Fußball heute: Mit der Verpflichtung von Alexander Schlager ist die Torwartfrage beim SV Werder Bremen wieder völlig offen. Karl Hein sieht das gelassen – und formuliert trotzdem einen klaren Anspruch. Noch hat der Este im Rennen um den Stammplatz die besseren Karten.
Werder Bremen: Hein begrüßt den Konkurrenzkampf
Überrascht hat den 24-Jährigen der Zugang aus Salzburg nicht. „Es war für mich keine Überraschung, dass so ein starker Keeper zu uns wechseln würde. Ich finde es gut, dass wir einen solch hohen Konkurrenzkampf haben. Das treibt einen an, noch bessere Leistungen zu bringen“, sagte Hein der Bild. Beim Ziel für die Spielzeit wird er deutlich: „Ich will unbedingt die Nummer eins sein und bleiben.“
Illusionen macht er sich dabei keine. Sicherheiten kenne der Profifußball nicht, betonte der Nationalkeeper – sein Einfluss ende bei der eigenen Darbietung, alles Weitere liege außerhalb seiner Reichweite. In der Medienrunde am Freitag ordnete er die Lage gegenüber dem Weser-Kurier ähnlich nüchtern ein: „Natürlich glaube ich an mich. Alex wird das auch tun – das ist Torhütersport. Wir alle wollen spielen, wir alle wollen die Nummer eins sein.“
Schlager kommt später – Hein hat den Startvorteil
Aktuell spricht die Ausgangslage für den Esten, denn sein Rivale hängt nach dem Turniersommer noch einige freie Tage an und wird erst im Anschluss an das Camp zum Team stoßen. Jede Einheit im Zillertal kann Hein also nutzen, um seine Position zu untermauern. Auch Trainer Daniel Thioune hatte zuletzt eine klare Tendenz erkennen lassen: „Karl hat gerade die Nase vorn. Wenn seine Leistung stimmt, muss sich Alex richtig auf die Füße stellen“, sagte er laut DeichStube.
Unterschätzen wird den Neuen dennoch niemand. Schlager kam ablösefrei aus Salzburg, ist bei Österreichs Auswahl gesetzt und machte bei der WM auf sich aufmerksam – unter anderem, als er einen Strafstoß von Lionel Messi entschärfte. Laut kicker bringt der 30-Jährige zudem 241 Einsätze im Oberhaus sowie zehn Partien in der Champions League mit. Hein wiederum durchlief ab dem 16. Lebensjahr die Ausbildung beim FC Arsenal und sammelte Erfahrung in der Championship sowie bei einer Leihe in Spanien.
Vom Ersatzmann zur Nummer eins: Heins Weg in Bremen
Vor einem Jahr sah die Lage noch anders aus. Damals rangierte er hinter Mio Backhaus und brachte es auf lediglich zwei Bundesliga-Partien – gegen Bayern München und den FC St. Pauli –, ohne den Konkurrenten trotz ansprechender Vorstellungen verdrängen zu können. Im Winter erwog er deshalb einen Abschied, doch die Bremer hielten ihn. Rückblickend eine glückliche Fügung, wie er selbst einräumt: „Als sich abzeichnete, dass Mio gehen würde, war für mich schnell klar, dass ich hierbleiben will. Ich spüre das volle Vertrauen des Trainer-Teams.“
Mittlerweile haben ihn die Bremer nach dem Leihjahr dauerhaft von Arsenal losgeeist, wobei die Ablöse knapp unterhalb der Drei-Millionen-Marke blieb. Die Rückennummer eins gehört ihm bereits. Auch gesundheitlich ist die Lage geklärt: Der Bruch am Daumen, den er sich im Frühjahr zuzog, bereitet keine Beschwerden mehr. „Kein Schmerz mehr. Der Daumen ist geheilt, die Reha ist gut gelaufen“, berichtete er dem Weser-Kurier. Schon bei den Partien mit Estlands Auswahl Anfang Juni sei er nach eigener Aussage wieder voll belastbar gewesen.
Angekommen an der Weser – und heiß auf den Saisonstart
Privat hat sich der Keeper längst eingelebt. Zwischen seiner Heimat und Deutschland sieht er weniger Trennendes, als er erwartet hätte – jedenfalls verglichen mit England und Spanien, wo er zuvor spielte. „Ich mag es hier. Bremen ist eine schöne Stadt und ich fühle mich wirklich wohl“, sagt er – und arbeitet bewusst an der Sprache, um sich der Mannschaft und dem Land anzunähern.
Sportlich zählt für ihn nur eines: „Ich möchte so viele Spiele wie möglich machen.“ Die Entscheidung im Tor dürfte spätestens am 30. August fallen, wenn Werder die Bundesliga-Saison in Freiburg eröffnet – ausgerechnet bei jenem Klub, der inzwischen Backhaus beschäftigt.
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