WM heute: Cristiano Ronaldo streifte sich ein Portugal-Trikot mit der Nummer 21 über und hob den Finger gen Himmel. Mit der bewegenden Geste, die an den vor einem Jahr tödlich verunglückten Diogo Jota erinnerte, zeigte der Maestro nach dem Einzug ins WM-Achtelfinale durch den 2:1 (0:0)-Sieg im dramatischen K.-o.-Duell gegen Kroatien auch menschliche Größe.
Emotionale Geste eines großen Spielers: Ronaldo ehrt Jota
«Er ist dort oben und leuchtet auf uns herab», erinnerte Ronaldo an den am 3. Juli 2025 im Alter von nur 29 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Jota. «Es ist ein besonderer Moment. Wir alle hatten das Gefühl, dass er bei uns ist, und es machte heute einfach Sinn, zu gewinnen, um ihm auf die beste Art und Weise zu gedenken.»
Vor 43.036 Zuschauern in Toronto trug der 41 Jahre alte Superstar einen entscheidenden Teil zum emotionalen Sieg bei. Nachdem Ivan Perisic (53.) die Kroaten in Führung gebracht hatte, verwandelte Ronaldo einen Foulelfmeter (68.) zum Ausgleich. «Wir sind nach dem Gegentor ein bisschen in Stress und Panik geraten. Aber dann gab es den emotionalen Durchbruch, als wir den Elfmeter verwandelt haben», erzählte Ronaldo.
Jetzt kommt Spanien
Gonçalo Ramos (90.+4) entschied den am Ende atemraubenden Schlagabtausch mit zwei Aluminiumtreffern und drei Abseitstoren – das letzte davon in der 13. Minute der Nachspielzeit zum vermeintlichen Ausgleich der Kroaten – zugunsten Portugals.
Für Ronaldo geht die WM im Achtelfinale gegen Europameister Spanien weiter. «Um einen Wettbewerb dieser Größenordnung zu gewinnen, müssen wir leiden können. Heute war es so weit», sagte der frühere Weltfußballer und kündigte für das nächste K.-o.-Spiel eine weitere Steigerung an: «Wir wissen, dass Spanien zu den Favoriten auf den WM-Titel zählt. Es wird ein schwieriges Spiel, aber wir werden ab sofort noch einen Gang zulegen. Wir sind bereit.»
Bei der Jagd nach dem großen Gold-Traum kann sich der Rekordmann, der in der Fußball-Historie weltweit die meisten Länderspiele absolviert, die meisten Länderspielsiege gefeiert und die meisten Länderspieltore erzielt hat, der Unterstützung seiner Teamkollegen sicher sein.
«Wir wollen Cristiano diesen Pokal unbedingt überreichen – das ist das Einzige, was ihm noch fehlt», sagte Offensivspieler Rafael Leão und lobte den Oldie für dessen Einsatz und Nervenstärke: «Während der Vorbereitung hat er immer alles gegeben, damit er in guter Verfassung ist. Genau das hat er heute im entscheidenden Moment bewiesen. Er versagt nicht. Selbst angesichts vieler Kritik.»
Trost für Modric
Ronaldo dürfte diesen denkwürdigen Abend also in guter Erinnerung behalten, blieb ihm doch der letzte Tanz auf der großen Fußball-Bühne vorerst erspart. Dafür beendete er mit Portugal die 2006 beim Sommermärchen in Deutschland begonnene WM-Reise von Luka Modric auf brutale Weise – und spendete seinem ehemaligen Weggefährten anschließend Trost. Beide spielten einst sechs Jahre lang gemeinsam für Real Madrid.
«Ich habe mich von ihm verabschiedet. Wir sind fast gleich alt. Er ist eine Fußball-Legende. Ich habe großen Respekt vor Modric für das, was er im Fußball geleistet hat», sagte Ronaldo. Auch Kroatiens Trainer Zlatko Dalic fühlte mit Modric: «Es war wahrscheinlich seine letzte WM. Es tut mir leid, dass sie so traurig zu Ende gegangen ist.»
Der 40 Jahre alte Modric wollte sich über seine sportliche Zukunft unter dem Eindruck des gerade Erlebten nicht äußern. «Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für mich, darüber zu reden», beschied er. Zu sehr hatte ihm das vorzeitige WM-Aus zugesetzt: «Wir haben viele Chancen vergeben. Und dann sind Dinge passiert, die ich kaum fassen kann.»
Dramatik nach der Pause
Schon vor dem Anpfiff wehte ein Hauch von Nostalgie durch das Toronto-Stadion, als sich Ronaldo und Modric herzlich umarmten und für ein gemeinsames Foto posierten. Mit Beginn der Partie war es mit der Freundschaft dann aber vorbei – dafür stand für beide Teams zu viel auf dem Spiel. Das nahm erst nach der Pause richtig Fahrt auf, dafür dann aber richtig.
Zunächst schockte Perisic die Portugiesen, die dann nach Videobeweis einen Elfmeter zugesprochen bekamen. Ronaldo verwandelte eiskalt. Einige Minuten zuvor hatte er seinen ersten großen Auftritt an diesem Abend, als er einen weiten Ball in der Luft stoppte und dann gefühlvoll ins Tor lupfte.
Doch der Altstar stand bei der Aktion hauchzart im Abseits – so wie später auch zweimal die Kroaten. «Man hat gesehen, in welchem Ausmaß Emotionen gekillt werden. Das nimmt einem den Spaß am Fußball», klagte Dalic. Und Modric witterte in der 103. Minute gar eine Fehlentscheidung trotz VAR: «Meiner Meinung nach war es kein Abseits.»
Den Portugiesen waren die Diskussionen herzlich egal. Sie feierten ausgelassen den Sieg, bei dem nach Ansicht von Leão auch höhere Mächte im Spiel waren: «Wir hatten einen entscheidenden zusätzlichen Faktor, nämlich Diogo Jota, der immer bei uns ist. Diego Jota, da bin ich mir sicher, hat uns bis zur letzten Minute geholfen.»
(dpa)
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