Formel 1 heute: Bei Mercedes laufen die Planungen für die Zeit nach Toto Wolff bereits. Im Podcast Cheeky Pint bestätigte der Teamchef, dass seine Aufgaben künftig auf mehrere Schultern verteilt werden, wie PlanetF1 berichtet. Sportlich rüstet der Rennstall laut Motorsport XL derweil für den Großen Preis der USA in Austin auf.
Mercedes: Wolffs Job soll an zwei oder drei Personen gehen
Wichtig sei ihm, das Beste für die Familie und für das Team zu tun, erklärte Wolff. Das bedeute, eine Struktur zu schaffen, in der die Mannschaft auch ohne ihn bestehen könne. Seinen Job würden wohl zwei oder drei Personen übernehmen, die er derzeit prüfe und die in ihren Bereichen schon jetzt hervorragende Arbeit leisteten. Ein einzelner Nachfolger ist damit offenbar nicht vorgesehen.
Ganz dasselbe werde es ohne ihn vermutlich nicht sein, räumte der Mercedes-Boss ein. Schließlich verfüge er als Unternehmer, der eigene Firmen leite, über eine besondere Glaubwürdigkeit. Mit einer soliden Managementstruktur werde der Rennstall aber anders und trotzdem erfolgreich aufgestellt sein. Statt eines abrupten Wechsels peilt Wolff also einen geordneten Übergang an.
Bradley Lord: Beförderung als frühes Signal für die Nachfolge
Ein erster Baustein dieses Plans ist bereits gesetzt. Nach Informationen von PlanetF1 war die Beförderung von Bradley Lord vom Kommunikationschef zum stellvertretenden Teamchef in diesem Jahr ein frühes Anzeichen dafür. Wolffs Vertrag, den er 2023 um drei Jahre verlängert hatte, läuft zum Ende dieser Saison aus. Die Neuordnung an der Spitze rückt damit unmittelbar näher.
Komplett verabschieden dürfte sich Wolff dennoch nicht. Da er zugleich CEO ist und 33 Prozent der Anteile hält, gilt ein vollständiger Rückzug demnach als unwahrscheinlich, denkbar wäre eine Rolle als Vorsitzender. Einen klaren Schnitt halte er für kaum möglich, solange er den Rennstall gemeinsam mit seiner Familie besitze. Als Miteigentümer bliebe er somit in jedem Fall eine feste Größe.
Toto Wolff: Kein Platz an der Seitenlinie
Ein Vorsitz, ob geschäftsführend oder nicht, sei möglich, müsse aber sehr präzise ausgestaltet werden, betonte der Mercedes-Boss. Man könne nicht am Rand stehen und ins Tagesgeschäft eingreifen. Zudem wolle er nicht erleben, dass er der Familie die beste Führung zutraue und diese dann nur mittelmäßig ausfalle. Einmischung von oben schließt er damit aus.
Wer den Rennstall führen wolle, müsse sich diesen Posten verdienen und etwas beitragen. Seine Kinder schienen ohnehin kein Interesse zu haben, fügte der 33-Prozent-Eigner an. Eine Familiennachfolge an der Teamspitze ist damit vorerst kein Thema. Wer Wolff beerbt, muss sich vielmehr über Leistung empfehlen.
Formel 1: Wolff könnte mit Ron Dennis gleichziehen
Sportlich steht Wolff für eine beeindruckende Ära. Seit seinem Einstieg 2013 gewann er mit Mercedes 15 WM-Titel, sieben in der Fahrer- und acht in der Konstrukteurswertung. Zuvor war er Investor und Executive Director bei Williams. Mit dieser Bilanz legt er die Messlatte für seine Nachfolger extrem hoch.
Die Sammlung könnte schon bald weiter wachsen. Holt Kimi Antonelli in den USA oder in Mexiko seinen ersten Fahrertitel und sichert sich Mercedes zudem den Konstrukteurstitel, stünde Wolff bei 17 Titeln. Damit würde er mit dem früheren McLaren-Boss Ron Dennis gleichziehen. Die anstehenden Rennen haben für den Teamchef also auch eine historische Dimension.
Mercedes in Austin: Upgrades für beide Autos
Auf der Strecke will der Rennstall entsprechend nachlegen, wie Motorsport XL berichtet. „Wir werden unser neuestes Update-Paket an beiden Autos einsetzen und gleichzeitig die Entwicklung des Autos weiter vorantreiben“, sagte Wolff. Bei einem derart eng beieinanderliegenden Feld müsse sich das Team ständig verbessern. Gerade im Titelkampf von Antonelli kann jedes Zehntel zählen.
Hintergrund der Aufrüstung sind zwei holprige Rennen. „Die Wochenenden in Malaysia und Singapur waren für uns schwierig und wir haben hart daran gearbeitet, unsere Schwachstellen zu identifizieren“, erklärte der Teamchef. Bis zum Saisonende wolle er die Fortschritte auf der Strecke sichtbar machen und wieder vorne mitkämpfen. Die Upgrades sind der erste Schritt dahin.
US-Grand-Prix: Mercedes blickt nur von Rennen zu Rennen
Drei Grands Prix in Folge beginnen mit Austin. Weiter als bis zur nächsten Aufgabe denkt das Team dennoch nicht. „Unsere Priorität liegt auf dem bevorstehenden Wochenende: Wir wollen unsere Arbeit bestmöglich umsetzen, unsere Performance maximieren und jedes Rennen so nehmen, wie es kommt“, so Wolff. Für die neuen Teile wird das Rennen damit zur ersten Bewährungsprobe.
Abseits der Strecke richtet Mercedes vor Ort zudem mehrere Markenevents aus, bei denen AMG und das Individualisierungsprogramm „Manufaktur“ im Mittelpunkt stehen. Auf dem Asphalt zählt dagegen nur das Resultat. Zeigen die Upgrades Wirkung, könnte der US-Grand-Prix zum Startpunkt eines Saisonfinales werden, das Wolff auf eine Stufe mit Ron Dennis hebt.
