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MSV Duisburg: Hirsch verrät, was „extrem beschissen“ war

Fußball heute: 18 Punkte aus sieben Spieltagen tragen den MSV Duisburg an die Spitze der 3. Liga, und rund um den Klub wird der Aufstieg nun offen gefordert. Trainer Dietmar Hirsch (54) weicht nicht aus. Nach Platz vier in der Vorsaison seien nur die drei Ränge darüber akzeptabel, räumt er im Interview mit Transfermarkt ein.

MSV Duisburg: Warum für Hirsch vor allem Konstanz zählt

Seine Spieler schirmt der Coach dennoch ab, indem er von Partie zu Partie denkt. Die Tabelle sei die einzige Statistik, die ihm etwas bedeute. Als entscheidenden Faktor nennt er die Konstanz – denn auf den Rekordstart im Vorjahr folgte ein Leistungstief. Der Platz an der Spitze ist für ihn deshalb kein Ruhekissen.

Zunehmend schwieriger werde es zudem, tief stehende Gegner zu knacken, erwartet der Fußballlehrer. Widerstände überwinden kann seine Elf allerdings. Sie kämpfte sich bereits nach einem Zwei-Tore-Rückstand zurück, ebenso nach einem Gegentreffer in Unterzahl. Für Hirsch belegen diese Comebacks, dass beim Spitzenreiter der Glaube an die eigene Stärke wächst.

Dietmar Hirsch: „Mit keinem Verein verheiratet“

Offen wird der Coach auch beim Thema Zukunft. Vereinswappen küsst er aus Prinzip nicht. „Natürlich würde ich gerne mit diesem Verein in die 2. Liga, aber ich bin mit keinem Verein verheiratet“, stellte er gegenüber Transfermarkt klar. Bei einem Trainer, der nur drei Plätze gelten lässt, überrascht diese Klarheit.

Seine Lizenzen erwarb Hirsch erst, nachdem er bis zum Alter von 37 Jahren aktiv gespielt hatte. Er sehe sich noch als Trainer mit Luft nach oben. Für einen Job in der 2. Liga oder der Bundesliga fühle er sich dennoch bereit. Steigt der MSV auf, ließe sich Ersteres ohne Vereinswechsel verwirklichen.

MSV-Coach Hirsch: Lösungen im Ballbesitz statt langer Bälle

Wie ernst er die eigene Entwicklung nimmt, zeigt die Spielidee. Schlechte Plätze und wachsender Druck im Saisonendspurt ließen die Zebras in der Vorsaison oft zum langen Ball greifen. Seit dem Sommer steht das Spiel mit dem Ball im Fokus. In einer der jüngsten Partien sei kein einziger hoher Schlag gespielt worden, glaubt der 54-Jährige.

Pressingresistenter ist die Mannschaft ebenfalls geworden. Während der Spiele wechselt sie zudem zwischen Dreier- und Viererkette. Gerade gegen jene tief verteidigenden Kontrahenten, die Hirsch künftig erwartet, verschafft diese taktische Variabilität dem Tabellenersten zusätzliche Mittel.

3. Liga: Das Aluminium kostete die Zebras die Relegation

Die Erinnerung an das Ende der vergangenen Spielzeit schmerzt dennoch. Als Aufsteiger verpassten die Duisburger 2025/26 die Relegation, weil ihnen in der Nachspielzeit das Aluminium im Weg stand. „Das war schon extrem beschissen“, sagt der Coach. Dieser knapp geplatzte Traum erklärt, warum die Erwartungen nun so hoch sind.

Linderung verschaffte eine Woche später der Gewinn des Niederrheinpokals. Grundsätzlichen Korrekturbedarf sah Hirsch ohnehin kaum. Mit 68 Punkten stand sein Team die komplette Saison über unter den ersten fünf. Aus dieser Stabilität speist sich der Anspruch, diesmal unter die ersten drei zu kommen.

MSV News: Lob für Preetz und ein gelungener Transfersommer

Einen Anteil daran schreibt der MSV-Trainer der Klubführung zu. Michael Preetz verantwortet seit Januar 2024 als Geschäftsführer den Kurs, Hirsch lobt dessen Leidenschaft, Professionalität und kurze Entscheidungswege. Beide wüssten, welchen Fußball die Region sehen wolle – fleißig und kämpferisch. Bank und Führungsetage verfolgen dieselbe Idee.

Hinzu kommen Rahmenbedingungen, die über die 3. Liga hinausweisen: ein bundesligataugliches Stadion und ein Trainingsgelände, das mindestens Zweitliga-Ansprüchen genügt. Auch mit dem Transfersommer ist Hirsch sehr zufrieden. Der Kern blieb zusammen, gezielte Verpflichtungen brachten zusätzliche Qualität.

Zebras-Trainer Hirsch: Vaterfigur in seiner dritten Saison

Viele Profis begleiten ihn seit den gemeinsamen Regionalliga-Tagen. Er selbst erlebt nun seine dritte Saison an der Seitenlinie, für einen Klub wie Duisburg nach eigener Aussage ungewöhnlich. Kritisch sieht er, wie schnell Trainer heute entlassen werden. Seine Amtszeit ist damit auch ein Gegenentwurf zu diesem Trend.

Als Vaterfigur will der 54-Jährige seinen Spielern begegnen. Dazu gehöre, sie frühzeitig zu informieren, wenn sie in der kommenden Spielzeit kaum eine Rolle spielen. Auf dem Platz stärkt er ihnen den Rücken, auch wenn eine Entscheidung schiefgeht. In einem Kader voller langjähriger Weggefährten schafft diese Offenheit Vertrauen.

Duisburg-Trainer bleibt gelassen: „Es ist nur Fußball“

Haltung zeigte Hirsch auch in einer Szene, die viral ging. Auf einer Pressekonferenz korrigierte er einen Reporter bei der Aussprache des Gegners TSV Havelse. Das sei schlicht Respekt vor dem Kollegen gewesen, der neben ihm saß, erklärt er. Kommentare in sozialen Medien liest der Drittliga-Coach kaum noch.

Bodenständig halten ihn zudem zwei Ereignisse abseits des Rasens. Anfang kommenden Jahres wird er erstmals Großvater, kürzlich starb ein ehemaliger Mitspieler. „Aber man darf nicht alles so ernst nehmen, es ist nur Fußball“, betont der 54-Jährige. Im Aufstiegsrennen bildet diese Gelassenheit ein Gegengewicht zum wachsenden Erwartungsdruck.

MSV-Historie: Nur fünf Trainer saßen öfter auf der Bank als Hirsch

Mit dem Verein verbindet ihn weit mehr als die aktuelle Spielzeit. 94 Partien hat Hirsch auf der Bank der Zebras absolviert, nur fünf Trainer der Klubgeschichte betreuten das Team häufiger. Rang zwei belegt Friedhelm Funkel mit 161 Spielen zwischen 1996 und 2000. Bis zu dieser Marke ist es ein weiter Weg.

Schon als Spieler lief Hirsch in 110 Bundesliga-Einsätzen für den MSV auf und erreichte 1998 das DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern. Erstklassig war der Klub zuletzt 2007/08, in der 2. Liga spielte er 2018/19. Gelingt der Aufstieg, würde ein Mann aus jener Bundesliga-Ära die Zebras zurück ins Unterhaus führen.

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