Fußball heute: Ein einziger Satz von Polzin könnte vor dem 5. Bundesliga-Spieltag bei der TSG Hoffenheim für Unmut unter den Anhängern sorgen. „Wenn das Spiel ganz normal läuft, wird es sehr schwierig für uns“, sagte der Cheftrainer des Hamburger SV auf der Abschluss-PK. Mit so viel Demut reist der Klub ausgerechnet zu einem Gegner, der bislang selbst schwächelt.
HSV-Fans irritiert? Polzin wählt bei der TSG die Außenseiterrolle
Nach vier Partien steht die TSG bei gerade einmal drei Punkten – exakt so vielen wie die Rothosen. Genau deshalb wirft die Außenseiterrolle, in die sich der HSV-Coach begibt, Fragen auf. Auf dem Papier begegnen sich am Samstag zwei punktgleiche Mannschaften auf Augenhöhe und nicht etwa ein übermächtiger Favorit und ein chancenloser Gast.
Es geht eben nicht zum FC Bayern, sondern zu einem Kontrahenten, der den Hamburgern tabellarisch nichts voraushat. Viele Fans dürften sich daher fragen, ob der Verein seine Ambitionen nicht selbstbewusster formulieren und die Reise mit dem klaren Ziel angehen sollte, etwas Zählbares mitzunehmen. Ein Sieg würde die Hanseaten schließlich am direkten Gegner vorbeiziehen lassen.
Hamburger SV: Polzin verweist auf die bittere Bilanz der Vorsaison
Begründet wird diese Vorsicht vor allem mit dem direkten Vergleich der Vorsaison. „Ich freue mich extrem auf das Spiel. Es ist eine große Herausforderung für uns“, stellte der Coach zunächst klar. Gegen zwei Teams habe seine Mannschaft in der letzten Saison keinen Punkt geholt, und die TSG Hoffenheim sei eine davon gewesen. An dieser Bilanz misst Polzin die anstehende Aufgabe.
Besonders das erste Duell wirkt nach. „Im Hinspiel wurden uns in allen Bereichen die Grenzen aufgezeigt“, sagte Polzin. Im Rückspiel sei es vom Ergebnis her enger gewesen, von der Klarheit und Konsequenz des Auftretens her habe es aber dennoch einen Unterschied gegeben. Selbst die knappere Niederlage wertet der Trainer also nicht als Beleg dafür, dass sein Team die Lücke geschlossen hat.
TSG Hoffenheim: Europa League, Nationalspieler und fast 20 Jahre Bundesliga
Lob gab es zudem für die Qualität des Gegners. Man sehe, dass Hoffenheim über zahlreiche Nationalspieler verfüge, in diesem Jahr in der Europa League spiele und seit fast 20 Jahren in der Bundesliga sei, erklärte der Hamburger Übungsleiter. Mit diesen Argumenten untermauert er seine Sicht, dass sein Team trotz identischer Punktzahl nicht als gleichwertiger Gast anreist.
Tatsächlich spielte die TSG in der Vorsaison stark auf. Am Ende stand Platz fünf, nur einen Punkt hinter dem VfB Stuttgart, womit die Champions-League-Qualifikation knapp verpasst wurde. Gerade dieser Kontrast macht die Partie so schwer einschätzbar, denn der Fünfte des Vorjahres steht nach vier Spieltagen bei denselben drei Zählern wie der HSV.
Patson Daka und Albert Grönbaek fallen aus – zwei Rückkehrer machen Mut
Der Kader hat in der jüngsten Unterbrechung gelitten. „Wir haben aus der Länderspielpause mit Patson Daka und Albert Grönbaek leider zwei Spieler verletzt zurückbekommen, sodass sie uns nicht zur Verfügung stehen werden“, erklärte Polzin. Zwei Alternativen fehlen damit ausgerechnet vor einem Duell, in dem der Coach ohnehin mit großen Widerständen rechnet.
Noch offen ist der Einsatz von Zakaria El Ouahdi. Der Profi kehrte erkältet zurück und konnte bislang nicht am Teamtraining teilnehmen, weshalb man bei ihm noch abwarten müsse, so Polzin. Entwarnung gibt es dagegen bei Terem Moffi und Yussuf Poulsen, die wieder voll mit der Mannschaft trainiert haben und Optionen für den Kader sind. Zumindest teilweise lassen sich die Ausfälle damit auffangen.
HSV-Programm: Nach der TSG warten VfB, Paderborn und Frankfurt
Angepfiffen wird die Partie in Hoffenheim am Samstag um 15:30 Uhr. Danach wartet auf die Hamburger ein anspruchsvolles Programm. Zunächst empfängt der HSV den VfB Stuttgart, anschließend stehen die Auswärtsfahrten nach Paderborn und zu Eintracht Frankfurt an. Umso wertvoller wäre ein Erfolgserlebnis, bevor diese schweren Wochen beginnen.
Ob Polzins Zurückhaltung bei den Anhängern als kluges Understatement oder als zu viel Bescheidenheit ankommt, entscheidet am Ende wohl das Ergebnis. Fest steht: Wer am Samstag gewinnt, setzt sich vom punktgleichen Konkurrenten ab. Für die Rothosen wäre ein Dreier zudem der ideale Anlauf vor dem Heimspiel gegen den VfB – und die beste Antwort an alle, denen die vorsichtigen Töne missfallen haben.
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