Fußball heute: Trotz 22 Punkten aus acht Spielen und der Tabellenführung in der 2. Bundesliga hat Hertha BSC ein Problem im Sturm. Beim 0:0 in Kiel gab das Team laut Bild 15 Schüsse ab, ohne einen Treffer zu erzielen. Kein Hertha-Angreifer war seit dem zweiten Spieltag mehr erfolgreich, wie auch tag24 und fussballdaten berichten.
Hertha BSC: Tabellenführer mit Ladehemmung im Angriff
Die Serie von sieben Siegen in Folge ist damit gerissen. Trainer Stefan Leitl (49) schüttelte an der Seitenlinie immer wieder den Kopf. Bei einem Expected-Goals-Wert von 2,12 ließ Hertha erneut zu viel liegen. Viele fühlten sich an die Abschlussprobleme der vergangenen Saison erinnert. Für einen Spitzenreiter ist das eine bemerkenswerte Schwachstelle.
Besonders auffällig ist die Bilanz der Mittelstürmer im 4-2-3-1. Sebastian Grönning (29) traf an den ersten beiden Spieltagen, zuletzt per Kopf nach einer Standardsituation in der zweiten Minute des 4:1 gegen den 1. FC Heidenheim. Das ist inzwischen zwei Monate her. Luca Schuler (27) und Gustaf Nilsson (29) warten noch auf ihr erstes Saisontor.
Sebastian Grönning: Pfosten statt Erlösung
In Kiel war Grönning dem Ende seiner Durststrecke ganz nah. In der 31. Minute scheiterte er noch an Holstein-Keeper Timon Weiner (27). Knapp eine halbe Stunde später köpfte er eine Flanke von Oluwaseun Adewumi an den rechten Pfosten. Zehn Minuten danach war sein Arbeitstag beendet, für ihn kam Schuler.
Der Angreifer ging danach hart mit sich selbst ins Gericht. „Ich bin enttäuscht von mir selber, nicht von meiner Leistung, aber mit diesen Momenten, wo ich da sein muss“, sagte Grönning bei Sky, wie tag24 berichtet. Zwei Meter vor dem Tor, zentral und frei zum Kopfball – das sei normalerweise seine Stärke. Gerade deshalb schmerzt die vergebene Großchance.
Schuler und Nilsson: Auch die Alternativen bleiben ohne Tor
Auch sein Ersatzmann fand gegen Weiner kein Mittel. In der 83. Minute verarbeitete Schuler einen Steilpass von Paul Seguin unsauber, der herauseilende Kieler Schlussmann klärte und parierte auch den Nachschuss. Gerade in der zweiten Halbzeit musste Weiner immer wieder eingreifen. Er avancierte damit zum großen Rückhalt seines Teams.
Nilsson fehlte in Kiel ganz. Der Neuzugang plagt sich mit Oberschenkelproblemen, trainiert individuell und dürfte nach Informationen der Bild, auf die sich fussballdaten beruft, auch gegen Bielefeld ausfallen. Dabei war der Schwede als Nummer eins im Sturm eingeplant. Für die Rolle im Zentrum bleiben Leitl damit vorerst nur Grönning und Schuler.
Stefan Leitl: Vertrauen in seine Stürmer
Geholt wurde Nilsson wegen seiner Größe, seiner Physis und seiner Fähigkeit, Bälle festzumachen und Mitspieler einzubinden. „Gustaf passt zu 100 Prozent. Er ist genau der Spieler, den wir haben wollten“, hatte Leitl noch vor wenigen Wochen gesagt. Seine Qualitäten deutete der Schwede bereits an, ließ bei seinen Joker-Einsätzen aber jeweils eine Großchance liegen.
Trotz der Flaute stellt sich der Coach vor seine Angreifer. Auf der Pressekonferenz verriet er, gerade mit Grönning gesprochen zu haben. „Wichtig ist, dass die Stürmer erst mal Chancen haben, wir die Spieler in die Position bekommen“, betonte Leitl. Genau das gelingt seiner Mannschaft, die Vollstreckung ist das eigentliche Problem.
Hertha-Training: Fokus auf den Torabschluss
Deshalb ändert Leitl ab Dienstag den Trainingsplan. Nach einem freien Tag zum Wochenstart stehen auf dem Schenkendorffplatz vermehrt Flanken, Abschlüsse und schnelle Angriffe auf dem Programm. „Wir werden jetzt hohe Wiederholungszahlen schaffen, um ihnen Selbstvertrauen zu geben, dann wird es auch wieder“, kündigte der 49-Jährige an. Danach solle der Knoten platzen.
Die Mitspieler sind ebenfalls genervt. Niklas Kolbe ärgerte sich, dass man „das verdammte Tor nicht geschossen“ habe. Seguin forderte: „Wir müssen vor dem Tor einfach noch konsequenter, ruhiger und abgebrühter sein. Daran werden wir arbeiten. Ich glaube da an die Jungs.“ Als Führungsspieler im Mittelfeld übernimmt er damit bewusst Verantwortung für das Kollektiv.
Josip Brekalo: Die Tore schießen andere
Dass Hertha trotzdem ganz oben steht, liegt an anderen Torschützen. Kapitän Josip Brekalo (28) teilt sich mit vier Treffern die Spitze der Torjägerliste mit Fabian Reese (28), dahinter folgen Oluwaseun Adewumi (21) und Jon Dagur Thorsteinsson (27) mit je drei Toren. Insgesamt kommt der Spitzenreiter bereits auf 19 Treffer.
Am Samstag (13 Uhr) empfängt Hertha im Olympiastadion Arminia Bielefeld, Brekalo will mit einem weiteren Heimsieg den Vorsprung ausbauen. „Wir sind immer noch ungeschlagen, unsere Saison ist weiterhin unglaublich. Jetzt geht es weiter“, sagte der Kapitän. Gelingt Grönning oder Schuler dann endlich der erste Stürmertreffer seit zwei Monaten, wäre das ein doppelter Gewinn.
