Beim 1. FC Köln ist eine Frage nicht beantwortet: Wer führt diese Mannschaft an? Den Sommerumbruch hat der Klub zwar auf jeder Position aufgefangen, nicht aber den Verlust an Führungsstärke nach den Abgängen von Eric Martel, Florian Kainz und Dominique Heintz, wie come-on-fc.com analysiert. Trainer René Wagner nennt gegenüber dem GEISSBLOG bereits einen Namen, auf den er setzt.
1. FC Köln: Gegen Bremen brach die Struktur weg
Das 1:1 gegen Werder Bremen war dafür ein Lehrstück. Nach einer starken ersten halben Stunde brach dem FC die Struktur weg, Skhiri und Krauß gerieten in der Zentrale in Not, weil Bremen die Doppelsechs über die Außenbahnen umging. Niemand habe gewusst, was zu tun ist, jeder sei mit sich selbst beschäftigt gewesen, beklagte Torschütze Linton Maina anschließend – ein Satz, der das Kernproblem benennt.
Denn in jeder Partie lief das Team phasenweise hinterher, ohne einen Anführer, der die Kollegen mitreißt. Kapitän Marvin Schwäbe war zum Start der Einzige, der voll überzeugte, kann als Torwart aber kaum auf die vorderen Reihen einwirken. Ein lautstarker Kommandogeber fehlt im Kader wohl komplett – und genau dieser Typ wird in den Momenten vermisst, in denen das Spiel zu kippen droht.
FC-Trainer Wagner setzt auf Skhiri – Krauß will „ekelhafte Mannschaft“
Wagner setzt auf Ellyes Skhiri. „Ellyes gehört dazu und wird das in der Zukunft tun“, sagte der Coach gegenüber dem GEISSBLOG. Nach seinem ersten Startelfeinsatz solle der Routinier künftig genau in solchen Phasen Führung übernehmen. Skhiri liefert konstant, versteht sich selbst aber als ruhiger Leader über Leistung – Wagner erwartet, dass er und andere sich in schweren Phasen nicht verstecken.
Emotionaler tritt Tom Krauß auf. Der aus Mainz fest verpflichtete Sechser brüllte gegen Bremen Mitspieler an: „Ich bin ein emotionaler Spieler, ich will Fußballspiele gewinnen.“ Selbstkritisch ergänzte er, womöglich müsse er selbst noch mehr tun, das Ziel sei eine „ekelhafte Mannschaft“, die Spiele auch dreckig gewinnt. Zum Mitreißen reichte es bislang allerdings nicht.
Maina, Thielmann, Lochoshvili: Wer wächst in die Lücke?
Maina wiederum könnte in seiner fünften FC-Saison zum Führungsspieler reifen. Der beliebte Außenspieler, einer der Gewinner des Saisonstarts und schon in der Aufstiegssaison Sprachrohr, sprach die Probleme nach dem Remis offen an, pushte die Kollegen in Spielpausen und mahnte, das Spiel dürfe nicht dahinplätschern. Ob er die Rolle dauerhaft ausfüllt, hängt von seiner Konstanz ab.
Auch Jan Thielmann, dienstältester Profi, hatte in der Vorbereitung mehr Verantwortung angekündigt, kämpft aber seit Jahren mit Leistungsschwankungen und muss sich erst einen Stammplatz sichern. Luka Lochoshvili, als potenzieller Leader aus Nürnberg gekommen, muss in der Bundesliga erst ankommen. Ob er, Jahmai Simpson-Pusey oder Said El Mala zu lauten Anführern reifen, ist offen.
Köln-Umbruch: Fünf Neuzugänge in der Startelf
Der Trainer führt die Abstimmungsprobleme auf den Umbruch zurück. Fünf Neuzugänge standen gegen Bremen in der Startelf, einige hatten noch nie im Kölner Stadion gespielt. Man wolle solche Phasen vermeiden, sie gehörten aber zur Entwicklung, so Wagner. Das Trainerteam werde die Szenen analysieren und den jungen Spielern das Selbstvertrauen geben, dass sie führen können und sollen.
Für den FC wird die Leader-Frage damit zur Bewährungsprobe der kommenden Wochen. Sie werden zeigen, ob Sportchef Thomas Kessler bei der Kaderplanung einen entscheidenden Faktor übersehen hat – oder ob Skhiri, Krauß und Maina in die Lücke wachsen, die Martel, Kainz und Heintz hinterlassen haben. Der nächste Rückstand wird der erste echte Test.
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