Radsport News beim Sport heute: Der Fluch von Weltmeister Tadej Pogacar beim schweren Frühjahrsklassiker Mailand-Sanremo beschäftigt sogar Radsport-Legende Eddy Merckx. Der „Kannibale“, siebenmal bei der Classicissima siegreich, gab seinem Erben gar ein paar Tipps zum besten Zeitpunkt für einen Angriff. Ob der slowenische Ausnahmekönner darauf zurückgreift?
Regelmäßig machte Pogacar jedenfalls zuletzt im Training von seinem Wohnort Monaco aus einen Abstecher nach Italien. Das Finale dürfte er längst in- und auswendig kennen. Die Cipressa, der vorletzte Anstieg mit durchschnittlich 4,2 Prozent Steigung auf 5,6 Kilometern Länge, soll der Slowene im Training sogar in 8:51 Minuten hochgerast sein. Das wären nochmal sechs Sekunden schneller als im Rennen vor einem Jahr.
Zwei Klassiker fehlen Pogacar noch
Am Samstag soll es endlich klappen. Mailand-Sanremo mit seinen fast 300 Kilometern Länge ist tatsächlich noch eines der wenigen Rennen, das nicht in Pogacars beachtlicher Erfolgsbilanz zu finden ist. Genauso wie die Kopfsteinpflaster-Tortur Paris-Roubaix, das zweite große Ziel des 27-Jährigen in diesem Frühjahr. Für einen Sieg bei diesen Radsport-Monumenten würde Pogacar sogar einen möglichen fünften Toursieg hergeben.
„Ich habe die Tour schon viermal gewonnen, und ob ich sie ein fünftes Mal gewinne… Ich denke, es ist ein größerer Unterschied zwischen null und eins als zwischen vier und fünf“, sagte Pogacar und betonte: „Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix zu gewinnen, wäre ein Highlight in meiner Karriere. Sollte ich diese Rennen jemals gewinnen, würde ich denken, dass man nicht viel mehr in seiner Karriere erreichen könnte.“
Van der Poel als Spielverderber
Fünfter, Vierter, Dritter, Dritter – mit seiner durchaus starken Bilanz aus den vergangenen vier Jahren kann sich Pogacar nur schwer anfreunden. Er sei nicht besessen davon, jedes Rennen zu gewinnen, versichert Pogacar. Bei Mailand-Sanremo ist es aber doch ein wenig anders. Meist stand ihm Klassiker-König Mathieu van der Poel im Weg. Zweimal gewann der Niederländer auf der Via Roma (2023 und 2025), einmal navigierte er seinen sprintstarken Teamkollegen Jasper Philipsen (2024) zum Sieg.
Und MvP ist wieder in bestechender Form. Gerade erst gewann er zwei Etappen bei Tirreno-Adriatico, den Klassiker Omloop Nieuwsblad holte er sich auch. Und der achte WM-Titel im Cross – natürlich Rekord – war Ehrensache. «Es gibt nicht mehr viel zu tun», sagt van der Poel vor dem erneuten Duell mit Pogacar, dem er aber trotzdem Hoffnung auf ein Ende des Fluchs macht: „Letztes Jahr war er schon nah dran. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er das Rennen gewinnt.“
An der Cipressa hatte Pogacar im Vorjahr eine kleine Lücke gerissen, doch van der Poel kämpfte sich wieder heran. Und im Sprint ist der Weltmeister von 2023 kaum zu schlagen. Merckx würde die entscheidende Attacke erst am letzten Anstieg beim Poggio setzen. „Auch wenn er zu langen Ausreißversuchen fähig ist, ist in Sanremo die Wahrscheinlichkeit, eingeholt zu werden, deutlich höher“, sagte Merckx der Gazzetta dello Sport.
Kronprinz del Toro als Edelhelfer
Egal ob Cipressa oder Poggio – die Taktik ist klar. Sein UAE-Team muss mit einem höllischen Tempo in den Anstieg fahren, sodass Pogacar schließlich den endgültigen K.o. setzen kann. Nachdem Edelhelfer Tim Wellens wegen eines Schlüsselbeinbruchs ausfällt, soll nun Pogacars Kronprinz Isaac del Toro – immerhin Giro-Zweiter – den Job übernehmen. „Ich fahre Mailand–Sanremo nur für Tadej“, sagt der Mexikaner, der auch bei der Tour wichtigster Helfer von Pogacar sein wird. Irgendwann soll er mal die Nachfolge antreten.
Das kann aber noch dauern. Denn laut Teamchef Mauro Gianetti ist Pogacar „stärker als je zuvor“, wie er nach dessen Sieg beim Schotterrennen Strade Bianche vor gut zwei Wochen sagte. Das soll sich im Frühjahr auszahlen.
Auch die weiteren großen Klassiker – die Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich – will Pogacar wieder bestreiten und gewinnen. Wie einst Merckx, der in der Vergangenheit schon betont hat: „Er ist mein Erbe. Er ist auch ein Killer auf dem Rad.“
(dpa)
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Alles für den Sieg: Pogačar würde für Sanremo den fünften Toursieg opfern