Fußball heute: Im ersten Heimspiel unter Sandro Wagner (38) ist Hannover 96 in der 2. Bundesliga gegen den FC St. Pauli nicht über ein 1:1 hinausgekommen. Wie PZ-news unter Berufung auf einen dpa-Bericht schreibt, trat die Mannschaft nach der Pause aber deutlich selbstbewusster auf. Auffällig leise gibt sich dagegen der Coach selbst, wie Bild beobachtet.
Hannover 96: Wagners Pausenansprache zeigt Wirkung
Vor 48.700 Zuschauern im ausverkauften Stadion war Wagner an der Seitenlinie ständig in Bewegung. Er dirigierte, klatschte und gestikulierte, nach Virgil Ghitas Kopfball an die Latte (29.) wollte er schon jubeln. Stattdessen traf Abdoulie Ceesay in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+1) zur Gäste-Führung. Ein weiterer „Nackenschlag“ wurde der Rückstand diesmal aber nicht, wie Wagner betonte.
Grund dafür war die Ansprache in der Kabine. „Es war wichtig, nicht gekrümmt da zu sitzen, sondern aufrecht“, verriet Wagner. Schon in der 48. Minute glich Husseyn Chakroun aus, die 96-Fans feierten den Treffer, als wäre das Derby gegen Braunschweig bereits gewonnen. Gerade nach einem Gegentor kurz vor der Pause war diese Reaktion ein wichtiges Zeichen.
Husseyn Chakroun: Lob für den neuen Trainer
Der Torschütze war zugleich der beste Spieler seines Teams. „Sandro hat uns noch mal gepusht und Energie gegeben“, lobte Chakroun seinen Trainer. Er möge dessen Art sehr, diese Energie helfe ihm. Alle versuchten nun, mit anzupacken und sich in einen Lauf zu spielen. Ausgerechnet der beste Mann des Abends bestätigt den neuen Trainer damit in seiner Arbeit.
Ähnlich äußerte sich Verteidiger Bastian Allgeier (24) gegenüber Bild: „Man hat gemerkt, dass er uns anzünden kann und Feuer reinbringt.“ Wie schon in Augsburg sind die Spieler zum Start voll des Lobes. Auch Geschäftsführer Jonas Boldt sah Fortschritte: „Auf jeden Fall war es ein Schritt nach vorne.“ Spieler wie Klubführung stellen dem Neuen damit ein positives Zwischenzeugnis aus.
Sandro Wagner: Bewusst raus aus dem Rampenlicht
Auf der Pressekonferenz wirkte der frühere Co-Trainer der Nationalmannschaft dagegen wie ausgewechselt. Leise und oft einsilbig vermied er es, sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. „Wir sind hier keine One-Man-Show, das ist mir ganz, ganz wichtig“, stellte Wagner klar. Das Team soll demnach den Fußball von 96 spielen, nicht den Fußball von Wagner.
Hinter dem neuen Auftreten steckt eine Lehre aus Augsburg. Dort war Wagner von Juli bis Dezember 2025 im Amt, einige seiner Aussagen schadeten ihm. Nach einer 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern sorgte er mit einem Satz für Wirbel: „Ich sehe nicht, dass wir weniger Qualität haben als Bayern.“ Solche Schlagzeilen will der Coach in Hannover offenbar vermeiden.
H96-Coach Wagner: Kurze Antworten statt großer Worte
Statt sofort zu antworten, nimmt sich Wagner heute Zeit und formuliert vorsichtig, ausweichend und knapp. „Bei mir ist es so, dass ich Gefühle weniger teilen möchte“, erklärte er. Rutscht ihm doch etwas Unbedachtes heraus, entschuldigt er sich. Fans und Medien überrascht das, galt der Ex-Profi, der unter anderem für den FC Bayern spielte, doch als Mischung aus lässigem Typen und Fußball-Visionär.
Der Nachteil liegt auf der Hand. Öffentlich wirkt der neue Wagner weniger authentisch, obwohl er voll auf seine Arbeit fokussiert ist. Nach dem Abpfiff geht das Team neuerdings direkt zu den Fans und dann gemeinsam in die Kabine, ohne Kreis auf dem Rasen. Nach dem Grund gefragt, sagte er zunächst: „Aus verschiedenen Gründen.“ Auf Nachfrage fügte er an: „In der Kabine ist es gemütlicher.“
Eintracht Braunschweig – Hannover 96: Derby am Sonntag
Zufrieden sein kann Hannover mit der Ausbeute dennoch nicht. Erst vor wenigen Wochen hatte Wagner Christian Titz beerbt, der nach schwachen Ergebnissen gehen musste. In der vergangenen Saison hatte Hannover den Aufstieg nur knapp verpasst, entsprechend hoch sind die Erwartungen. Nach dem 0:3 zum Einstand in Magdeburg blieb auch das 1:1 gegen St. Pauli hinter den Ansprüchen zurück.
Die nächste Gelegenheit bietet sich ausgerechnet im hitzigen Niedersachsen-Derby bei Eintracht Braunschweig am kommenden Sonntag. „Wir woll’n den Derby-Sieg, wir woll’n den Derby-Sieg“, sangen die Fans bereits. Auch der Trainer ist sich der Bedeutung bewusst: „Ich weiß, dass das nächste Spiel für alle hier ein sehr wichtiges ist.“ Dann schob er nach: „Und für mich auch!“
