Den Ritterschlag seines Chefs als „Pep Guardiola des Volleyballs“ bezieht Berlins neuer Trainer Andrea Anastasi vor allem auf sein Arbeitsethos. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich Tag für Tag voll und ganz in dieses Projekt eingebunden bin, fast wie bei einer Mission“, sagt der Italiener der Deutschen Presse-Agentur über seine Aufgabe als Coach vom Rekordmeister BR Volleys.
„Meine Frau Erica hat zu mir gesagt: „Andrea, was soll ich hier tun, wenn du die ganze Zeit arbeitest?“ Man muss bei der Arbeit als Trainer geradezu manisch sein, man muss sich selbst unter Druck setzen“, gibt der 66-Jährige vor dem Ligastart gegen Freiburg am Mittwoch (19.00 Uhr/Dyn) als Einblick. „Und Guardiola war genauso, er war verrückt nach Fußball.“
BR Volleys: Anastasi im Vergleich mit Fußball-Trainer Guardiola
Den Vergleich mit dem wohl erfolgreichsten und bekanntesten Fußball-Trainer der Welt hatte Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand bei Anastasis Vorstellung gezogen. Es ist ein deutlicher Fingerzeig: Der 66-Jährige soll den Volleys und der Bundesliga neuen internationalen Glanz verleihen. Das „Volleyball Magazin“ titelte gerade: „Der Star ist der Trainer“. Mehrmals wurde der Italiener Europameister, gewann die Club-Weltmeisterschaft und Olympia-Bronze. Es ist ein kleiner Coup für den deutschen Volleyball.
Das sieht Niroomand naturgemäß auch so, aber er betont auch: „Das sind alles Vorschusslorbeeren und Erwartungen, die man natürlich hat. Aber am Ende des Tages muss die Arbeit stimmen, muss die Zusammenarbeit in der Mannschaft gut hinhauen, und wenn dann auch noch gute Ergebnisse dabei rauskommen, das ist das, was wir erwarten und auch erhoffen.“
Bundesliga: Volleys-Umbruch sorgt für neue Herausforderungen
Daran habe er aber nach den ersten Wochen keinen Zweifel. „Er macht das sehr souverän. Sehr durchdacht“, findet Niroomand. Es werde viel länger trainiert als vorher. „Eine gute Mischung aus heiter, ernst und fundiert“ – in und außerhalb der Halle.
In der Bundesliga sind die Berliner das Nonplusultra. Selbst am Ende der durchwachsenen Vorsaison mit zwei Trainerwechseln sicherte sich der Rekordmeister den zehnten Titel in Folge mit einem glatten 3:0 gegen Konkurrent Lüneburg.
Am Wochenende gewannen die Berliner den Ligacup zum fünften Mal in Serie, allerdings in einem knappen Endspiel gegen Gastgeber Grizzlys Giesen mit 3:2. Der Umbruch war in diesem Sommer groß. Dazu kamen viele Spieler wie üblich wegen Turnieren mit ihren Nationalteams erst spät in die Hauptstadt.
„Acht von 14 Spielern und der gesamte Trainerstab neu – das ist eine ganze Menge“, sagt Anastasi. Es werde Zeit brauchen, bis die Mannschaft ihren besten Volleyball spiele.
BR Volleys: Anastasi peilt Premiere und Champions League an
Die Titel in Deutschland sind für die Volleys immer die Priorität, aber der neue Trainer soll den Club auch international voranbringen. „Ich möchte versuchen, ihnen eine Spielweise beizubringen, die etwas moderner ist“, erklärt der 66-Jährige. „Es ist eine Sache, in Deutschland zu spielen, und eine andere international zu spielen.“
In den letzten Jahren schafften es die Berliner nicht ins Viertelfinale der Champions League. Auch in dieser Saison haben sie eine schwere Gruppe erwischt. Niroomand will deswegen keine zu großen Erwartungen schüren. Die Lücke zur absoluten europäischen Elite sei nach wie groß. „Die haben ganz andere Budgets zur Verfügung, aus denen sie schöpfen können“, sagt der Geschäftsführer.
Sein Trainer gibt sich da forscher: „Wir müssen in der Lage sein, mit europäischen Spitzenteams mitzuhalten.“ Der Italiener will das Team auf ein neues Niveau heben. Das sollte der nationalen Konkurrenz aus Lüneburg, Friedrichshafen, Düren und Giesen Respekt einflößen. Und vielleicht gibt es für Anastasi dann im kommenden Frühjahr eine Premiere. Denn einen nationalen Meistertitel hat der 66-Jährige in seiner erfolgreichen Karriere erstaunlicherweise noch nicht gewinnen können.
(dpa)
