Die fehlende Job-Garantie? Egal. Das schwere Programm? Kein Grund zum Fürchten. Die Lust auf eine Medaille? Enorm groß. Nach einem ruhigen Silvester-Urlaub in seiner isländischen Heimat versammelt Bundestrainer Alfred Gislason die deutschen Handballer am Sonntag in Hannover voller Energie und Enthusiasmus zur finalen Vorbereitung auf die Europameisterschaft.
Handball-EM – DHB-Trainer Gislason: „Brauchen keine Angst zu haben“
„Ich freue mich riesig auf dieses Turnier. Wir brauchen keine Angst vor den Gegnern zu haben und dürfen uns keinen Stress machen. Aber wir müssen die Gier haben, ins Halbfinale kommen zu wollen“, gab der 66-Jährige in einem dpa-Gespräch die Marschroute für die Endrunde vom 15. Januar bis 1. Februar in Dänemark, Norwegen und Schweden vor.
Einen Platz in der Top-Vier hat Gislason als Ziel ausgegeben – wohl wissend, „dass die EM mit dieser Gegner-Konstellation wahrscheinlich das schwierigste Turnier bisher ist. Wir müssen gut genug spielen, um uns Siege zu verdienen. Wenn wir das nicht tun, haben wir es auch nicht verdient. Das weiß die Mannschaft, die mittlerweile sehr gefestigt ist.“
DHB-Coach Gislason mahnt: „Dürfen uns keinen schlechten Tag erlauben“
Österreich, Serbien und Spanien heißen die Vorrundengegner, danach warten in der Hauptrunde höchstwahrscheinlich Olympiasieger und Weltmeister Dänemark, Europameister Frankreich, der WM-Vierte Portugal und Norwegen. „Das EM-Programm ist sehr knackig. Da dürfen wir uns keinen schlechten Tag erlauben“, mahnte Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton.
Ähnlich äußerte sich DHB-Sportvorstand Ingo Meckes: „Auf uns warten harte Herausforderungen. Wir müssen von Beginn an bereit sein, um die zu bestehen.“ Damit dies gelingt, durften die 18 EM-Fahrer rund um Silvester abschalten.
„Wir haben uns bewusst dafür entschieden, den Spielern über den Jahreswechsel eine etwas längere Pause zu ermöglichen. Wir bauen darauf, mit dem aktuellen Plan etwas mehr Frische zu gewinnen und so die spielerische Qualität bei der EM möglichst lange aufrechterhalten zu können“, sagte Chatton.
DHB-Team vor der Handball-EM: Fehlerkorrektur per Video
Ab Sonntag müssen Andreas Wolff, Juri Knorr & Co. dann „schnell aus der Komfortzone herauskommen“, forderte Chatton. Denn viel Zeit bis zum Auftaktspiel gegen Österreich bleibt nicht. „Wir werden die komplette taktische Palette durchgehen. Abwehr, Angriff, zweite Welle, Überzahl“, kündigte Gislason ein straffes Vorbereitungsprogramm an.
Der Bundestrainer erwartet von seinen Schützlingen, dass sie gut vorbereitet nach Hannover anreisen. „Ich habe den Spielern im Vorfeld viele Videos geschickt, was sie besser machen müssen. Ich gehe davon aus, dass sie sich das gut angeschaut haben und selbst aktiv korrigieren“, sagte Gislason.
Ein Party-Verbot für Silvester hatte er dem Team nicht verordnet, denn das Vertrauen des Bundestrainers in die Spieler ist groß. „Die sind alle alt genug und wissen, was sie tun müssen und was sie nicht tun sollten. Ich weiß, dass sie extrem vernünftig sind“, sagte Gislason.
Kroatien letzter Prüfstein
Aufschluss über die Leistungsstärke des DHB-Teams sollen die zwei Länderspiele gegen den WM-Zweiten Kroatien am 8. Januar in Zagreb und 11. Januar in Hannover bringen. „Ich wollte einen starken Gegner und damit zwei richtig schwere Herausforderungen haben, um genau zu wissen, wo wir stehen“, begründete Gislason die Gegner-Auswahl. Bei den letzten drei Duellen im Jahr 2024 – EM, Olympia-Qualifikation, Sommerspiele – ging das deutsche Team stets als Verlierer vom Parkett.
Zwei Tage nach der Generalprobe bezieht der DHB-Tross sein EM-Quartier im dänischen Silkeborg, von wo aus das Team zu den Endrundenspielen ins 40 Kilometer entfernte Herning pendelt. „Wir sind jetzt noch variabler, flexibler und damit schwerer auszurechnen. Zudem ist die Mannschaft erfahrener und eingespielter. Ich gehe davon aus, dass sie ein gutes Turnier spielen kann“, sagte Gislason voller Zuversicht und bekräftigte: „An guten Tagen können wir jeden Gegner schlagen.“
(dpa)
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