Dortmund (dpa) – Die Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga scheint entschieden. Nach dem 3:2 (0:1) im Spitzenspiel bei Borussia Dortmund ist Rekordmeister Bayern München zehn Spieltage vor dem Saisonende auf elf Punkte enteilt. Super-Torjäger Harry Kane mit einem Doppelpack (54. Minute/70., Foulelfmeter) und Joshua Kimmich (88.) entschieden das Prestigeduell beim Tabellenzweiten nach der Pause.
FC Bayern: Kane und Kimmich dämpfen Dortmunder Hoffnungen im Gipfel
Nico Schlotterbeck hatte den BVB (26.) in Führung gebracht, allerdings gleich zweimal Glück, nicht vom Platz gestellt zu werden. Daniel Svensson (83.) hatte zum zwischenzeitlichen 2:2 getroffen. Neben der schmerzhaften Niederlage beklagte Dortmund auch den Ausfall von Kapitän Emre Can, der vor der Pause anscheinend ernsthaft verletzt ausgewechselt werden musste.
Trotz einer klaren Leistungssteigerung zum 1:4-Desaster bei Atalanta Bergamo in der Champions League verloren die Dortmunder damit auch das zweite Saisonspiel gegen die Bayern. Der bislang letzte Heimsieg gegen den Rekordmeister liegt bereist mehr als sieben Jahre zurück. Für das Team von Trainer Niko Kovac war es zudem die erste Heimniederlage überhaupt in dieser Saison.
Dortmund verbessert nach Königsklassen-Klatsche
Von Beginn an war Feuer im Prestigeduell, das zum 114. Mal ausgetragen wurde. In der Bundesliga gab es nur die Duelle der Bayern mit Werder Bremen (118) und Borussia Mönchengladbach (115) öfter. Die Dortmunder waren sichtlich bemüht, die Schmach von Bergamo und das blamable Ausscheiden in der Champions League unter der Woche wettzumachen. Die Intensität gegen mental und physisch frischere Bayern war deutlich höher.
Den Ball ließ aber erstmal der Tabellenführer laufen. Der BVB verteidigte leidenschaftlich, kam aber kaum aus der eigenen Hälfte raus. Die Führung fiel wie aus dem Nichts und nicht aus dem Spiel heraus. Eine Freistoßflanke von Daniel Svensson köpfte Schlotterbeck vorbei an Jonas Urbig ins Netz. Manuel Neuer hatte den Wettlauf mit der Zeit nach seinem Faserriss verloren und es nicht in den Kader geschafft. Schlotterbeck hatte bei seinem vierten Saisontreffer Glück, überhaupt noch auf dem Platz zu stehen.
Nach gut einer Viertelstunde hatte der Nationalverteidiger Josip Stanisic übel und stumpf umgetreten und die Gelbe Karte gesehen. Damit war der 26-Jährige gut bedient. Nach dem 1:0 des BVB änderte sich das Spiel. Die Dortmunder bekamen nun etwas mehr Zugriff, es entwickelte sich bis zur Pause ein intensiver Schlagabtausch, den die Bayern-Fans weitestgehend still verfolgten.
Darum schwiegen die Bayern-Fans
Vor dem Bundesliga-Gipfel hatte es eine Auseinandersetzung der Polizei mit Teilen der organisierten Fanszene des Rekordmeisters gegeben. Laut Sky-Informationen hätten Gäste-Fans aus Protest und aus Solidarität mit den betroffenen Anhängern entschieden, sich mit Gesängen und Anfeuerungen zurückzuhalten.
Keine zehn Minuten nach Wiederanpfiff war es kurzzeitig vorbei mit der guten Abwehrarbeit der Dortmunder. Beim Ausgleich durch Goalgetter Kane rückte der für Can eingewechselte Ramy Bensebaini etwas zu ungestüm aus dem Abwehrzentrum raus, weshalb Serge Gnabry und Torschütze Kane bei einem Chipball von Joshua Kimmich komplett frei vor dem BVB-Tor auftauchten. Der Kapitän der englischen Nationalmannschaft ließ sich diese Einladung nicht nehmen und vollstreckte zum 29. Mal in dieser Saison.
Bensebaini und Guirassy wegen Ramadan zunächst auf der Bank
Bensebaini hatte schon in Bergamo schwerwiegend mehrfach gepatzt und war wie Serhou Guirassy zu Spielbeginn zunächst auf der Bank geblieben. Dortmunds Trainer Kovac hatte dies vor dem Spiel mit dem muslimischen Fastenmonat Ramadan begründet. «Wir sind seit zwei Wochen in der Fastenzeit und wir haben schon vier Spiele gespielt. Es kostet viel Energie, wenn du den ganzen Tag nicht essen und nicht trinken kannst und deswegen konnte ich die Jungs heute einfach auch nicht bringen», sagte Kovac bei Sky.
Guirassy-Ersatz Fábio Silva erwischte allerdings einen rabenschwarzen Tag und war im Angriff ein Totalausfall. Der Portugiese gewann kaum einen Zweikampf und verlor viele Bälle. Erst nach über eine Stunde hatte Kovac ein Einsehen und tauschte die beiden Angreifer gegeneinander aus.
Schlotterbeck im Glück
Eine Wirkung hatte dies zunächst nicht. Ein Schlotterbeck-Tritt gegen Stanisic im Strafraum brachte die Bayern in Führung. Der sichere Elfmeterschütze Kane verwandelte den fälligen Strafstoß. Auch bei der Szene hatte Schlotterbeck Glück. Die eigentlich fällige zweite Gelbe Karte gegen ihn ließ Schiedsrichter Sven Jablonski diesmal stecken.
Nach dem 2:2-Ausgleich durch Svensson witterte Dortmund wieder Morgenluft, doch das Traumtor von Kimmich kurz vor dem Spielende ließ die euphorisierten BVB-Fans verstummen.
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