Nach 23 Jahren im Trikot der portugiesischen Nationalmannschaft deutet bei Cristiano Ronaldo alles auf ein abruptes Ende hin. Der 41 Jahre alte Kapitän hat das Teamquartier in Dänemark am Mittwoch vorzeitig verlassen. In der Heimat ist die Sache klar. Dort gilt die überraschende Abreise laut Marca bereits als endgültiger Rücktritt.
Cristiano Ronaldo: Rettungsversuch am Flughafen Kopenhagen scheitert
Umstimmen wollten ihn die Verantwortlichen bis zuletzt. Nationaltrainer Jorge Jesus und Verbandspräsident Pedro Proença versuchten es demnach noch am Flughafen in Kopenhagen, doch der Al-Nassr-Profi ließ beide stehen und hob um 23.35 Uhr spanischer Zeit Richtung Madrid ab. Dass sogar der Verbandschef persönlich auftauchte, zeigt, wie weit der Konflikt inzwischen nach oben reicht.
Auf Instagram nannte der fünfmalige Ballon-d’Or-Gewinner die Pressekonferenz des Nationaltrainers und ein anschließendes Gespräch mit dem Präsidenten als Auslöser. Mehr verrät er vorerst nicht. Die Wahrheit über die Gründe für seinen Abschied werde er allen Portugiesen zu gegebener Zeit sagen. Mit dieser Wortwahl deutet der Kapitän selbst das Ende seiner Zeit im Nationalteam an.
Norwegen-Spiel als Auslöser: Ronaldos Ärger nach dem 2:1
Begonnen hatte alles mit dem 2:1 in Norwegen. Ronaldo wärmte sich in der zweiten Hälfte auf, kam aber nicht zum Einsatz, während Sturmrivale Gonçalo Ramos den Siegtreffer erzielte. Wie der kicker schreibt, war der Kapitän darüber massiv verärgert und verzichtete nach dem Abpfiff auf den üblichen Gruß an die Fans. Trotz zweier Siege zum Start unter Trainer Jesus kippte damit die Stimmung.
Der Coach selbst erklärte den ausgebliebenen Wechsel mit dem Spielverlauf und zeigte Verständnis. „Jeder Spieler, der sich 20 oder 30 Minuten aufwärmt und dann nicht reinkommt, ärgert sich. Niemand ist damit zufrieden. Cris erst recht nicht. Pelé und Maradona erst recht nicht“, sagte er vor Journalisten. Die Aussprache mit dem angereisten Verbandspräsidenten brachte jedoch keine Ruhe.
Jorge Jesus stellt klar: „In einer Mannschaft habe ich das Sagen“
Endgültig eskalierte der Streit nach dem Medientermin vor dem Dänemark-Spiel. Jesus räumte dort ein, Ronaldo schon vorab mitgeteilt zu haben, dass er weder gegen Norwegen noch gegen Dänemark spielen werde. Stattdessen setzt er auf den Matchwinner von Norwegen: „Wenn es normal läuft, wird Goncalo spielen.“ Für Ramos bedeutet das die nächste Chance, sich im Sturmzentrum festzuspielen.
Begründet hat der Trainer, der den Angreifer aus einem gemeinsamen Jahr bei Al-Nassr kennt, seine Entscheidung mit dessen körperlicher Verfassung. Sonderrechte lehnt er ab. Auch Bruno Fernandes habe nach seiner Verletzung gegen Wales ausgesetzt. Zur Rangordnung wurde Jesus deutlich: „In einem Verein hat der Präsident das Sagen. In einer Mannschaft habe ich das Sagen. Cristiano hat keine Sonderrechte.“
Ronaldo-Abreise: Kaffee, Smartphone und ein Kraftraum ohne Geräte
Wie angespannt die Lage war, zeigte sich noch am selben Tag. Statt mit der Gruppe zu trainieren, lief Ronaldo mit Smartphone und Kaffee über das Gelände und fuhr nach kurzem Wortwechsel mit Jesus ins Hotel. Laut Marca packte er dort die Koffer und orderte seinen Privatjet aus Madrid, der gegen 22.15 Uhr in Kopenhagen landete. Die Einheit vor dem Dänemark-Spiel lief ohne ihn.
Offiziell klang das deutlich nüchterner. Der Verband erklärte, im Kraftraum des Trainingszentrums hätten die Geräte für Ronaldos Programm gefehlt. Jesus wies Berichte über eine Trainingsverweigerung zurück: „Er hat sich nicht geweigert zu trainieren.“ Zudem pausierten mit Francisco Conceição (verletzt) und João Félix (Belastungssteuerung) zwei weitere Spieler.
CR7-Vertrauter Edu Aguirre: Ronaldo fühlt sich von Jesus verraten
Eine andere Version der Ereignisse liefert nun Edu Aguirre. Der enge Freund des Kapitäns berichtet bei El Chiringuito von einem vertraulichen Treffen mit Jesus und dem Verbandschef. Dort habe der Trainer Ronaldo um Verzeihung gebeten, weil er ihn 30 Minuten aufwärmen ließ, ohne ihn einzuwechseln. Zudem habe er versprochen, sich auf der Pressekonferenz öffentlich zu entschuldigen.
Eingelöst habe Jesus diese Zusage jedoch nicht. Stattdessen habe er aus Ronaldos Sicht Unwahrheiten erzählt und öffentlich zeigen wollen, dass er die Kontrolle habe und der 41-Jährige nur ein Spieler von vielen sei. „Für ihn ist es ein Verrat“, sagte Aguirre. Die Ansage zur Rangordnung wäre nach dieser Darstellung der eigentliche Auslöser der Abreise gewesen.
Portugal gegen Dänemark: Kein Ersatz für den Kapitän
Den Abgang hat der Verband inzwischen bestätigt und verzichtet auf eine Nachnominierung. Für die Partie in Dänemark und das Rückspiel gegen Norwegen in Lissabon stehen die übrigen 24 Spieler bereit. Schon vor der Abreise hatte Abwehrchef Rúben Dias betont, Ronaldos Frust habe nur „10, 15 oder 20 Sekunden“ gedauert. Jesus muss die Lücke nun mit dem vorhandenen Personal schließen.
Bitter ist dieser Abschied allemal. Ronaldo machte Portugal weltweit bekannt und holte die Europameisterschaft sowie zweimal die Nations League, eine große Ehrung bei einem Länderspiel wird es nun aber nicht geben. Das frostige Ende trübt diese Erfolgsgeschichte. Bereits am heutigen Donnerstag um 20.45 Uhr beginnt in Dänemark für die Auswahl die Zeit ohne ihren Kapitän.
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