Fußball heute: Gab es ernsthafte Gespräche zwischen Hannover 96 und Davie Selke? Ja, wie MOPO berichtet, tatsächlich – zu einem Wechsel des früheren HSV-Aufstiegshelden wird es nach jetzigem Stand aber wohl nicht kommen.
Hannover 96: Boldt wollte einstigen HSV-Helden zurückholen
Hinter dem Interesse stand offenbar 96-Geschäftsführer Jonas Boldt, der von 2019 bis Mai 2024 im HSV-Vorstand saß und den einstigen Bundesliga-Rückkehrer nun zurück nach Deutschland lotsen wollte.
Zusammengearbeitet hatten beide beim HSV nie: Boldt musste den Klub im Mai 2024 verlassen, Selke wurde erst zwei Monate später von dessen Nachfolger Stefan Kuntz verpflichtet und schoss die Hamburger anschließend mit 22 Saisontoren zurück ins Oberhaus.
Davie Selke: Am Ende scheitert es am Geld
Bereits zuvor hatte Bild berichtet, Selke stehe bei der Hannoveraner Suche nach einem neuen Mittelstürmer an erster Stelle – die eigene Recherche der MOPO bestätigt, dass beide Seiten das Thema durchaus ernsthaft verfolgten.
Nach seinem Abschied vom HSV wechselte Selke ablösefrei zu Basaksehir Istanbul und unterschrieb dort einen Zweijahresvertrag mit Verlängerungsoption. Laut Bild liegt sein dortiges Jahresgehalt bei rund zwei Millionen Euro, transfermarkt.de beziffert seinen Marktwert auf 2,8 Millionen Euro.
Basaksehir Istanbul: Dieses Gehalt verdient Selke
Dieses Gesamtpaket übersteigt demnach das, was Hannover bereit ist zu zahlen – eine Annäherung zeichnet sich derzeit nicht ab. Dabei drückt im Sturmzentrum durchaus der Schuh: Nach Auftakt-Niederlagen in Cottbus (1:3) und gegen Wolfsburg (0:1) monierte man bei 96 vor allem die Chancenverwertung.
Selbst beim klaren 9:1-Pokalsieg gegen den Fünftligisten Hemelingen sah Boldt noch Verbesserungspotenzial und wurde dabei konkret: „Da hat sich unser altes Problem mit Aufwand und Ertrag gezeigt“, monierte er, es gehe unter anderem „um die Boxbesetzung und um Zweikampfverhalten“.
Erstliga-Erfahrung satt, aber veränderte Rolle
Ein Strafraumstürmer vom Schlage Selkes hätte dementsprechend gut ins Anforderungsprofil gepasst – der 1,95-Meter-Mann bringt neben seinen 22 HSV-Treffern viel Erstliga-Erfahrung mit: Für Werder Bremen, RB Leipzig, Hertha BSC und den 1. FC Köln stehen insgesamt 238 Bundesliga-Einsätze und 46 Tore zu Buche.
Auch in Istanbul traf er regelmäßig – in seiner ersten Saison gelangen ihm zehn Ligatore. Inzwischen hat sich seine Rolle bei Basaksehir aber verändert: Beim 2:0-Saisonauftakt gegen Kocaelispor wurde er erst zur 75. Minute eingewechselt und rangiert im internen Stürmer-Ranking nur noch auf Platz drei.
Vaterfreuden und ein Beweis: Boldt kann liefern
Auch privat hätte einiges für eine Rückkehr gesprochen – Selke wurde erst vor wenigen Wochen zum zweiten Mal Vater.
Dass Boldt durchaus in der Lage ist, namhafte Spieler nach Hannover zu holen, bewies er zuletzt mit der günstigen Verpflichtung von St.-Pauli-Aufstiegsheld Marcel Hartel (800.000 Euro von St. Louis City aus der MLS) – bei Selke sind die finanziellen Dimensionen aber offenbar eine andere Hausnummer.
Fan-Kritik an Boldt: Ein Kommentar widerspricht
In einem Meinungsbeitrag wendet sich der Autor von 96Freunde gegen aufkommende Kritik einiger Fans an Boldt, die sich zuletzt in Fan-Foren häufte. Der Kommentar bezieht klar Stellung: Boldt werde dem Verein guttun, daran lasse der Autor keinen Zweifel.
Wer glaube, der neue Geschäftsführer könne die Transferpolitik gleich in seinem ersten Sommer komplett nach eigenen Vorstellungen ausrichten, liege daneben, so die Einschätzung: Boldt habe weder auf die in der Vorsaison erwirtschafteten Einnahmen noch auf den vorhandenen Kader oder die aktuelle Kassenlage Einfluss nehmen können.
Vorjahres-Umbruch war die Ausnahme
Zum Vergleich wird der vorangegangene Sommer unter Marcus Mann herangezogen, in dem Hannover mit 18 Neuzugängen den kompletten Kader umgekrempelt hatte – laut Autor eine absolute Ausnahme, kein Maßstab für die laufende Transferperiode.
Dass der Verein nach diesem Kraftakt nun etwas kürzertrete, sei völlig normal. Die Neuzugänge Hugonet, Hartel und Loretz bewertet der Autor durchweg positiv; Ünal und Etçibasi seien als Investitionen in die Zukunft zu verstehen.
Transferperiode: Letztes Wort noch nicht gesprochen
Ein weiterer Stürmer werde nach Einschätzung des Autors durchaus noch kommen, der Markt müsse dafür aber erst sorgfältig sondiert werden – schließlich müsse ein Neuzugang eine echte Verbesserung gegenüber Källman und Pichler darstellen.
Als Beleg dafür, dass im Angriff kein grundsätzliches Problem drohe, führt der Autor die Vorbereitung an, in der die Mannschaft 29 Tore erzielt habe. Fazit des Kommentars: Die Erwartungen dürften etwas sinken, bis zum 1. September werde aber sicher noch etwas passieren.
