trending
News
TV
Fußball heute
betslip
WM Tipps
fussball
WM 2026

WM-Aus von BVB-Star Schlotterbeck: Die Folgen für das DFB-Team

Deutschland-Fans-Fahne

Der Bänderriss von Nico Schlotterbeck ist mehr als nur der Ausfall eines Innenverteidigers. Der Verlust des BVB-Stars trifft die DFB-Elf an einer Stelle, die sich nicht eins zu eins kompensieren lässt – und hat Konsequenzen, die weit über die WM 2026 hinausreichen. Für Julian Nagelsmann, für die Mannschaft und für Schlotterbeck selbst.

WM 2026: Schlotterbeck war der spielstärkste Innenverteidiger der DFB-Elf

Was Schlotterbeck von seinen Konkurrenten unterschied, war nicht die reine Defensivarbeit – sondern sein Beitrag im Aufbauspiel. Der 26-Jährige besitzt einen Vertikalpass, den weder Jonathan Tah noch Antonio Rüdiger in dieser Qualität mitbringen. Seine Fähigkeit, aus der Abwehr heraus mit einem einzigen Zuspiel die gegnerische Pressingreihe zu überspielen, war ein zentrales Element in Nagelsmanns Spielidee. Gegen die Elfenbeinküste versuchte er sich trotz seiner Blessur immer wieder an solchen Pässen – nicht jeder kam an, aber die Absicht war stets die richtige.

Tah und Rüdiger sind andere Verteidigertypen. Tah überzeugte gegen die Elfenbeinküste als sicherster Defensivakteur der DFB-Elf, ist aber eher der klassische Abräumer als der spieleröffnende Innenverteidiger. Rüdiger bringt seine enorme Erfahrung aus Madrid mit und stabilisierte nach seiner Einwechslung die Abwehr – doch auch er ist kein Spieler, der regelmäßig mit vertikalen Bällen das Spiel nach vorne treibt. Nagelsmann verliert mit Schlotterbeck also nicht nur einen Verteidiger, sondern eine spielerische Komponente, die im System der DFB-Elf nur schwer zu ersetzen ist.

Bundestrainer Julian Nagelsmann äußerte sich in einer DFB-Pressemitteilung: „Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau. Es hätte seine WM werden können. Wir haben gestern alle versucht, ihn aufzubauen – zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt. Es ist ein schönes Zeichen, dass er zunächst hier im Mannschaftskreis bleibt, denn er hat auch neben dem Platz Einfluss. Trotz seines Ausfalls sind wir in der Innenverteidigung mit Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw weiterhin sehr gut aufgestellt für die WM.“

Schlotterbeck – der einzige Linksfuß geht: Statik der DFB-Abwehr verändert sich

Ein Detail, das auf den ersten Blick nebensächlich wirkt, in der Praxis aber enorme Auswirkungen hat: Schlotterbeck war der einzige Linksfuß unter den Innenverteidigern im DFB-Kader. Tah, Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw sind allesamt Rechtsfüßer. Die Besetzung der halblinken Innenverteidigerposition mit einem Linksfuß sorgt für ein natürlicheres Aufbauspiel, weil der Spieler den Ball mit seinem starken Fuß nach vorne treiben und die Pässe auf die linke Seite flüssiger spielen kann.

Rüdiger wird diese Rolle übernehmen müssen – und der Real-Star hat in Madrid bewiesen, dass er auch auf der halblinken Seite funktioniert. Doch die Balance verändert sich. Gerade im Zusammenspiel mit Nathaniel Brown auf der linken Abwehrseite könnte das fehlende Linksfuß-Element auffallen. Nagelsmann wird taktisch nachjustieren müssen.

Nach WM-Aus von Schlotterbeck: Tah und Rüdiger dürfen sich jetzt nichts erlauben

Mit Schlotterbecks Ausfall schrumpft der Kreis der erstklassigen Innenverteidiger im DFB-Kader auf ein Minimum. Tah und Rüdiger sind gesetzt, dahinter stehen Anton und Thiaw als Ersatz bereit. Beide bringen reichlich Erfahrung mit, sind aber nicht auf dem Niveau der ersten beiden. Sollte sich nun auch noch Tah oder Rüdiger verletzen, hätte Nagelsmann ein echtes Problem.

Der Trainer, der gegen Ecuador (Donnerstag, 22:00 Uhr) eigentlich rotieren hätte können, steht vor einem Dilemma: Einerseits muss er Kräfte für das Sechzehntelfinale schonen, andererseits muss sich das neue Innenverteidiger-Duo einspielen. Spätestens in der K.o.-Runde – mit einem möglichen Achtelfinale gegen Frankreich oder Norwegen – muss die Abstimmung zwischen Tah und Rüdiger sitzen. Gegen die Elfenbeinküste hatten die beiden gerade einmal 45 gemeinsame Minuten auf dem Platz.

Schlotterbeck selbst: Platzt jetzt der Wechsel zu Real Madrid?

Über die sportlichen Folgen für die DFB-Elf hinaus trifft der Bänderriss Schlotterbeck auch persönlich – und möglicherweise in seiner Karriereplanung. Seit Wochen war über einen Wechsel des BVB-Stars zu Real Madrid spekuliert worden. Schlotterbeck soll eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag bei Borussia Dortmund besitzen, die allerdings nur bis zum WM-Finale am 19. Juli greift.

Mit einer Ausfallzeit von „mehreren Monaten“ dürfte ein Transfer in diesem Sommer vom Tisch sein. Welcher Verein verpflichtet einen Innenverteidiger, der erst im September wieder ins Training einsteigen kann? Die WM sollte für Schlotterbeck das Schaufenster sein, in dem er sich den ganz großen Klubs empfiehlt.

Gegen Curaçao hatte er noch per Kopf zum 2:1 getroffen – sein erstes WM-Tor. In der abgelaufenen Bundesliga-Saison absolvierte er 28 Spiele und erzielte fünf Tore, dazu hatte er 2024 das Champions-League-Finale mit dem BVB gespielt. Die Erfahrung, die Formkurve, der Zeitpunkt – alles passte. Bis zu jenem Zweikampf in der 14. Minute gegen die Elfenbeinküste.

Nico Schlotterbeck: „Was jetzt zählt, ist die Mannschaft“

Schlotterbeck selbst schrieb bei Instagram: „Was jetzt zählt, ist die Mannschaft. Sie verdient die volle Unterstützung aller Deutschen. Lasst uns zusammenstehen und zeigen, dass wir in guten wie in schwierigen Momenten hinter dieser deutschen Mannschaft stehen und sie auf ihrem Weg zum WM-Titel unterstützen!“ Er selbst benötige „noch etwas Zeit, um das Ganze zu verarbeiten. Deshalb wird es von mir vorerst keine ausführlichen Worte dazu geben. Danke für euer Verständnis.“

Folge uns auf Google