WM heute: Mit dem Wikinger-Helm aus Plastik sah Erling Haaland aus wie das Feierbiest schlechthin, doch Norwegens sonst so wilder Sturmriese genoss den historischen Moment erstaunlich still. Die Hände in die Hüften gestemmt und immer wieder kopfschüttelnd beobachtete er das spektakuläre Treiben um ihn herum: Mitspieler hüpften wie kleine Kinder, Torschütze Antonio Nusa vergoss Freudentränen, Fans lagen sich in den Armen – und natürlich wurde mit Martin Ödegaard als Taktgeber an der Pauke auch noch gemeinsam gerudert.
Jetzt Brasilien: Haaland und Co. rudern auf Euphorie-Welle
«Ich glaube, das wird Norwegen für immer verändern», sagte Haaland dem Sender TV2 über den Achtelfinaleinzug durch ein 2:1 (1:0) gegen die Elfenbeinküste. Den Zusammenhalt aller Norweger zu sehen, sei «bewegend», ergänzte der Profi von Manchester City: «Da kann man nur glücklich sein. Das ist eine unglaubliche Reise.»
«Sie rudern weiter»
Sogar der Schwede Zlatan Ibrahimovic ist begeistert. «Sie haben Spaß. Es sieht so aus, als wären sie glücklich», sagte der Ex-Profi als Fox-Experte: «Sie rudern weiter. Mal sehen, wie weit sie kommen.» Erstmals konnte Norwegen bei einer Weltmeisterschaft ein K.-o.-Spiel gewinnen, was im ganzen Land eine Rieseneuphorie auslöst.
Die Bilder aus der Heimat, wo in fast jeder Stadt der inzwischen schon legendäre Ruder-Schlachtgesang angestimmt wird, seien «der Wahnsinn», meinte Kapitän Ödegaard: «Das Engagement, die ausgelassene Stimmung und die Unterstützung, die wir spüren, sind einfach unglaublich. Von Tagen wie diesen haben wir schon geträumt, seit wir klein waren.»
Duell mit Brasilien ums Viertelfinale? «Verrückt»
Genau wie von einem WM-Achtelfinale gegen Rekordweltmeister Brasilien. Allein schon der Gedanke an das Duell am Sonntag (22.00 Uhr) sei «verrückt», meinte Haaland. Er wird wohl wieder knipsen müssen, will Norwegen gegen den fünfmaligen Weltmeister eine Chance haben. Sein fünfter Turniertreffer in der 86. Minute zum Sieg gegen die Elfenbeinküste war immens wichtig, aber nicht besonders schön. Und das nahm Haaland mit Humor.
Einen Fan-Kommentar, dass Haaland 90 Minuten nicht zu sehen gewesen sei und dieser dann «mit dem scheußlichsten Schuss, den man jemals gesehen hat», vollendete, postete Haaland auf seinem Instagram-Account versehen mit drei lachenden Emojis.
Wo Haaland klar besser ist als Messi und Ronaldo
Haaland hat in nun 13 Pflichtspiele in Folge für Norwegen getroffen, insgesamt kommt er auf 60 Tore. Dafür brauchte er nur 53 Länderspiele, was ihn deutlich von anderen Offensivstars abhebt: Der Argentinier Lionel Messi zum Beispiel benötigte dafür laut Datenanbieter Opta 122 Spiele, der Portugiese Cristiano Ronaldo 130.
«Er ist der beste Torjäger der Welt, daran besteht kein Zweifel», sagte Norwegens Trainer Stale Solbakken, «ich würde ihn gegen niemanden eintauschen».
Haaland zeigt sich bei dieser WM unglaublich effizient. Er hat seine fünf Tore mit 7,25 Prozent seiner Ballkontakte getroffen – laut Opta ein Rekordwert seit der WM 1966 unter Spielern mit mindestens 60 Ballkontakten. Viele Chancen dürfte Haaland auch gegen Brasilien nicht bekommen.
Erinnerungen an WM 1998 werden wach
Die Seleção um Vinícius Júnior ist sicherlich favorisiert, doch Norwegen hat in vier Duellen mit Brasilien kein einziges Mal verloren. Und beim bislang einzigen WM-Spiel gegeneinander sogar gewonnen: Das 2:1 im Jahr 1998 gegen Stars wie Ronaldo und Roberto Carlos dank eines Siegtreffers des früheren Hertha-Profis Kjetil Rekdal hat auch die heutige Spieler-Generation geprägt. «Wir haben die Geschichte vom Brasilien-Spiel gehört», sagte Ödegaard, «jetzt schreiben wir unsere eigene Geschichte».
(dpa)
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