Fußball heute: Nach einer Champions-League-Saison zum Vergessen steht Eintracht Frankfurt vor einem Scherbenhaufen. Während die Vereinskasse trotz sportlicher Misere prall gefüllt ist, muss der neue Hoffnungsträger an der Seitenlinie eine völlig verunsicherte Mannschaft in Rekordzeit stabilisieren.
Königliches Schmerzensgeld für Eintracht Frankfurt
Das Abenteuer Königsklasse ist für Eintracht Frankfurt mit einer bitteren 0:2-Heimpleite gegen Tottenham Hotspur zu Ende gegangen. Sportlich glichen die Auftritte der Hessen eher einem Albtraum als einem Traum: Mit nur vier Punkten aus acht Partien landete der Bundesligist auf einem enttäuschenden 33. Platz in der neu geschaffenen Ligaphase. Sportvorstand Markus Krösche räumte nach dem unbedeutenden letzten Heimspiel ein, dass man sich diese Saison deutlich anders vorgestellt habe.
Trotz der sportlichen Pleite winkt den Frankfurtern ein sattes finanzielles Trostpflaster. Nach Abschluss der Vorrunde kann der Verein mit Einnahmen in Höhe von knapp 48,8 Millionen Euro planen. Diese Summe setzt sich primär aus dem Startgeld (18,62 Mio. Euro) und einer hohen Wertprämie von über 26 Millionen Euro zusammen. Kurioserweise verdient die Eintracht damit deutlich mehr als bei ihrem Vorjahres-Lauf in der Europa League, der trotz Erreichen des Viertelfinales weniger als 24 Millionen Euro an Prämien einbrachte. Dennoch bleibt ein Wermutstropfen: Ursprünglich hatten die Verantwortlichen mit Einnahmen jenseits der 50-Millionen-Marke kalkuliert.
Baustelle Defensive: Rieras Mammutaufgabe bei der SGE
Abseits der Zahlen herrscht bei den Profis Alarmstimmung. Ellyes Skhiri bezeichnete die aktuelle Phase als mental belastend, nachdem die Leistungen seit Wochen nicht mehr den eigenen Ansprüchen genügen. Die größte Herausforderung für den neuen Trainer Albert Riera, der am Montag in Frankfurt erwartet wird, liegt in der Defensive. Mit bereits 64 Gegentreffern in dieser Spielzeit – davon 42 in der Bundesliga – weist die Eintracht eine der schlechtesten Abwehrreihen in Europas Top-Ligen auf.
Der Fokus des Toppmöller-Nachfolgers muss daher auf einer grundlegenden Stabilisierung liegen. Während unter Dino Toppmöller die spielerische Entwicklung im Vordergrund stand, leidet das Team nun unter einer Flut von Gegentoren nach Ballverlusten und Kontern. Von Riera, der als „harter Hund“ gilt, wird erwartet, dass er klare taktische Prinzipien einführt und keine Rücksicht auf Einzelschicksale nimmt. Auch die Torwartfrage zwischen dem jungen Kauã Santos und Michael Zetterer wird eine seiner ersten Amtshandlungen sein.
Kritik an Krösche und Fitness-Defizite
Doch nicht nur auf dem Rasen gibt es Redebedarf. Intern wird auch die medizinische Abteilung kritisch beäugt. Zahlreiche Muskelverletzungen und auffällige Fitnessdefizite, die zu 13 Gegentoren in der Schlussviertelstunde führten, belasten das Klima. Zudem gerät Sportvorstand Markus Krösche zunehmend unter Druck. Experten kritisieren eine einseitige Kaderzusammenstellung, bei der zwar teure Stürmer verkauft wurden, die Abwehr jedoch nicht ausreichend verstärkt wurde. Riera muss nun als Psychologe und Taktiker zugleich fungieren, um die Achse aus Führungsspielern wie Robin Koch und Rasmus Kristensen wieder zu alter Stabilität zu führen.