Fußball heute: Zwölf Punkte, zwölf Tore, vier Siege – Hertha BSC marschiert durch die 2. Bundesliga und hat dabei gleich einen Vereinsrekord aufgestellt. Nie zuvor gewann der Klub die ersten vier Pflichtspiele einer Saison am Stück. Wie Transfermarkt berichtet, war das letzte Mal im Mai 2013, dass die Berliner überhaupt an der Spitze des Unterhauses standen.
Hertha BSC: Traumstart trotz massivem Aderlass
Was diesen Start so außergewöhnlich macht, ist der Kontext dahinter. Kein anderer Zweitligist verlor im Sommer prozentual mehr Kaderwert – der Marktwert brach laut Transfermarkt von 62,3 auf 25,3 Millionen Euro ein. Dazu wanderten 56 Scorerpunkte aus der Vorsaison ab, unter anderem mit Reese, Cuisance und Winkler.
Trotzdem funktioniert die Mannschaft – und das hat Gründe. Trainer Stefan Leitl betont, dass hinter dem Aufschwung ein konkreter Plan stecke: ein auf den Kader zugeschnittener Spielstil, intensive Zweikämpfe und mutiges Auftreten sowie Verbesserungen im medizinischen und präventiven Bereich. Kleinerer Kader, klarere Rollen – das ist der Ansatz.
Görlich: „Nicht mehr lebensbedrohlich, aber noch nicht geheilt“
Geschäftsführer Dr. Peter Görlich zeichnet gegenüber dem Kicker ein ehrliches Bild der Lage: „Der Klub ist nicht mehr in einem lebensbedrohlichen Zustand, aber auch noch nicht geheilt.“ Man befinde sich derzeit bei rund 40 Prozent des formulierten Zielbilds – finanziell stabilisiert, aber eben noch nicht saniert.
Den kleineren Kader sieht Görlich dabei nicht als reine Notlösung, sondern als strategisches Signal. Weniger Spieler bedeuteten klarere Rollen und höhere Eigenverantwortung. „Jeder merkt, dass er gebraucht wird – und spürt trotzdem, dass er nichts weglassen darf“, so der Geschäftsführer. Neuzugang Josip Brekalo – im Februar ablösefrei verpflichtet – verkörpert diesen Anspruch: Fünf Scorerpunkte in vier Spielen, dazu trifft Burnley-Leihgabe Adewumi mit drei Toren.
BSC-Coach Leitl bremst den Jubel
Beim jüngsten 2:1 gegen Magdeburg habe die Mannschaft „nie Ruhe ins Spiel bekommen“ und zu viele Gegentore nach Standards kassiert, räumte Leitl ein. Der Blick bleibt also selbstkritisch – trotz historischer Ausbeute. Die nächsten Aufgaben warten auswärts: in Osnabrück und Dresden, beide noch vor der Länderspielpause.
Görlich richtet den Blick bereits weiter nach vorne. Nachhaltige Strukturen und eine Leistungskultur seien der Weg nach oben – „die wünscht und erhofft man sich nicht, die schafft man in der Realität.“ Ob Hertha diesen Kurs hält, werden die kommenden Wochen zeigen.
