Fußball heute: Nach der Derby-Pleite bei Eintracht Braunschweig herrscht bei Hannover 96 in der 2. Bundesliga dicke Luft. Wie Transfermarkt berichtet, kam es während der Partie auch auf den Rängen zu Unruhen. Laut Liga-zwei.de rückt nun zudem Sportdirektor Jonas Boldt (44) in den Fokus, der den Trainerwechsel zu Sandro Wagner verantwortet hat.
Hannover 96: Boldt vermisst den Willen zur Spitze
Der Sportchef fand deutliche Worte. „Es ist im Derby und in den vergangenen Wochen nicht zu erkennen, dass wir oben mitspielen wollten“, kritisierte Boldt. Dem Team fehle es an Selbstvertrauen. Für einen Klub, der in dieser Saison eigentlich zurück in die Bundesliga wollte, ist diese Bestandsaufnahme ein Alarmsignal.
Am Trainer hält er dennoch fest. „Ich habe die Entscheidung nicht bereut und das Vertrauen in Sandro. Jetzt müssen wir gucken, dass wir möglichst schnell da unten rausklettern“, sagte Boldt der Bild. Statt vom Aufstieg spricht man in Hannover damit vorerst nur noch vom Weg aus dem Tabellenkeller.
Sandro Wagner: Nur ein Punkt aus drei Spielen
Hannover holte seit dem Trainerwechsel von Christian Titz zu Wagner im September nur einen Zähler aus drei Partien. Nach dem 1:1 gegen den FC St. Pauli sollte in Braunschweig der erste Sieg unter dem neuen Coach gelingen. Doch vor allem in der ersten Halbzeit war die Mannschaft viel zu schwach. Die erhoffte Trendwende blieb damit erneut aus.
Auf der Vereinswebsite wurde Boldt deutlich. „Wir haben uns zu viel versteckt, keine Zweikämpfe angenommen: eine erste Halbzeit, die du generell bei einem Fußballspiel und erst recht nicht bei einem Derby an den Tag legen darfst“, sagte er. Nun werde sich zeigen, wer bereit sei, sich aus der Lage herauszuarbeiten. Die Botschaft an die Mannschaft ist damit unmissverständlich.
H96-Trainer Wagner: „Man spürt, die Leichtigkeit fehlt“
Wagner (38) sieht die Probleme auch als Erbe der Vorsaison. „Man spürt, die Leichtigkeit fehlt“, erklärte der Coach. „Da ist letztes Jahr ein Stück weit was kaputtgegangen.“ Nach seinen 14 Spielen als Trainer des FC Augsburg tritt er in Hannover öffentlich spürbar zurückhaltender auf. Lautstarke Ansagen sind vom neuen Mann an der Seitenlinie bislang nicht zu hören.
Stattdessen setzt er auf Vertrauen. Er glaube an „die Jungs“, betonte Wagner, man wolle „unbedingt ins Gewinnen kommen“ und sich für die Arbeit belohnen. Gelegenheit dazu bietet sich bereits am Mittwoch (20:45 Uhr) in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den 1. FC Kaiserslautern. Ein Erfolg könnte dem verunsicherten Team neues Selbstvertrauen geben.
Hannover 96: Vom Aufstiegskandidaten zum Krisenklub
Ambitioniert waren die Ziele eigentlich. In der vergangenen Saison wurde Hannover Vierter, das beste Ergebnis seit dem Abstieg 2019, und verpasste den Aufstieg erst am letzten Spieltag. Unter Titz folgte jedoch ein Fehlstart mit nur vier Punkten aus den ersten fünf Spielen, seitdem ging es weiter bergab. Von der Aufbruchstimmung des Sommers ist kaum etwas geblieben.
Auch der Kader hat an Wert verloren. Mit 31,2 Millionen Euro liegt Hannover laut Transfermarkt nur noch auf Rang neun der Liga, Anfang Mai waren es noch 45,3 Millionen. Mit Noël Aséko, Daisuke Yokota, Enzo Leopold und Nahuel Noll gingen im Sommer wichtige Spieler. Gleichwertigen Ersatz fand der Klub bislang nicht.
Jonas Boldt: Streit mit Titz um die Kaderplanung
Keiner der Neuzugänge hat sich bislang als Verstärkung erwiesen. Torhüter Pascal Loretz kostete 1,1 Millionen Euro und sitzt inzwischen auf der Bank, auch Marcel Hartel und Emir Sahiti konnten nicht überzeugen. Im Winter sucht Hannover offenbar einen defensiven Mittelfeldspieler und einen Stürmer. Die Baustellen im Kader sind also längst nicht geschlossen.
Über Transfers geriet Boldt schnell mit Titz aneinander. Im Juli forderte der damalige Trainer „noch vier, fünf, sechs Spieler“, der Sportdirektor lehnte ab. „Es ist ja kein Playstation-Spiel, wo man unendlich Geld hat oder einen Cheatcode“, erklärte Boldt. Im Machtkampf um die Kaderplanung setzte er sich durch, sportlich zahlt sich das bislang aber nicht aus.
H96 News: Gesellschafter halten das Geld zurück
Boldt, der mit dem HSV fünfmal den Aufstieg verpasste, verantwortet seit seinem Start am 1. Juni sowohl den Trainerwechsel als auch große Teile der Kaderplanung. Unmittelbar bedroht ist er nach wenigen Monaten im Amt zwar nicht. Scheitert aber auch Wagner, wäre seine Position laut Liga-zwei.de erheblich geschwächt.
Nach Informationen der Bild kämpft Boldt bislang vergeblich um professionellere Strukturen und zusätzliches Geld für den Winter. Die Gesellschafter um Martin Kind dürften erst Mittel freigeben, wenn eine Wende und ein Angriff auf die Spitze realistisch erscheinen. Bis dahin wächst die Sorge, dass Hannover wie Fortuna Düsseldorf in den Abstiegskampf rutscht.
