Deutschland ist Gruppensieger, der Jubel über den Last-Minute-Sieg gegen die Elfenbeinküste war riesig – doch hinter der Euphorie lauern Fragezeichen. Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus hat in seiner Sky-Kolumne die Leistung der DFB-Elf beim 2:1 analysiert und dabei deutliche Worte gefunden. Der Weltmeister von 1990 lobt den Charakter der Mannschaft, warnt aber vor Phasen, die ihm „schon Sorgen bereitet“ hätten.
Matthäus lobt den Charakter der DFB-Elf – warnt aber vor den schwachen Phasen
Zunächst verteilte Matthäus ein Kompliment an Julian Nagelsmanns Team. Man könne stolz sein auf die Mannschaft, schrieb er bei Sky. Sie habe „den Charakter, den Willen und die Leidenschaft gezeigt“, ein 0:1 zu drehen und in den letzten zehn, 15 Minuten noch auf Sieg zu spielen – „auch durch die Einwechslungen“. Ecuador habe beim 0:0 gegen Curaçao zudem gezeigt, dass ein Sieg gegen den WM-Debütanten „doch nicht so selbstverständlich ist wie man angenommen hat“.
Dann wurde Matthäus allerdings kritisch – und sprach die Schwachstellen offen an. Über 90 Minuten sei der Auftritt nicht gelungen, betonte der 65-Jährige. Besonders die Phase vor dem Rückstand und die ersten 15 Minuten nach der Pause hätten ihm zu denken gegeben: „Die haben einem schon Sorgen bereitet. Da ist die Mannschaft gar nicht selbstbewusst aufgetreten. Gar keine Sicherheit, viele Ballverluste, zu viel vom Gegner zugelassen.“ Das müsse man „natürlich verändern, verbessern“.
Matthäus vor WM-Gruppenfinale: „Wir werden kein einfaches Spiel mehr haben“
Gleichzeitig ordnete Matthäus den Sieg emotional ein – und kam zu einem überraschenden Schluss. Ein dramatischer Last-Minute-Sieg gegen die Elfenbeinküste sei für die Fußball-Stimmung im Land „vielleicht besser als ein klares 3:0″, schrieb der WM-Rekordspieler. Nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für ganz Deutschland sei dieser Abend emotional enorm wichtig gewesen.
Die Warnung für die K.o.-Runde ließ der Sky-Kolumnist jedoch nicht aus. Die Elfenbeinküste sei ein „unangenehmer Gegner“ gewesen, „qualitativ hochwertig“ mit guten Einzelspielern, Geschwindigkeit und Robustheit. „Und das wird uns ab jetzt nur noch erwarten“, mahnte Matthäus. Sein unmissverständliches Fazit: „Ich gehe nicht davon aus, dass wir noch einmal so ein einfaches Spiel haben werden wie Curaçao.“ Im Sechzehntelfinale am 29. Juni in Boston wartet auf die DFB-Elf ein Gruppendritter – und spätestens im Achtelfinale könnte Frankreich oder Norwegen der Gegner sein. Dann müssen die schwachen Phasen abgestellt sein.