Fußball heute: Unter Tränen hat sich Markus Krösche (46) am Montagabend auf der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt verabschiedet, wie Transfermarkt berichtet. Wer auf den Ex-Sportchef folgt, ist offen, der Wunschkandidat winkt laut 90min sogar ab. Zugleich kündigte die Klubführung nach Informationen der Zeit eine Kurskorrektur in der Transferpolitik an.
Eintracht Frankfurt: Krösches emotionaler Abschied
„Die letzten Tage waren nicht einfach für mich“, gestand Krösche. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass er nicht mehr das Beste für den Klub machen könne, weil ihm die Durchschlagskraft fehle. Dieselbe Begründung stand schon in der Mitteilung vom Sonntag, mit der sein Rückzug auf eigenen Wunsch verkündet worden war. Am Vormittag hatte er sich bereits von der Mannschaft verabschiedet.
Mehr als 1.300 Mitglieder in der Jahrhunderthalle feierten ihn mit einer riesigen Ovation. „Ich werde immer ein Eintrachtler bleiben“, versprach Krösche. Präsident Matthias Beck würdigte den Gewinn der Europa League 2022 und den Einzug in die Champions League als Höhepunkt von vier internationalen Teilnahmen in Folge. „Du hast die Eintracht zu einer Marke in Europa gemacht“, so Beck.
Markus Krösche: AC Mailand wirbt offenbar verstärkt
Über seine eigene Zukunft verlor der 46-Jährige kein Wort. Wie Transfermarkt unter Berufung auf italienische Medien berichtet, hat die AC Mailand ihre Bemühungen um Krösche aber intensiviert. Schon im Sommer wollte der Klub ihn als „Head of Football“ holen, damals entschied sich der Manager aber für den Verbleib in Frankfurt.
Ein Wechsel nach Italien hätte auch für die Eintracht seinen Reiz. Mehreren Medienberichten zufolge wurde auf Krösches eigenen Wunsch eine Klausel in seine Auflösungsvereinbarung aufgenommen. Verpflichtet ihn ein Verein vor dem Sommer 2027, sollen fünf bis sieben Millionen Euro fällig werden. Selbst nach seinem Abgang könnte der Ex-Sportchef seinem Klub also noch eine Millionensumme einbringen.
SGE News: Frankfurt ändert die Transferstrategie
Wie es ohne ihn weitergehen soll, skizzierte Beck direkt im Anschluss. Die Eintracht wolle auch künftig um internationale Plätze mitspielen, der Weg dorthin müsse aber im Sinne der wirtschaftlichen Vernunft angepasst werden, erklärte der wiedergewählte Präsident. „Wir werden unseren Fokus künftig stärker auf den deutschen Markt und auf unser Nachwuchsleistungszentrum legen.“
Für Krösches Erben ist das Anforderungsprofil damit bereits umrissen. CEO Axel Hellmann will die Abhängigkeit von Transfererlösen systemisch reduzieren und stärker auf Einnahmen aus der Region setzen. „Fertige Spieler, die europäische Qualität haben, werden wir uns in dieser Mannschaft nie bis zum 18. Kaderplatz leisten können“, stellte er klar.
Axel Hellmann: Premier League als Hauptgrund
Als Hauptauslöser nannte Hellmann die Premier League, die vor dem Sommer entschieden habe, ihre wesentlichen Transferströme im eigenen Land zirkulieren zu lassen. Dadurch habe sich das Geschäftsmodell verändert. Junge Spieler gezielt zu entwickeln, um wirtschaftlich voranzukommen, funktioniere nicht mehr so wie in den Jahren zuvor. Der bisherige Erfolgsweg der Frankfurter gerät damit ins Stocken.
Genau dieses Modell hatte unter Krösche für Rekorderlöse gesorgt. Junge Profis aus dem Ausland wurden geholt, entwickelt und an Topklubs verkauft. Allein Hugo Ekitiké (FC Liverpool), Randal Kolo Muani (Paris Saint-Germain) und Omar Marmoush (Manchester City) brachten rund 265 Millionen Euro ein. Laut Beck sind die Preise für Talente aber brutal gestiegen, die Abnehmer weniger geworden.
Christoph Spycher: Wunschkandidat sagt wohl ab
Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Hellmann (55) die Aufgaben in einer Doppelrolle. Als Favorit galt zuletzt Christoph Spycher (48) von den Young Boys Bern. Laut Sky sollte der Ex-Frankfurter, der zwischen 2005 und 2010 auf 149 Einsätze für die Eintracht kam, noch vor dem Winter-Transferfenster kommen. Zudem soll er sich Bedenkzeit erbeten haben.
Inzwischen deutet vieles auf eine Absage hin. Nach Angaben der Schweizer Blick, auf die sich 90min beruft, wird Spycher YB definitiv nicht verlassen. Ein Grund ist demnach seine Beteiligung von fast zehn Prozent an der Holding des Klubs, die er aufgeben müsste. „Die Realität ist nun mal kein Ergebnis des Zusammenzählens von hübschen Umständen und Gelegenheiten“, schreibt das Blatt.
Joti Chatzialexiou: FCN-Sportdirektor dementiert Kontakt
Eine zweite Spur scheint ebenfalls kalt. Der ebenfalls gehandelte Joti Chatzialexiou vom 1. FC Nürnberg erklärte gegenüber der Bild, es gebe mit der Eintracht keinerlei Vereinbarungen und keinen Kontakt. „Es ist daher kein Thema, mit dem ich mich derzeit befasse, der Fokus liegt auf dem FCN.“ Der Kreis der realistischen Kandidaten schrumpft damit weiter.
Weiterhin im Rennen sind Benjamin Weber (FC Augsburg), Fredi Bobic (Legia Warschau) und Pirmin Schwegler (VfL Wolfsburg). Denkbar wäre auch ein neuer Name wie Sebastian Kehl, der nach dem BVB-Aus als Einziger vereinslos ist. „Wir werden diese Thematik in den nächsten Tagen angehen“, kündigte Beck an. Wer kommt, muss die neue Linie mit mehr deutschen Spielern und eigenem Nachwuchs umsetzen.
