Tennis heute: Seit Montag ist Alexander Zverev der erste deutsche Weltranglistenerste seit Boris Becker – doch zwischen den beiden kracht es gewaltig. Becker hatte im Interview mit dem Spiegel erklärt, Zverev sei trotz seiner Erfolge in Deutschland nicht besonders beliebt. Nach seinem frühen Aus in Paris schlug der 29-Jährige nun deutlich zurück.
Alexander Zverev: Deutliche Worte in Richtung Boris Becker
„Ich glaube, dass er wie immer relativ viel Blödsinn erzählt. Ich weiß nicht, was bei ihm gerade vorgeht, aber ich habe so das Gefühl, dass er alles kommentieren muss, was ich mache“, sagte Zverev nach seinem Zweitrunden-Aus beim Masters. Ausgerechnet in der Woche, in der er Beckers Erbe an der Spitze antritt, eskaliert der Streit.
Sportlich lief es in Paris ohnehin nicht nach Plan. Nach einem Freilos unterlag er in seinem ersten Match als Nummer eins dem Italiener Lorenzo Musetti mit 6:7 (5:7), 2:6. Beckers Interview habe er nur in kleinen Teilen gelesen, betonte Zverev. Dennoch legte er nach: „Ich glaube, dass er momentan nach allem sucht, um mich ein bisschen runterzumachen. Kann er machen, ist seine Wahl.“
Boris Becker: Darum ist Zverev aus seiner Sicht nicht beliebt
Der 58-Jährige hatte im Gespräch mit dem Magazin gleich mehrere Gründe genannt, warum Zverev die deutschen Fans bislang nicht für sich gewinnen konnte. In deutschsprachigen Interviews wirke er oft abgehackt und kurz angebunden, zudem sei er „gegenüber Journalisten auch nicht gerade freundlich“. Damit zielt Becker vor allem auf das Auftreten, nicht auf die sportliche Bilanz.
Brisanter ist ein anderer Punkt. Der sechsmalige Grand-Slam-Sieger verwies darauf, dass „seine Eltern aus Russland“ kommen und Zverev „auf dem Platz russisch mit seiner Box“ spreche, zum Krieg in der Ukraine aber öffentlich keine Stellung beziehe. Persönlich könne er das nachvollziehen, „aber es kommt natürlich nicht so gut an“. Becker betritt damit hochsensibles Terrain.
Tennis-Star Zverev: Zum Ukraine-Krieg schweigt er in sozialen Medien bewusst
Zverev reagierte darauf mit Unverständnis. „Ich fand komisch, dass er der Meinung ist, dass ich mich politisch äußern sollte. Warum auch immer.“ Gerade als neue Nummer eins steht er nun stärker im Fokus als je zuvor – auch bei Fragen, die mit Tennis nichts zu tun haben. Umso bemerkenswerter ist, wie deutlich er die Grenze zieht.
Eine Haltung zum Krieg habe er durchaus, betonte er. „Ich habe da eine sehr klare Meinung zu. Mich hat nie jemand danach gefragt. Ich werde nicht auf Instagram gehen und da irgendwelche Kommentare abgeben. Das bin ich nicht, das habe ich noch nie gemacht, das werde ich auch nie machen.“ Öffentliche Statements in den sozialen Netzwerken schließt er damit kategorisch aus.
Grand Slam: Zverev widerspricht Becker auch beim Thema Publikum
Auch bei der Unterstützung der Fans liegen beide weit auseinander. Becker hatte behauptet, in Zverevs letzten drei Grand-Slam-Finals habe das Publikum vor allem seine Gegner angefeuert. Der 29-Jährige sieht das anders: „Ich fand, dass in Paris 70 Prozent der Leute für mich waren. In Wimbledon habe ich gegen Jannik Sinner gespielt, da war es relativ 50:50.“
In New York dagegen hätten die meisten Zuschauer im Endspiel verständlicherweise zum Amerikaner Ben Shelton gehalten, räumte er laut SZ ein. Statt gemeinsam die Rückkehr eines Deutschen an die Spitze der Weltrangliste zu feiern, liefern sich die beiden Nummer-eins-Spieler damit einen öffentlichen Schlagabtausch. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.
