Fußball heute: Was im Sommer noch als cleverer Transfercoup gefeiert wurde, hat sich für Borussia Dortmund nun zum Bumerang entwickelt. Aaron Anselmino, der argentinische Innenverteidiger, hat den Verein mit sofortiger Wirkung verlassen. Stammklub FC Chelsea zog eine brisante Rückhol-Option. Diese Klausel ermöglichte es den Londonern, das Leihgeschäft abrupt zu beenden, da der Abwehrspieler eine vertraglich fixierte Einsatzzeit nicht erreicht hatte.
Die Details des Deals werfen Fragen zur Weitsicht der Dortmunder Verhandlungsführer um Sebastian Kehl und Lars Ricken auf. Laut Medienberichten hätte die Klausel nur durchbrochen werden können, wenn Anselmino bis zum Jahresende mehr als 1000 Pflichtspielminuten absolviert hätte. Aufgrund von zwei hartnäckigen Muskelverletzungen kam das Talent jedoch lediglich auf 565 Minuten. Dass Chelsea dieses Zeitfenster am letztmöglichen Tag, dem 25. Januar, nutzte, traf die Borussia unvorbereitet und hinterlässt eine klaffende Lücke in der Hintermannschaft von Trainer Niko Kovac.
Borussia Dortmund: Fans fordern Konsequenzen für Kehl
In den sozialen Netzwerken entlädt sich derweil der Zorn der Anhängerschaft. Viele Fans werfen Sportdirektor Sebastian Kehl vor, den Verein in eine Position der Schwäche manövriert zu haben. Kritiker bezeichnen das Leihmodell als „peinlich“ und werfen der sportlichen Leitung vor, Dortmund zu einem „Ausbildungsverein“ für Premier-League-Klubs degradiert zu haben. Besonders die mangelnde Planungssicherheit wird moniert, da der BVB nun ohne adäquaten Ersatz für die restliche Rückrunde dasteht.
Die Brisanz wird durch die allgemeine Transferbilanz dieses Winters verschärft. Während Top-Talente Spieler wie Duranville oder Campbell den Verein verlassen haben, stehen auf der Zugangsseite bisher keine Neuzugänge zu Buche. Laut Der Westen herrscht im Netz Unverständnis darüber, wie ein ohnehin dünn besetzter Kader weiter geschwächt werden konnte, ohne personell gegenzusteuern. Das Vertrauen in die Strategie der Führungsetage scheint an einem neuen Tiefpunkt angelangt zu sein.
Der Westen veröffentliche folgende bissige Fan-Kommentare im Netz:
- „Wer wirklich einen Vertrag vereinbart, bei dem der ausleihende Verein einfach ohne Deadline mitten in der Rückrunde den Spieler zurückholen kann – der ist maximal unterqualifiziert für seinen Job!“
- „Duranville, Campbell, Groß, Anselmino weg, kein Neuzugang. Hat Kehl keinen Bock oder ist er einfach nur unfähig?“
- „Warum lassen sich Vereine wie Dortmund überhaupt auf so einen Deal ein? Man braucht doch Planungssicherheit für die ganze Saison und nicht nur für eine Halbserie.“
- „Peinliche Nummer für Sebastian Kehl.“
- „Chelsea hat einen Spieler in Form gebracht bekommen und musste dafür nix machen. Wir haben uns zum Ausbildungsverein für Chelsea verzwergt. Das hat nichts mit Weitsicht und Strategie zu tun. Kehl und Ricken sind einfältig und mittelmäßig.“
- „Kehl hat es weiterhin nicht hinbekommen, einen ordentlich strukturierten Kader zusammenzustellen. Der peinliche Anselmino-Deal ist nur die Spitze des Eisbergs.“
Hat der BVB Warnsignale ignoriert?
Besonders bitter für die Dortmunder Verantwortlichen: Der Abschied kam offenbar nur für die Teppich-Etage überraschend. Informationen von Sky zufolge soll Anselmino bereits nach dem Spiel gegen Gladbach im Mannschaftskreis angedeutet haben, dass seine Zeit in Westfalen endet. Dass Sebastian Kehl noch Anfang Januar im Trainingslager in Marbella öffentlich von einem Verbleib ausging, lässt die Führung nun in einem unglücklichen Licht erscheinen.
Hinter den Kulissen soll es aufgrund der kurzfristigen Aktivierung der Klausel durch Chelsea-Boss Behdad Eghbali gewaltig brodeln. Doch am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die Borussia durch die Zustimmung zu diesen speziellen Konditionen ihr eigenes Schicksal aus der Hand gegeben hat. In Dortmund steht man nun vor einem sportlichen Scherbenhaufen, während die Konkurrenz in der Bundesliga den personellen Aderlass des Vizemeisters registriert.