Der komplette Playoff-Kern ist weg, und trotzdem steht kein Team besser da. Die Memphis Grizzlies sind nach dem Sieg über Sacramento am Samstag als letzte NBA-Mannschaft ungeschlagen und führen mit 6:0 die Western Conference an – der beste Saisonstart der Franchise seit über zehn Jahren. Laut dem bei Yahoo Sports übernommenen Beitrag von The Sporting News hat das zwei Hauptgründe.
NBA: Grizzlies ohne Morant, Jackson und Bane – und trotzdem 6:0
Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hätte vor der Saison kaum jemand erwartet. Mit Ja Morant, Jaren Jackson Jr. und Desmond Bane verließen die drei Gesichter der vergangenen Playoff-Jahre den Klub. Statt eines Neuaufbaus mit Anlaufschwierigkeiten liefert Memphis nun die beste Offense der Liga – und das mit einem Kader, in dem kaum ein Name als Star galt.
Ein Hauptgrund ist Rookie Cam Boozer. Der 19-jährige Ex-Duke-Forward legt 17,3 Punkte, 10,5 Rebounds und 5,7 Assists auf – bei den Rebounds bedeutet das Platz sechs der Liga. Gegen die Kings waren es 27 Punkte, und das, obwohl seine Wurfquote bislang nur bei 36,5 Prozent liegt. Für einen Teenager im sechsten NBA-Spiel sind diese Zahlen ein Statement, das weit über Memphis hinaus wahrgenommen wird.
Memphis Grizzlies: Ty Jerome als Most-Improved-Favorit, Rekord-Offense
Der zweite Faktor heißt Ty Jerome. Der Point Guard, 2019 an 24. Stelle gedraftet und lange Backup, kommt auf 25,8 Punkte – geteilter zehnter Platz der Liga -, 5,8 Assists und 1,0 Steals. Laut des Berichts ist er damit früher Favorit für den Most-Improved-Award und bei anhaltender Form sogar All-Star-Kandidat. Vom Ergänzungsspieler zum Anführer in einem Sommer: Jeromes Weg steht sinnbildlich für diesen Start.
Die Teamzahlen untermauern den Eindruck. Mit 727 Punkten nach sechs Spielen stellt Memphis einen Franchise-Rekord auf, führt die Liga mit 121,2 Punkten pro Partie an und auch bei den Bankpunkten mit 49,0. Fünf Spieler punkten zweistellig: Boozer, Jerome, Cedric Coward, der vor allem von außen stark ist, Isaiah Stewart und Jaylen Wells. Die Last ist so breit verteilt wie bei kaum einem anderen Team.
Cam Boozer und Co.: Der Härtetest für Memphis kommt jetzt
Eine Einschränkung gibt es allerdings. Die Gegner waren bislang nur die Jazz und die Kings jeweils zweimal sowie Warriors und Blazers – keine Mannschaft, die derzeit zur Spitze des Westens zählt. Der Härtetest folgt bereits in dieser Woche mit den Pacers und dem Meister aus Oklahoma City, im November warten zudem Raptors, Nuggets, Wizards und Cavaliers.
Das Fazit von The Sporting News fällt deshalb vorsichtig optimistisch aus: Die Grizzlies dürften nicht so stark sein, wie 6:0 suggeriert, aber besser als erwartet. Bleibt der Veteranen-Kern über die Trade-Deadline hinaus zusammen, ist ein Play-in-Platz realistisch. Für ein Team, das im Sommer seine drei bekanntesten Spieler verloren hat, wäre das bereits mehr, als die meisten Prognosen hergaben.
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