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WM 2026: Höhen-Debatte vor Mexiko vs. England

Mexiko-Fans-1

(dpa) – WM heute: Geht England im WM-Achtelfinale buchstäblich die Luft aus? Das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt stellt vor allem die Gegner vor große Herausforderungen. Es sind über 2.200 Meter über dem Meeresspiegel – und damit mehr als zweimal so hoch als Englands höchster Berg namens Scafell Pike. Der bringt es auf 978 Meter Höhe.

Was macht es so schwer für die Gegner?

Beispiel England: Die «Three Lions» bereiteten sich zunächst in West Palm Beach in Florida auf die WM vor – vier Meter über dem Meeresspiegel. Ihr Camp haben sie während des Turniers bei Kansas City im US-Bundesstaat Missouri, knapp 280 Meter hoch gelegen. Von dort geht es die rund 2.250 Kilometer per Flieger nach Mexiko-Stadt – über 2.200 Meter über dem Meeresspiegel. Das größte Problem ist die wenige Zeit bis zum Achtelfinale in der deutschen Nacht auf Montag (02.00 Uhr MESZ/Magenta TV).

Was versteht man unter dünner Luft?

«Ganz vereinfacht gesagt: Dünne Luft heißt niedrigerer Luftdruck als auf Meereshöhe», erklärt Internist und Pneumologe Dr. Matthias Krüll, auch Chef-Mediziner des Berlin-Marathons. Bei gleichem Sauerstoffgehalt von etwa 21 Prozent nehme der sogenannte Sauerstoffpartialdruck – der Anteil des Gesamtdrucks der Atemluft, der auf den Sauerstoff entfällt – in der Luft ab. Im Vergleich zum Meeresspiegel sind es in 2.200 Metern Höhe 25 Prozent weniger. «Dadurch wird bei dünner Luft spontan eben deutlich weniger Sauerstoff ins Blut aufgenommen», sagt Krüll der Deutschen Presse-Agentur.

Was passiert im Körper genau?

«Der Körper ist immer nur so leistungsfähig, wie er in der Lage ist, Sauerstoff aufzunehmen», erklärt Krüll. Die Sauerstoffaufnahme werde wiederum durch verschiedene Faktoren bedingt: Lungenvolumen, Gasübertritt aus der Atemluft ins Blut, wie viele Sauerstoffträger – rote Blutkörperchen – im Blut sind, wie gut das Herz arbeitet. Der Körper passt sich dem Sauerstoffmangel in erster Linie dadurch an, dass er mehr rote Blutkörperchen produziert, die Sauerstoff transportieren können.

Was können die Engländer vorsorglich unternehmen?

Man müsse etwa drei Monate in großer Höhe leben, um genügend rote Blutkörperchen zu bilden, um all die Dinge machen zu können, die man auf Meereshöhe macht, heißt es auf der Webseite von Mexiko-Stadt unter dem Titel «Höhenkrankheit».

Leistungs- und Ausdauersportler absolvieren extra Höhentrainingslager, damit sich der Körper einem niedrigeren Sauerstoffgehalt anpasst. «Das heißt, er bildet zum Beispiel mehr Sauerstoffträger. Das braucht aber etwa zwei bis sechs Wochen», erklärt Krüll.

England bleiben ein, zwei Tage. Die «Three Lions» sollten das Spieltempo vielleicht etwas drosseln, «um den Spielern Zeit zu geben, sich zwischen den Phasen hochintensiven Spiels zu erholen», rät der englische Sport-Mediziner Barney Wainwright von der Leeds Beckett University. «Sie werden wahrscheinlich mit ihrer Laufleistung hinten dran sein, früher ‚aus der Puste kommen‘ als in niedrigeren Höhen gewohnt», prophezeit Krüll: «Harry Kane sollte also nicht wie bisher bis zur 70. Minute warten, sondern einfach mal in der ersten Halbzeit schon seine zwei Tore machen, das wäre schon mal gut für die Engländer.»

Was sagt Englands deutscher Trainer?

«Zwischen den Spielen gegen den Kongo und Mexiko liegen drei Tage, und wir können uns nicht darauf einstellen. Das wussten wir schon vorher. Es ist einfach ein Nachteil, mit dem wir zurechtkommen müssen», sagte Thomas Tuchel nach dem Einzug ins Achtelfinale durch den 2:1-Sieg gegen die Demokratische Republik Kongo dank eines Kane-Doppelpacks.

Das letzte Länderspiel absolvierte England am 22. Juni 1986 im Aztekenstadion. Es war die 1:2-Niederlage gegen Argentinien mit dem Tor der «Hand Gottes» von Diego Maradona und dessen Jahrhunderttreffer. Ein Engländer, dessen Erfahrung im Aztekenstadion ein bisschen aktueller ist, ist Nigel Reo-Coker. «Das ist der physisch herausforderndste Ort, an dem ich jemals Fußball gespielt habe», sagte der Ex-Profi der BBC. 2015 musste er im Finale der Concacaf Champions League mit Montréal Impact im Aztekenstadion im Hinspiel antreten (1:1). «Du kriegst keine Luft. Man muss sich sehr genau überlegen, in welchen Momenten man sich alles gibt.»

Wird das Spiel auch Folgen haben für die Engländer?

Mediziner Krüll geht davon aus. Der Körper habe während des Spiels nicht so viel Sauerstoff zur Verfügung. «Das heißt, die Muskeln arbeiten nicht sauerstoffneutral, sondern gehen eher und schnell eine Sauerstoffschuld ein. Hierbei wird der Zucker als Energieträger bei der Energiegewinnung nicht vollständig abgebaut, sondern es fallen schneller und vermehrt Abbauprodukte an, in dem Fall vor allem von Milchsäure.»

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