Der Golden Beach im chinesischen Qingdao gilt als „Strand Nummer eins in Asien“. Wo sonst Urlauber Sand, Wellenrauschen und entspannte Atmosphäre genießen, geht es ab Sonntag um WM-Medaillen: Rund 300 Ruderinnen und Ruderer treten im Coastal Rowing Beach Sprint an. Die noch junge Disziplin feiert 2028 in Los Angeles ihre olympische Premiere. Das steckt hinter der Sportart:
Coastal Rowing WM: Was ist die neue Rudersportart?
Coastal Rowing, auf Deutsch Küstenrudern, ist eine eigenständige Disziplin des Ruderns und gilt auch als Wildwasser-Variante. Die Rennen finden auf dem Meer oder auf großen Seen statt – nicht auf geraden, möglichst ruhigen Regattastrecken. Neben der vier bis sechs Kilometer langen Langstrecke („Endurance“) gibt es den kurzen und dynamischen Beach Sprint, der 2028 Olympia-Premiere feiert und daher im Fokus steht.
Beach Sprint Olympia: So läuft ein Rennen am Strand ab
Die Athletinnen und Athleten sprinten von einer Startlinie am Strand zu ihren im Wasser liegenden Booten. Sie rudern durch einen Slalomkurs, umrunden zwei Bojen und wenden an einer dritten um 180 Grad.
Zurück am Strand steigen sie aus ihren Booten aus und sprinten zur Ziellinie, an der sie einen Buzzer drücken müssen. Ein Rennen dauert je nach Bootsklasse und Bedingungen etwa Zweieinviertel bis drei Minuten.
Bundestrainer Bretting: „Hauch von Ninja Warrior“ beim Coastal Rowing
„Im klassischen Rudern fährt man von A nach B. Beim Coastal Rowing kommen viele neue Elemente hinzu – das bricht das traditionelle Rudern völlig auf“, sagte Bundestrainer Adrian Bretting der Deutschen Presse-Agentur. „Den ganzen Tag läuft Musik, am Strand herrscht ein wenig Partystimmung. Show-Elemente wie der Buzzer sorgen für zusätzliche Spannung – mit engen Entscheidungen und viel Dynamik hat es einen Hauch von „Ninja Warrior“.“
Coastal Rowing WM: Wie funktioniert das K.-o.-System?
Zunächst absolvieren alle Starter ein Einzelzeitfahren, das sogenannte „Time Trial“. Die besten 16 erreichen das Achtelfinale. Der Rest scheidet aus. Danach geht es im direkten K.-o.-System weiter: Der Erste trifft auf den 16., der Zweite auf den 15. und so weiter. Die Sieger ziehen jeweils in die nächste Runde ein. Ab dem Viertelfinale folgen die Rennen unmittelbar aufeinander. Neben Schnelligkeit ist daher auch eine gute Grundlagenausdauer gefragt.
Beach Sprint: Warum das Format für Zuschauer so spannend ist
Beim Coastal Rowing folge ein Rennen deutlich schneller auf das nächste als beim klassischen Rudern, erklärte Bretting. „Dort liegen teils Tage zwischen den Rennen. Beim Coastal Rowing soll es bei Olympia vom Start des ersten Viertelfinals bis zum Goldmedaillengewinner weniger als eine Stunde dauern.“ Der kompakte Ablauf sorge für viel Dynamik und mache die Sportart auch für die Fernsehübertragung interessant.
Coastal Rowing Boote: Das macht sie so besonders
Die Boote sind breiter und robuster als klassische Ruderboote und damit besser für Wellen und unruhiges Wasser geeignet. Sie haben ein offenes Heck, durch das Wasser abfließen kann. Bei Wettkämpfen werden sogenannte Pool-Boote genutzt: Sechs bis acht baugleiche Boote stehen allen Teams zur Verfügung. Das reduziert den Transportaufwand enorm. Zugleich bleiben nur wenige Minuten für individuelle Einstellungen. Eigene Skulls (Ruder) dürfen genutzt werden.
Deutsches Team bei WM: Moritz Wolff und Co. am Start
Die deutschen Coastal-Rower kommen aus dem klassischen Rudern. Einige suchen nach erfolgreichen Jahren dort neue sportliche Herausforderungen. Zum WM-Aufgebot gehört etwa auch Moritz Wolff. 2024 bei Olympia in Paris war er Schlagmann des deutschen Männer-Doppelvierers. Unter den 222 Crews aus 52 Nationen bei den Titelkämpfen in China sind deutsche Ruderer im Männer- und Frauen-Solo, im Mixed-Vierer sowie im Mixed-Doppelzweier.
Vorbereitung in Berlin: So trainiert das deutsche Coastal-Team
Die Grundlagen fürs Coastal Rowing werden am Bundesstützpunkt in Berlin gelegt. Neben Fitness, Kraft und Ausdauer werden auch die Sprints im Sand, das Ein- und Aussteigen sowie Wenden trainiert. Trainingslager am Meer, etwa in Portugal, ergänzen die Vorbereitung. Länger als etwa zwei Wochen bleibe das Team dort meist nicht, weil das Rudern auf dem Meer sehr intensiv sei, berichtete Bundestrainer Bretting.
Beach Sprint: Warum die Sportart taktisch so anspruchsvoll ist
Hinter der Sportart mit dem lässigen Surfer-Lifestyle steckt ein taktisch anspruchsvoller Wettkampf. Ein Rennen kann bereits beim Start entschieden werden. Wer schneller zum Boot kommt, hat einen Vorteil – muss diesen aber auf dem Wasser und beim Zielsprint verteidigen. Auch die Position auf dem Kurs ist wichtig: Wellen und Wind können einzelne Bahnen unterschiedlich stark beeinflussen. Anspruchsvoll ist auch die Wende um die Boje.
Im Mixed-Doppelzweier ist Deutschland amtierender Europameister im Beach Sprint, im Männer-Solo gab es zuletzt Bronze. Beide Boote schielen auch bei der WM auf die Medaillen. „Es kann alles passieren, weil es super eng ist und ein Fehler schon das Ende bedeuten kann. Vor allem durch die Olympia-Premiere wird alles enger. Aber unsere Paradeboote haben wir schon die Ambition in Richtung der Medaillen mitzufahren“, sagte Bretting.
(dpa)
