Granollers (dpa) – Die erste Pleite für Deutschlands Handballerinnen im EM-Jahr empfand Bundestrainer Markus Gaugisch zur ungewohnten Mittagszeit als Weckruf auf dem Weg zur Endrunde. «Es war eine verdiente Niederlage und sehr lehrreich. Natürlich hätten wir sie gern vermieden, aber das gehört zum Lernprozess dazu», befand Gaugisch nach dem 30:35 (12:15) im zweiten Duell mit Spanien.
Ähnlich bewerte DHB-Sportvorstand Ingo Meckes den kräftigen Dämpfer in der Vorbereitung auf das EM-Turnier vom 3. bis 20. Dezember. «Daraus können wir wichtige Erkenntnisse gewinnen, die uns im Hinblick auf die EURO etwas bringen werden», sagte Meckes.
Zwei Tage nach dem dominanten Auftritt beim mit 31:29 gewonnenen Saison-Auftakt offenbarte der WM-Zweite in allen Bereichen zu viele Defizite. «Wir haben es heute nicht geschafft, die wichtigen Duelle zu gewinnen. Sowohl offensiv als auch defensiv. Spanien war besser», analysierte Gaugisch.
Viele Baustellen in der Abwehr
Vor rund 400 Zuschauern in Granollers war Viola Leuchter mit fünf Toren beste Werferin für die DHB-Auswahl, die sehr fehlerhaft agierte. Vor allem Spaniens Topschützin Danila so Delgado (9 Tore) war nie in den Griff zu bekommen. «Das ist natürlich eine herausragende Spielerin, die wir am Freitag besser gestoppt bekommen haben», sagte Gaugisch.
In der Defensive machte sich vor allem das Fehlen von Aimeé von Pereira (Karriereende) und Xenia Smits (Babypause) deutlich bemerkbar. «Wir müssen uns während der Testspiele erst noch finden und alles neu etablieren, weil wir die Bombenabwehr von der WM so nicht mehr stellen können», räumte Rückraumspielerin Emily Vogel ein.
Dabei konnte sich Deutschland auf eine gut aufgelegte Sarah Wachter im Tor verlassen. Die Dortmunderin parierte sieben Würfe, darunter einen Siebenmeter. Doch das reichte nicht, weil die spanischen Schützinnen die großen Lücken in der DHB-Abwehr nutzten und viel zu oft frei vor Wachter auftauchten. «Wir waren nicht kompakt genug», stellte Meckes fest.
Mangelnde Konsequenz im Angriff
Auch im Angriff ließ das deutsche Team die nötige Beweglichkeit und Konzentration vermissen. «Wir haben die uns angebotenen Räume nicht mit der nötigen Konsequenz genutzt. Da fehlte oft der letzte Schritt in die Tiefe», kritisierte Gaugisch.
Nur einmal gelang der DHB-Auswahl beim 8:7 eine Führung. Ansonsten lief man stets einem Rückstand hinterher, der nach dem Wechsel phasenweise sogar auf sechs Tore anwuchs. «Das war ein nicht so konsequenter Auftritt», kritisierte Meckes.
Für Gaugisch kam das nicht unbedingt überraschend. «Wir waren fünf Monate nicht zusammen und müssen ein paar Dinge neu machen. Das probieren wir», sagte er mit Blick auf die nächsten EM-Tests Ende Oktober gegen Dänemark und die Niederlande. Und Rückraum-Ass Vogel bekräftigte: «Ich bin guter Dinge, dass wir die Zeit gut nutzen und uns bis zur EM finden werden.»