Fußball heute: Für Martín Demichelis wird das Testspiel bei seinem Ex-Klub FC Bayern zu einer besonderen Reise: Erstmals kehrt der 45-Jährige als Trainer in die Allianz Arena zurück. Im Interview mit der SportBild spricht der neue Coach von RB Leipzig über Emotionen, seine Fußball-Philosophie und den Rekordabgang von Yan Diomande.
RB Leipzig: Emotionale Rückkehr nach München
Zwölf Jahre lebte Demichelis in München, entsprechend nah geht ihm die Rückkehr. „Es ist meine zweite Heimatstadt“, sagt der Argentinier, der bei den Bayern als junger Spieler seine Chance bekam und dort reifte. Auch Sätze wie „Mia san mia“ bedeuten ihm etwas. Zugleich stellt er klar, dass der deutsche Rekordmeister aktuell eine andere Kategorie sei als Leipzig – „aber im Fußball ist alles möglich“.
Sein neuer Klub hat große Ziele: CEO Tatjana Haenni hat die Top 10 Europas ausgerufen. Ein konkretes Datum nennt Demichelis nicht, traut RB den Weg aber zu. In seinen ersten Wochen habe er eine „brutale Energie“ im Verein gespürt.
Der Diomande-Abgang und eine klare Haltung
Besonders offen äußert sich Demichelis zum Verkauf von Yan Diomande, der Leipzig für eine Rekordablöse in Richtung Real Madrid verlassen hat. Das entspreche der RB-Philosophie: junge, hungrige Spieler holen, entwickeln und ihnen den nächsten Schritt ermöglichen. „Nur durch die Erlöse haben wir die Möglichkeit, ein großer Klub zu sein“, erklärt er. Bei Diomande sei die Entwicklung „brutal“ gewesen; der Wechsel zu Real sei zudem dessen Kindheitstraum gewesen.
Grundsätzlich stellt der Coach klar, dass er niemandem Spielzeit schenke: Wer sich nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen wolle, sei „kein Spieler für mich“. Auf Diomande, betont er, treffe das ausdrücklich nicht zu – der Ivorer hätte auch bei einem Verbleib wohl oft gespielt.
Warum die Bundesliga zu ihm passt
Der Wechsel nach Sachsen war für ihn keine schwere Entscheidung, obwohl er kurz zuvor auf Mallorca verlängert hatte. Leipzig hatte die vergangene Bundesliga-Saison als Tabellendritter beendet, und für Demichelis, der zuvor in Argentinien, Mexiko und Spanien arbeitete, öffnete sich eine große Chance. Die deutsche Kultur passe perfekt zu ihm: Er liebe Disziplin – und es, wie er sagt, „sympathisch hart“ zu sein.
Seine Prinzipien beschreibt er als Mischung aus Intensität und Ballbesitz. Pressing und Umschaltmomente seien wichtig, das hohe Tempo im Kader ein Pfund. Zugleich betont der frühere Innenverteidiger: „Ich liebe den Ball.“ Die Mannschaft solle lernen, das Spiel zu kontrollieren – und er schätze nichts mehr als eine Null hinten: Große Erfolge feierten die Teams mit den wenigsten Gegentoren, nicht die mit den meisten eigenen Treffern.
Versöhnliche Töne beim Thema WM-Finale 2014
Auch auf das verlorene Weltmeisterschafts-Finale 2014 gegen Deutschland, in dem Mario Götze das entscheidende Tor erzielte, blickt Demichelis erstaunlich versöhnlich. Die Wunde in Argentinien sei groß, doch er habe sich damit abgefunden. Autogramme gebe er gern – nur das Foto von Götzes Treffer unterschreibe er nicht. Das solle Götze selbst tun: „Es ist sein positiver Moment, nicht mein negativer.“
Rund um die alte Wirkungsstätte fehlt es zudem nicht an Anekdoten – von der legendären Pressekonferenz im Handtuch bis zu den Bier-Ritualen unter früheren Trainern, bei denen Demichelis nach eigener Aussage stets lieber Tee trank. Am Samstag aber zählt für ihn vor allem eines: der erste Auftritt als Trainer an einem Ort, der ihm viel bedeutet.
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