Formel 1 News beim Sport heute: Schon nach drei Saisonrennen legt die Formel 1 eine Vollbremsung hin. Fünf Wochen Pause liegen zwischen dem Japan-Ausflug und dem nächsten Grand Prix in Miami am 3. Mai. Die Absage der Gastspiele in Bahrain und Saudi-Arabien reißt ein Loch in den Rennkalender. Was das für die Königsklasse bedeutet.
Warum pausiert die Formel 1 überhaupt?
Der Krieg im Nahen Osten ließ den Machern der Königsklasse keine Wahl. Aus Sicherheitsgründen waren die Grand Prix in Bahrain und Saudi-Arabien am 12. und 19. April nicht mehr zu vertreten. Die Eskalation des Krieges von Israel und USA gegen den Iran machte alle Hoffnungen zunichte, dass sich die Lage bis zu den beiden Rennen wieder ausreichend beruhigt haben würde. Mögliche Ersatzrennen in Portugal oder der Türkei wurden verworfen, der Kalender umfasst nun nur noch 22 statt 24 WM-Läufe.
Was kostet die Rennserie diese Auszeit?
Experten zufolge zahlen die Veranstalter der beiden Grand Prix zusammen jährlich rund 100 Millionen Dollar an die Formel 1. Diese rund 87 Millionen Euro dürften der Rennserie damit entgehen, sofern es keine Nebenabsprachen mit den Organisatoren gibt. Somit würde jedes Team mehrere Millionen aus dem nun kleineren Preisgeldtopf verlieren. Im Gegenzug sparen die Rennställe die Kosten für Flüge und Hotels ihrer Mannschaften und müssen weniger Geld für Ersatzteile für ihre Autos ausgeben. Die TV-Einnahmen sollten nicht berührt sein, da die vereinbarte Mindestzahl an Rennen weiter erreicht wird.
Wem hilft die Pause in der Formel 1?
Alle Teams, die derzeit hinter der Spitze herfahren, gewinnen mehr Zeit und Ruhe am Reißbrett und für die Weiterentwicklung ihrer Autos. Hektische Updates sind nicht notwendig, bis Miami bleibt genug Zeit, technische Lösungen auf Prüfständen und in Windkanälen zu testen. Teams wie Williams, deren Auto mehr als 20 Kilogramm Übergewicht hat, oder Aston Martin, wo der neue Honda-Motor eine Fehlkonstruktion ist, setzen viel Hoffnung in die Pause.
Aber auch Top-Teams wie McLaren, Ferrari und Red Bull dürften beim Neustart in Florida viele neue Teile ans Auto schrauben. „Alles wird sich verändern, es wird eine neue Saison. Wir haben in den ersten Rennen nicht alles gebracht – auch wegen der Budgetgrenze. Ab jetzt wird jeder pushen“, sagte Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur bei Sky.
Für wen ist die lange Zeit ohne F1-Rennen ein Nachteil?
Das Mercedes-Team hätte seinen aktuellen Vorteil gern auch im April in Siege verwandelt. Wunderjunge Kimi Antonelli und Teamkollege George Russell teilten sich die Siege in Australien, China und Japan auf, der Silberpfeil ist unter dem neuen Technik-Reglement das derzeit stärkste Auto. Doch schon in Suzuka schien der Vorsprung nicht mehr ganz so groß. „Die anderen haben definitiv Fortschritte gemacht“, sagte Russell.
Und zum 1. Juni schließt der Weltverband Fia eine Regellücke, von der bislang Mercedes profitiert hat. Mit einem Trick beim Verdichtungsverhältnis holen die Ingenieure des deutschen Werksteams mehr Leistung aus dem Motor. Durch die Absage der April-Rennen kommt Mercedes dieser Vorteil nur noch bei den Mai-Terminen in Miami und Kanada zugute, wie die Konkurrenz hofft.
Wie geht es in der Dauerdebatte um die neue Formel 1 weiter?
Seit Saisonstart tobt der Streit um die Technik-Revolution. Weil viel mehr auf den Elektro-Anteil des Motors ankommt, sind die Piloten weniger als Vollgas-Artisten und mehr als Energie-Manager gefordert. Das nervt viele Fahrer wie Titelverteidiger Lando Norris und Superstar Max Verstappen.
Fahrersprecher Carlos Sainz mahnte nach dem Japan-Rennen erneut Änderungen an, weil ein heftiger Unfall von Haas-Pilot Oliver Bearman die Gefahren des hohen Geschwindigkeitsüberschusses durch den Elektro-Zusatzschub offenbart hatte.
„Jegliche Anpassungen, insbesondere im Bereich des Energiemanagements, erfordern sorgfältige Simulationen und detaillierte Analysen“, teilte die Fia daraufhin in einem Statement mit. Die Regelhüter planen für den April mehrere Treffen mit den Beteiligten, um zum Beispiel über Änderungen für die Qualifikation zu entscheiden. „Das ist hinzubekommen, da gibt es schon konkrete Vorschläge“, sagte Peter Bayer, Geschäftsführer der Racing Bulls.
Und was ist mit den Rücktrittsdrohungen von Max Verstappen?
Der Niederländer ist wohl der schärfste Kritiker der Technik-Reform. „Natürlich versuche ich, mich darauf einzustellen, aber die Art und Weise, wie man hier fahren muss, ist nicht schön. Das ist wirklich das Gegenteil von Fahrspaß“, sagte der 28-Jährige nach dem Japan-Gastspiel der BBC. Und er frage sich daher: „Lohnt sich das? Oder genieße ich es mehr, zu Hause bei meiner Familie zu sein?“ Weil Verstappen wohl eine Ausstiegsklausel aus seinem bis Ende 2028 laufenden Vertrag hat, fürchten manche, er könnte sich lieber anderen Rennserien zuwenden.
Ganz ausgeschlossen ist das sicher nicht, zumal Verstappen im unterlegenen Red Bull womöglich für einige Zeit keine Aussicht auf weitere Titel hat. Andererseits schätzt auch Verstappen die Formel 1 als Krone des Motorsports, will sich mit den Besten seines Fachs messen und ist sehr loyal zu seinem Team. Daher könnte seine harsche Dauerkritik an der neuen Gestalt der Rennserie auch einfach der brachiale Versuch sein, die zu erwartenden Regelanpassungen in seinem Sinne zu beeinflussen.
(dpa)
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