Wie der kicker dokumentiert, war 1860 in der vergangenen Drittliga-Saison Achter geworden. Eigentlich strebte der Klub seit dem Zweitliga-Abstieg 2016/17 die Rückkehr ins Unterhaus an – mehr als zwei vierte Plätze (2021 und 2022) waren in acht Drittliga-Jahren allerdings nie drin gewesen.
Aue als Nutznießer – sportlich gerettet
Sportlich profitiert vom 1860er Zwangsabstieg ein anderer Klub. Wie ran einordnet, könnte der FC Erzgebirge Aue von der Lizenzverweigerung der Löwen direkt profitieren. Die Sachsen waren sportlich als Tabellenachtzehnter eigentlich abgestiegen – nach dem Wegfall von 1860 könnten sie aber doch in der 3. Liga bleiben.
Auch politisch könnten sich neue Konstellationen ergeben. Wie der kicker berichtet, dürfte der Streit zwischen Ismaik und dem e.V. um Präsident Gernot Mang weiter eskalieren. Schon vor dem aktuellen Drama hatten beide Parteien massiv gestritten. Klar ist: Mit dem zweiten Zwangsabstieg unter Ismaiks Regie steht der Verkauf seiner Anteile mehr denn je auf dem Prüfstand.
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