Fußball heute: Vier Offensivkräfte verletzt, der Cheftrainer nicht an Bord – der FC Bayern reist arg gebeutelt zum Champions-League-Duell bei Atlético Madrid. Experten wie Steffen Freund und Thomas Helmer raten bereits zu Verstärkungen im Winter. Das berichten n-tv.de, br.de und fussballeuropa.com.
FC Bayern: Saibari, Gnabry und Olise verletzt
Teuer erkauft war vor allem das 2:2 gegen Borussia Dortmund am Samstag. Ismael Saibari und Serge Gnabry mussten verletzt raus, auch Michael Olise erwischte es, Luis Díaz und Jamal Musiala fehlten ohnehin. „Das sind vier Top-Spieler, die auf einmal wegbrechen. Da wird es in der Offensive ganz schön dünn“, sagte Helmer in der BR-Sendung Blickpunkt Sport, wie br.de berichtet.
Am schwersten traf es Saibari (25). Bei einem Zusammenprall mit Gregor Kobel zog sich der Marokkaner einen Syndesmoseriss im rechten Sprunggelenk zu und musste operiert werden. Erst am 1. Juli war er für 50 Millionen Euro von der PSV Eindhoven gekommen, sein Vertrag läuft bis 2031. Gnabry (31) hat sich laut Verein eine Muskelverletzung im linken Oberschenkel zugezogen.
FCB-Star Olise: Eberl hofft auf Entwarnung
Noch keine Diagnose gibt es bei Olise (24), offenbar ist seine Blessur aber weniger gravierend. „Aber gehen wir mal davon aus, dass das nicht so schlimm ist“, sagte Sportchef Max Eberl nach dem Spiel. Sollte auch Olise ausfallen, „wäre das noch fataler“, warnte Helmer. Schließlich ruht schon jetzt enorm viel Last auf seinen Schultern.
Die Rückkehr von Díaz (29) nach seinem Muskelbündelriss ist nicht vor Mitte November geplant, für Musiala (23) gibt es noch keinen Zeitplan. Hinzu kommt die Belastung der verbliebenen Stars. Man müsse bedenken, dass Harry Kane und Olise nicht immer bei 100 Prozent sein könnten, so Helmer. Ungewöhnlich ist zudem der Zeitpunkt, denn solche Häufungen treffen Topklubs meist erst im Frühjahr.
Steffen Freund: Bayern sollte im Winter nachlegen
Auch Steffen Freund (56) sieht den Tabellenführer in einer „gefährlichen Situation“. Gegenüber RTL/Sky zählte der frühere Nationalspieler die Probleme auf: „Der Trainer ist nicht da, viele Verletzte, drei Verletzungen kommen dazu, alle im Offensivbereich.“ Für eine Mannschaft, die national und international angreifen will, ist das eine brisante Mischung.
Seine Schlussfolgerung fällt eindeutig aus: „Ich glaube, tendenziell muss man jetzt schon schauen, was im Januar, Februar auf dem Markt ist, um vielleicht noch mal nachzulegen.“ Mit nur 23 Spielern sei der Kader schmal besetzt. In der vergangenen Saison reichte das, nun dürfte es deutlich enger werden – laut n-tv.de belastet der kleine Kader das Team körperlich stark.
Herbert Hainer: Kein „Transferrausch“ geplant
Eigentlich hatte Präsident Herbert Hainer nach dem 250-Millionen-Euro-Deal mit der Viessmann Generations Group einen „Transferrausch“ ausgeschlossen. In besonderen Situationen könnte der Klub allerdings auf seine Geldreserven zurückgreifen. Genau eine solche Lage könnte durch die Verletzungsserie nun entstanden sein – zumindest sehen das die Experten so.
„Ich glaube: Jetzt müssen sie darüber nachdenken“, betonte Helmer. Zu Saisonbeginn sei das noch nicht nötig gewesen, da sei der Kader super zusammengestellt gewesen. „In der Breite haben die Bayern einen sehr, sehr guten Kader – jetzt fallen aber fast alle weg.“ Bislang war laut fussballeuropa.com nur ein Backup für Díaz geplant, ob sich das ändert, ist offen.
Champions League: Pflichtsieg bei Atlético Madrid
Zunächst wartet aber eine Aufgabe, bei der kaum Fehler erlaubt sind. Am Dienstag (21 Uhr) gastieren die Münchner am vierten Spieltag der Champions League bei Atlético Madrid. Die Spanier sind seit neun Pflichtspielen ungeschlagen, Bayern steht nach drei Partien bei fünf Punkten. Ein Sieg ist damit nahezu Pflicht für den sechsmaligen Titelträger.
Helmer gibt die Richtung vor: „Es muss das Ziel des FC Bayern sein unter die Top 8 zu kommen und die direkte Qualifikation zu schaffen.“ Die beiden Playoff-Spiele könne man sich wirklich sparen. „Ich glaube nicht, dass die Bayern nicht weiterkommen würden, aber wir sehen es ja jetzt schon: Die Spieler fallen nach und nach aus“, warnte der 61-Jährige.
Aaron Danks: Co-Trainer vertritt Kompany
Erschwerend kommt hinzu, dass Vincent Kompany fehlt. An der Seitenlinie übernimmt Co-Trainer Aaron Danks. „Kurzfristig muss das kein Nachteil sein, da er das verkörpert, was der Cheftrainer auch macht“, meint Helmer. Kompany habe allerdings selbst auf hohem Niveau gespielt und viele Titel gewonnen, er könne den Spielern daher einen Hinweis mehr geben.
Der Europameister von 1996 kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. „Das war bei uns auch so, als der Co-Trainer an der Seitenlinie stand. Klar hört man auch auf ihn – aber es hat eine Bedeutung, wenn ein Cheftrainer mit einer solchen Ausstrahlung fehlt“, erklärte er. In Madrid könnte das am Dienstag „vielleicht einen kleinen Unterschied“ machen.
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