Eine Niederlage, die mehr aufgedeckt hat als nur ein schlechtes Ergebnis. Die U19 des FC Schalke 04 unterlag dem Nachwuchs von Borussia Dortmund mit 1:4 – und was danach folgte, war keine gewöhnliche Nachbetrachtung. Norbert Elgert, seit mehr als 30 Jahren Trainer der Knappenschmiede und eine lebende Legende des deutschen Nachwuchsfußballs, ergriff das Wort. Und er wählte deutliche Worte.
Schalke-Jugendtrainer Elgert: „Das ist nicht unser Anspruch“
Elgert ist nicht irgendwer. Unter seiner Regie wurden in Gelsenkirchen über 150 Spieler zu Profis geformt – darunter Manuel Neuer, Benedikt Höwedes und Leroy Sané. Wer solch eine Vita vorweisen kann, hat das Recht, Klartext zu reden. Und genau das tat er, wie „DerWesten“ und „Reviersport“ berichten.
„Das Spiel der zweiten Halbzeit war natürlich auch augenöffnend. Und ich bin ja ein Augenöffner. Ich habe es in meinen fast 70 Jahren noch nie nötig gehabt, die Dinge nicht anzusprechen. Ihr wisst, was wir hier alles geleistet haben. Ihr wisst, dass wir 150 Spieler rausgebracht haben“, sagte Elgert. Worte, die sowohl Stolz als auch Frustration widerspiegeln – und die unmissverständlich an die Vereinsführung gerichtet sind.
Denn Elgert sieht den Anschluss zur Spitze des deutschen Nachwuchsfußballs schwinden. „Sorgen macht mir eher, dass wir nicht mehr mithalten können – und das ist nicht unser Anspruch“, erklärte er. Und er untermauerte diese Einschätzung mit einem konkreten Vergleich: „Wolfsburg schlägt Dortmund 4:0, Augsburg schlägt Dortmund 3:0. Dann weiß man ungefähr, wo man steht. Wir brauchen auch eine Menge, Menge mehr Talent und Potenzial.“ Es sei deutlich erkennbar, dass die Spieler wollten und sich bemühten – doch ohne ausreichendes Potenzial im Kader stoße selbst die beste Ausbildung an ihre Grenzen.
FC Schalke: „Dafür müssen auch die finanziellen Ressourcen geöffnet werden“
Die Forderung des Trainerurgesteins ist deshalb klar: mehr Investitionen in den Talentpool. „Ich wünsche mir dann schon nochmal einen größeren Talente-Pool – und dafür müssen auch die finanziellen Ressourcen geöffnet werden“, mahnte Elgert. Und weiter: „Es geht immer um Ausbildung, um Prozesse, um Entwicklung. Wenn du da Gas gibst, wenn du da was tust, dann ergeben sich daraus die Ergebnisse.“
Am Ende seiner Ausführungen wurde Elgert noch persönlicher – und ließ dabei durchblicken, dass es für ihn nicht nur um den Verein, sondern auch um seine eigene Arbeit geht: „Sorgen macht mir, dass wir nicht mehr mithalten können auf Dauer. Das ist nicht der Anspruch des S04, und meiner erst recht nicht. Ich bin eigentlich ein Top-Talente-Trainer. Ich arbeite unheimlich gerne mit meinen Jungs, ich mag meine Jungs sehr. Aber wir brauchen viel mehr Top-Talente, damit es für den Klub, aber auch für mich noch mehr Sinn macht.“ Ein Appell, der sitzt – und den die Verantwortlichen in Gelsenkirchen kaum ignorieren können.