Handball heute: Alfred Gislason schwelgte nicht lange in Erinnerungen. Mit neuer Energie und viel Enthusiasmus startete der Bundestrainer beim ersten Wiedersehen der deutschen Handballer nach dem silbernen EM-Coup in seine vielleicht letzte große Mission, die bei der Heim-WM 2027 im Idealfall mit Gold enden soll. „Es war sehr schön, die Mannschaft wiederzutreffen“, sagte Gislason.
DHB-Team zurück im Silber-Rausch: Härtetest gegen Ägypten als Startschuss
Exakt 300 Tage vor dem Eröffnungsspiel steht für die DHB-Auswahl am Donnerstag (18.15 Uhr/ProSieben) in Dortmund gegen Ägypten der erste Härtetest an. „Ich freue mich auf die Jungs und in den beiden Spielen auch auf unsere Fans“, sagte Gislason und bekräftigte noch einmal den Wunsch, seinen nach der WM auslaufenden Vertrag zu verlängern.
„Es ist nicht so, dass ich mir bisher einen allzu großen Kopf darüber gemacht habe. Ich habe aber auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich gerne mit dieser Mannschaft weiterarbeiten würde. Ich habe einen sehr guten Kontakt zu allen Leuten beim DHB und bin da sehr locker. Die müssen entscheiden, wie es weitergeht. Ich werde diese Entscheidung akzeptieren“, sagte der 66 Jahre alte Isländer.
DHB-Bundestrainer setzt weiter auf Stammpersonal
Die beiden Duelle mit dem Afrikameister – das zweite Spiel steigt am Sonntag in Bremen – bilden den Startschuss in die Medaillenmission. „Es geht los. Ab sofort zahlt alles, was wir tun, auf den kommenden Januar ein“, verdeutlichte Sportvorstand Ingo Meckes die Bedeutung.
Nach den teilweise begeisternden Auftritten bei der Europameisterschaft zu Beginn des Jahres sieht Gislason wenig Veranlassung zu großen Experimenten. Im Aufgebot stehen immerhin noch 14 Silber-Boys von Herning.
«Im Vergleich zur EM passen wir nur Nuancen an. Der Kern unserer Nationalmannschaft ist gewachsen und muss zusammen weiter reifen. Dafür werden wir auf dem Weg zur Heim-WM jede Gelegenheit nutzen», begründete Gislason seine weitgehend unveränderte Personalwahl.
Aus dem EM-Kader fehlen nur Torwart-Titan Andreas Wolff, für den der Berliner Lasse Ludwig zu seinem Länderspieldebüt kommt, der verletzte Spielmacher Nils Lichtlein sowie die beiden Außen Lukas Zerbe und Rune Dahmke. Sie werden durch Timo Kastening und Tim Freihöfer ersetzt. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem erkrankten Marko Grgic.
DHB-Team mit hochkarätigem Testgegner
„Wir haben die große Chance, in einer gewachsenen Formation weiter zusammenzuspielen. Im gesamten Team entwickeln sich auf und neben dem Spielfeld immer mehr Automatismen. Solche Kontinuität in der Personalplanung ist ein Erfolgsfaktor im Sport. Den wollen wir für uns nutzen und unsere Mannschaft möglichst nur punktuell ergänzen“, sagte Teammanager Benjamin Chatton mit Blick auf das Länderspieljahr.
Da Deutschland als Gastgeber automatisch für die WM qualifiziert ist, stehen für den EM- und Olympia-Zweiten bis zum Turnierauftakt am 13. Januar kommenden Jahres keine Pflichtspiele mehr an. Das spielt Gislason sogar ein wenig in die Karten, kann er sein Team doch gegen starke internationale Konkurrenz einspielen.
Den Auftakt machen die Ägypter, die bei der WM 2025 im Viertelfinale ganz knapp an Rekord-Champion Frankreich (33:34) gescheitert waren. „Ägypten passt als Gegner sehr gut, denn wir werden von einer Weltklasse-Mannschaft einige ungewohnte Aufgaben gestellt bekommen“, sagte Gislason und ergänzte: „Sie machen nach Dänemark und Frankreich den größten Druck aus dem Rückraum. Diese Spiele werden uns fordern.“
Handball-Heim-WM überstrahlt alles
Mitte Mai kommt es dann zum Kräftemessen mit den übermächtigen Dänen, gegen die das DHB-Team im EM-Endspiel und im Olympia-Finale jeweils den Kürzeren gezogen hatte.
Über allem steht der Traum vom dritten WM-Gold nach 1978 und 2007. Dafür muss beim Heim-Turnier, bei dem die DHB-Auswahl in München (Vorrunde) und Köln (ab Hauptrunde) spielt, alles passen.
„Wir haben zweimal Silber geholt, was überragend ist, aber jetzt wollen wir diese Mentalität reinkriegen, auch diesen letzten Sieg zu holen“, formulierte Torhüter David Späth jüngst in einem Kicker-Interview das Ziel.
(dpa)
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