WM heute: Nach dem frühen WM-Aus gegen Paraguay fordert ein Weltmeister von 2014 einen radikalen Kurswechsel: Shkodran Mustafi verlangt mehr Mut und Risiko von der DFB-Elf. Der heutige U21-Co-Trainer sieht das Problem sogar tief in der deutschen Mentalität verwurzelt.
DFB-Team: Mustafi vermisst den Mut
Im Podcast von Sport1 analysierte der frühere Verteidiger schonungslos, woran es der deutschen Nationalmannschaft mangelte. „Es gibt ganz wenig Mannschaften, die den Mut haben, etwas zu riskieren“, konstatierte Mustafi. Zu oft sei der Ball von links nach rechts und zurück gelaufen, ehe erst vertikal gespielt wurde, „wenn es gar kein Risiko mehr gab“.
Genau das sei der DFB-Elf zum Verhängnis geworden: „Wir haben immer auf den richtigen Moment gewartet. Und der Moment kam nie.“ Ganz anders die Topnationen des Turniers. Spanien und die Franzosen erzwängen Situationen und spielten den Ball permanent ins enge Zentrum – „das hat uns gefehlt“.
DFB-Team: Mentalitätsproblem einer ganzen Nation?
Für den 34-Jährigen ist das kein Zufall, sondern ein tiefer liegendes Problem. Mustafi zieht sogar den Vergleich zur deutschen Gesellschaft: „Generell sind wir eher so: ‚Mach ich das? Wenn es nicht klappt, dann scheitere ich ja.‘ Wir denken immer sehr viel an die möglichen negativen Konsequenzen.“
Seine Erfahrungen im Ausland hätten ihm ein anderes Bild vermittelt. In Italien und Spanien frage sich jeder, was er gewinnen könne. Sein Appell an die Nationalmannschaft ist entsprechend deutlich: „Es geht uns nicht darum, das perfekte Spiel und alles richtig zu machen, sondern einfach mutig nach vorne zu spielen und zu riskieren.“
Deutschland nach der WM: Widerspruch in der Elfmeter-Debatte
In einem Punkt widerspricht Mustafi seinem Weltmeister-Kollegen Per Mertesacker deutlich. Dieser hatte die Meinung vertreten, dass Verteidiger generell keine gute Wahl für Elfmeter seien – auch Jonathan Tah hatte folgenschwer verschossen.
„Wir überdenken manchmal zu viel“, hält Mustafi dagegen. Entscheidend sei in solchen Momenten das Gefühl des Schützen: „Es bringt nichts, wenn du ein guter Schütze bist, aber verunsichert bist.“ Wichtiger sei ohnehin ein anderer Aspekt: Für ihn sollte nicht das Elfmeterschießen im Zentrum der Aufarbeitung stehen – sondern die 120 Minuten davor. Zieht der DFB die richtigen Lehren?
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