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Thomas Tuchel über WM-Drama gegen Argentinien: „Das überstehen wir nicht“

England-Fans

Knapp zwei Monate nach dem bitteren 1:2 im WM-Halbfinale gegen Argentinien hat Thomas Tuchel erstmals ausführlich über seine umstrittenen Wechsel gesprochen. Der englische Nationaltrainer verteidigt die Entscheidung, räumt gegenüber sport1 aber ein, womöglich den falschen Zeitpunkt gewählt zu haben. Seine Schilderung der Schlussphase zeigt, wie nah England dem ersten WM-Finale seit 60 Jahren war.

WM-Halbfinale: Tuchels Wechsel in der 82. Minute

In der 82. Minute hatte Tuchel beim Stand von 1:0 unter anderem Declan Rice und Torschütze Anthony Gordon durch Dan Burn, Nico O’Reilly und Ezri Konsa ersetzt und auf Fünferkette umgestellt, um den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Der Plan scheiterte binnen Minuten: Enzo Fernández glich in der 85. Minute aus, Lautaro Martínez traf in der Nachspielzeit (90.+2) zum argentinischen Sieg.

„Natürlich hätte man offensivere Wechsel vornehmen können. Niemand weiß, was dann passiert wäre“, sagte Tuchel laut sport1. Die Wechsel seien der Versuch gewesen, den Zugriff zurückzugewinnen. Ob eine andere Entscheidung England ins Finale gebracht hätte, wisse man schlicht nicht – eine Einschätzung, die den Vorwurf der Passivität zwar nicht entkräftet, aber die Logik hinter dem Umbau erklärt.

England-Trainer Tuchel: „Wie auf den Tod zu warten“

Die Schlussphase beschreibt der Coach als Kontrollverlust. Argentinien habe extrem schnell und nach dem Motto „nichts zu verlieren“ gespielt, „Scheiß-drauf-Fußball“, wie er es nennt. Er habe gedacht: „Das überstehen wir nicht. Das ist wie auf den Tod zu warten.“ Für einen Trainer, der für taktische Kontrolle steht, ist dieses Eingeständnis bemerkenswert offen.

Auf das Aus folgte eine Welle aus Spott, Hass und Anfeindungen. Tuchel betont, niemand sei verletzter gewesen als er, das Finale nur als Zuschauer zu erleben, habe ihn sehr geschmerzt. Es werde dauern, darüber hinwegzukommen – Worte, die zeigen, dass die Wunde auch beim Trainer selbst noch lange nicht verheilt ist.

Thomas Tuchel und die Three Lions: Was vom WM-Sommer bleibt

England hatte erstmals seit 60 Jahren die Chance auf ein WM-Finale, entsprechend groß war die Fallhöhe. Mit dem 6:4 gegen Frankreich im Spiel um Platz drei gab es immerhin ein halbwegs versöhnliches Ende, das die Debatte um die Wechsel allerdings nicht beenden konnte. Für Tuchel selbst bleibt der dritte Platz ein schwacher Trost.

Verstummen wird die Diskussion in England durch Tuchels späte Aufarbeitung nicht, sie bekommt aber eine neue Grundlage. Der Trainer stellt sich den Fragen, statt sie auszusitzen, und benennt seinen möglichen Fehler beim Zeitpunkt selbst. Ob das reicht, um das Vertrauen der Fans zurückzugewinnen, wird sich bei den nächsten Aufgaben mit den Three Lions zeigen.

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