Handball heute: Mitten im Wirbel um seinen Wechselwunsch erhält Johannes Golla demonstrativen Rückhalt von Alfred Gislason. „Wenn wir Golli in irgendeiner Hinsicht helfen können, werden wir das immer machen. Wir stehen voll hinter ihm“, sagte der Bundestrainer laut der Welt. Das Signal an den 28-Jährigen kommt unmittelbar vor dem Start der EM-Qualifikation.
Johannes Golla: Gislason bemerkt keinerlei Veränderung beim Kapitän
Auswirkungen auf die Stimmung des Kreisläufers hat der Trubel demnach nicht. Gislason habe an seinem Kapitän nichts Ungewöhnliches festgestellt. „Der freut sich genau wie alle anderen riesig, dabei zu sein. Er genießt die Zeit mit uns“, so der Coach. Dass der Anführer derart unbeschwert ins Duell mit Belgien geht, ist für das Team vor dem Auftakt eine gute Nachricht.
Mehr noch: Gislason bezeichnete Golla als „großartigen Kapitän und phänomenalen Charakter“. In den vergangenen Jahren habe er „eine fantastische Leistung“ abgeliefert. Diese Worte unterstreichen, welchen Stellenwert der 28-Jährige im Gefüge der Nationalmannschaft besitzt – völlig unabhängig vom Ärger auf Klubebene.
MT Melsungen: Golla will zurück zur SG Flensburg-Handewitt
Hintergrund der Aufregung ist Gollas Wunsch, von der MT Melsungen zur SG Flensburg-Handewitt zurückzukehren. Öffentlich sprach der Nationalspieler zudem über die psychische Belastung, unter der er zuletzt stand. „Ich hoffe nur das Beste für ihn und dass es gut bei ihm weitergeht“, erklärte Gislason, der den Menschen Golla damit klar über das Hickhack der Klubs stellt.
Längst reicht der Fall über die beiden Vereine hinaus. Laut des Berichts hat Gollas Sinneswandel eine Debatte über die Transferregeln im Handball ausgelöst, da Verträge oft Jahre im Voraus geschlossen werden. Sein Wechsel zum Sommer 2026 wurde bereits im Dezember 2024 verkündet. Stefan Kretzschmar bezeichnete diese Praxis als „katastrophale Entwicklung“.
Alfred Gislason: Bundestrainer hält sich aus dem Regel-Streit heraus
Unterstützung erhält die Kritik von Welthandballer Mathias Gidsel, der eine Reform fordert. Gislason selbst wich dem Thema aus. „Ich glaube, ich wurde gewarnt, auf diese Frage nicht großartig einzusteigen, ich mische mich da wirklich nicht ein als Nationaltrainer“, sagte er lachend. Das ist nachvollziehbar, schließlich betrifft die Diskussion ausgerechnet seinen eigenen Kapitän.
Sportlich richtet sich der Blick ohnehin auf Donnerstag. Dann startet Deutschland in Berlin gegen Belgien in die Qualifikation für die EM 2028 (05.11.2026, 20.30 Uhr, ProSieben und Dyn). Für Golla bietet das Duell die Chance, die Schlagzeilen rund um seine Person mit einem starken Auftritt als Anführer in den Hintergrund zu rücken.
Nils Lichtlein: Gislason hofft trotz Schulterverletzung auf die WM
Ohne Nils Lichtlein muss der Bundestrainer dagegen im Lehrgang planen. Wie Sport1 berichtet, verpasst der 24-jährige Spielmacher der Füchse Berlin das Trainingslager wegen einer Schulterverletzung. Für die Heim-WM vom 13. bis 31. Januar bedeute das laut Gislason aber überhaupt nichts. Der Rückraumspieler bleibt damit fest im Blick für die Titelkämpfe im eigenen Land.
Bitter ist der Rückschlag trotzdem. Es sei für Lichtlein traurig gewesen, sich erneut zu verletzen, räumte Gislason ein, zumal er nach einer Verletzung wieder sehr gute Leistungen gebracht habe. „Auf seine Perspektive hat das aber überhaupt keinen Einfluss.“ Während Golla gegen Belgien vorangeht, läuft für Lichtlein der Wettlauf mit der Zeit bis zum Turnierstart.
