Formel 1 heute: Doppelführung, freie Bahn, ein sicher geglaubter Sieg – und am Ende jubelt ein anderer. Beim Großen Preis von Mexiko verspielte Ferrari den Erfolg durch das Duell zwischen Lewis Hamilton und Charles Leclerc. Teamchef Fred Vasseur tobt, wie The Race berichtet, Hamilton fordert laut Sky und BBC ernste Gespräche.
Ferrari: Die Doppelführung in Mexiko verspielt
Nach der ersten Runde lag Ferrari auf Platz eins und zwei, auf einer Strecke, auf der Überholen extrem schwierig ist. Dann ging Leclerc in Kurve vier außen an Hamilton vorbei, bremste zu spät und kürzte ab. Hamilton musste kurz neben die Strecke und verlor Rang zwei an Max Verstappen.
Eigentlich hätte Leclerc die Position zurückgeben müssen, doch Verstappen lag nun zwischen den Ferraris. Vergeblich versuchte er, einen Vorsprung für seine Fünf-Sekunden-Strafe herauszufahren. Beim Boxenstopp zog Verstappen vorbei und gewann, Hamilton wurde Zweiter, Leclerc nur Vierter. Kimi Antonelli krönte sich als Dritter zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte.
Fred Vasseur: Ferrari-Teamchef geht mit seinen Fahrern hart ins Gericht
Vasseur hat die Pleite schwer im Magen. Er könne das kaum schlucken, es sei ein Mangel an Respekt vor allen Mitarbeitern, sagte er bei Canal+. Seine Fahrer würden nicht für sich selbst fahren. Er könne sich an das letzte Überholmanöver in Mexiko kaum erinnern, wer in Kurve vier Doppelführung habe, rechne fest mit dem Sieg.
Ihm gehe es nicht um die Frage nach Schuld, sondern darum, dass das Duell die Arbeit in Maranello untergraben habe. In der Pressemitteilung forderte er Respekt vor der Marke, den Partnern und vor allem den 2000 Mitarbeitern, die Tag und Nacht an Verbesserungen arbeiten. Einen Sieg so zu verlieren, sei deshalb schwer zu akzeptieren.
Lewis Hamilton: Etwas muss sich ändern
Genau dieses Duell habe den Sieg gekostet, betonte Hamilton gegenüber der BBC, nun brauche es ernste Gespräche hinter verschlossenen Türen. Klare Regeln für das Duell zwischen den Teamkollegen gebe es nicht, ob diese bei Leclerc etwas ändern würden, wisse er nicht. Sicher sei nur, dass sich etwas ändern müsse.
Die Schuld sieht der siebenmalige Weltmeister klar beim Kollegen. Er habe geführt, der Angriff sei schlicht unnötig gewesen, ein Doppelsieg wäre locker möglich gewesen. Bislang sei nichts passiert, ohne Konsequenzen werde sich das wiederholen. Er sei hin- und hergerissen, sagte er bei Sky, glücklich über Antonellis Titel, aber zugleich stinksauer.
Charles Leclerc: Auch Hamilton war am Limit
Leclerc sieht die Lage deutlich gelassener. Man werde natürlich reden, auch Hamiltons Manöver sei grenzwertig gewesen, sagte er. Mit dem Red Bull auf Platz zwei habe er die Führung behalten wollen. Zudem könne er sich ebenso darüber ärgern, wie weit Hamilton ihn nach Kurve eins von der Strecke gedrängt habe, das sei eben Racing.
Dennoch legte Hamilton nach. Leclerc sei 28 Jahre alt, es gehe also nicht um das Alter, sondern um eine Alles-oder-nichts-Mentalität, bei der entweder er gewinne oder keiner. In Silverstone hätte er selbst kamikazeartig attackieren können, stattdessen habe es einen ersten und dritten Platz gegeben. Damit wird der Konflikt zunehmend persönlich.
Hamilton und Leclerc: Nicht der erste Zoff bei Ferrari
In Zandvoort und Monza krachte es bereits zwischen den beiden. In Italien drängte Leclerc den Teamkollegen in der ersten Kurve ab, Hamilton forderte danach klare Regeln, wie er es schon bei Mercedes getan hatte. Im Rennen davor ignorierte Leclerc eine Teamorder, in Singapur verweigerte Ferrari einen von Hamilton gewünschten Platztausch.
Verstappen profitierte dankend. Ferrari sei sehr schnell gewesen, habe es sich durch den internen Zweikampf aber selbst schwer gemacht, erklärte der Red-Bull-Pilot. TV-Experte Martin Brundle glaubt nicht an eine schnelle Lösung. Man werde sich zusammensetzen und Besserung geloben, in Wahrheit werde es aber wieder passieren, prophezeite er.
Formel 1: Krisengipfel vor dem Rennen in Brasilien
Zunächst brauche er Zeit, um das Geschehene zu verdauen, erklärte Vasseur. Vor dem Großen Preis von São Paulo am kommenden Wochenende will er mit beiden Fahrern die Situation klären, wer mehr Schuld trage, wollte er vorher nicht bewerten. Den kurzen Abstand bis Interlagos sieht er als Vorteil, man werde am Abend reden und das Problem am nächsten Tag lösen.
Während der Rotphase nach dem schweren Unfall von Valtteri Bottas im Cadillac hatte Hamilton am Funk große Probleme gemeldet. Positiv sei laut Hamilton immerhin, dass das Auto deutlich besser geworden sei. Ob die Gespräche bei Ferrari wirklich Frieden bringen, wird sich schon in Interlagos zeigen.
