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Hertha BSC: Görlich attackiert den DFB – „Mittelalter-Rhetorik“

Hertha-Fans

Vor dem Rückspiel bei Dynamo Dresden am Samstag um 20.30 Uhr meldet sich Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich mit deutlichen Worten. Die Kollektivstrafen des DFB-Sportgerichts nach den Krawallen beim Hinspiel stellt er öffentlich infrage, wie berlin.t-online.de berichtet. Zugleich nimmt Görlich laut transfermarkt Fabian Reese in Schutz – und ein Ex-Verteidiger beendet seine Karriere.

Hertha BSC: Görlich kritisiert die Kollektivstrafen des DFB

„Ob Kollektivstrafen und eine Mittelalter-Rhetorik mit dem Machtwort als letzter Instanz dazu führen, diese Fußball-Kultur zu erhalten, das stelle ich infrage“, sagte Görlich dem Kicker. Vom Verband fordert er Selbstkritik, räumt aber zugleich ein, dass das Verhalten beider Fanlager im April nicht akzeptabel war. Ein derart offener Angriff eines Klubchefs auf die Sanktionspraxis ist selten.

Konkret bedeuten die Sanktionen: Die Gästeblöcke dürfen bei Duellen der beiden Klubs in dieser Saison nur halb gefüllt werden, alle Tickets sind personalisiert, der Name wird am Stadion mit dem Ausweis abgeglichen. Eine nachträgliche Änderung ist laut Hertha ausgeschlossen. Für die Berliner Anhänger ist der Weg nach Dresden damit so reglementiert wie kaum ein Auswärtsspiel zuvor.

Krawalle in Dresden: 152.000 Euro Strafe und ein Ticket-Boykott

Auslöser der Strafen waren die Szenen vom 4. April. Die Partie in Dresden wurde zweimal unterbrochen, zunächst wegen massiver Pyrotechnik im Gästeblock, dann nach Ausschreitungen im Innenraum, nachdem Dynamo-Fans ein Hertha-Banner entwendet hatten und Anhänger beider Seiten den Platz stürmten. Mehrere Menschen wurden verletzt – ein Abend, der das Duell der beiden Klubs bis heute prägt.

Teuer wurde es für beide Vereine. Hertha zahlte 152.000 Euro Strafe, Dresden 91.200 Euro, Ermittlungen gegen einzelne Fans laufen noch. Die Ultra-Gruppe „Harlekins“ rief nun zum Ticket-Boykott auf, um Kollektivstrafen ein Signal entgegenzusetzen. Görlich bestätigt eine deutlich geringere Nachfrage, bedauert den fehlenden organisierten Support, respektiert die Entscheidung der Fanszene aber.

Görlich über Reese: „Fabi hat es nicht verdient“

Ebenso deutlich äußert sich Görlich zu den Pfiffen gegen Fabian Reese nach dessen Sommerwechsel zum VfL Wolfsburg. „Ich bleibe dabei: Fabi hat es nicht verdient, er hat bei uns einen Top-Job gemacht“, sagte er bei At Broski – Die Sport-Show. Ein erwachsener Spieler dürfe eine solche Entscheidung treffen, ihn dafür auszupfeifen, hält er für nicht legitim – auch am 7. November, wenn Wolfsburg im Olympiastadion gastiert.

Widerspruch gibt es bei der Frage, wer den Wechsel angestoßen hat. Reese hatte der Süddeutschen Zeitung gesagt, ihm sei mitgeteilt worden, der Klub müsse Geld generieren und ein Wechsel sei der beste nächste Schritt. Görlich weist das zurück: Der Anstoß sei von Spieler und Berater ausgegangen, Hertha habe nur signalisiert, bei einem Angebot gesprächsbereit zu sein, „aber nicht unter jeder Größe“.

Hertha-Umbruch geht auf – Leistner beendet seine Karriere

Finanziell hat der Transfer dem Klub laut Görlich gutgetan, denn Hertha muss sich konsolidieren. 16 Abgängen stehen vier Zugänge gegenüber, drei davon Leihen, Trainer Stefan Leitl sei von Beginn an gesagt worden, dass verkauft werden müsse. Trotz Untergangsprognosen habe man sich „neu erfinden“ müssen – und führt die 2. Bundesliga nach fünf Spielen ohne Punktverlust an, Wolfsburg liegt mit acht Punkten auf Platz fünf.

Abseits der Debatten schließt sich ein Kapitel. Toni Leistner (36) hat seine Profikarriere beendet und schließt sich dem DFB-Programm „Players Pathway Management 2026“ an, das auf Managementaufgaben vorbereitet. Der gebürtige Dresdner absolvierte 85 Spiele für Hertha und sagte der Bild, mit 36 sei es irgendwann an der Zeit. Eine Rückkehr zu Hertha ist möglich, der Klub hatte ihm eine Position in Aussicht gestellt.

 

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