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Schalke-Chef Tillmann: „Der Gegenwind hätte nicht größer sein können“

Schalke-Fans

Fußball heute: Rund 100 Millionen Euro negatives Eigenkapital bremsen den FC Schalke 04 weiterhin aus. Ab der kommenden Saison muss der Klub diesen Wert um zehn Prozent senken, sonst droht ein Punktabzug. Vorstandschef Matthias Tillmann (42) sieht darin den entscheidenden Hemmschuh, wie die Sportschau unter Berufung auf den WDR berichtet.

FC Schalke 04: Tillmann sieht im Eigenkapital die letzte Bremse

„Wenn wir irgendwann das Problem mit dem Eigenkapital gelöst haben, dann lässt jemand das Gummiband los und es entwickelt sich die volle Power von Schalke“, sagte Tillmann. Aus dem laufenden Geschäft lasse sich das Geld allerdings nicht erwirtschaften. Nötig seien vielmehr Einmaleffekte.

Infrage kommen demnach höhere Transfererlöse, eine starke Fan-Genossenschaft oder andere, komplexere Lösungen. Bei der Liquidität sei der Klub dagegen vorerst über den Berg, betonte Tillmann. Den Verdienst daran schreibt er Vorstandsmitglied Christina Rühl-Hamers zu. Für Schalke ist das zumindest an einer der beiden Finanzfronten eine spürbare Entlastung.

Schalke-Boss Tillmann: Der neue Schalker Kreisel

Trotz der Schulden plant der Klub Investitionen. Vorgesehen ist ein neues Stadionerlebnis mit Arena-Partys, modernisierten VIP-Bereichen und mehr Veranstaltungen. Fans sollen länger bleiben und das Vereinsgelände auch unter der Woche besuchen. Die geplanten Schalke-Terrassen kosten eine siebenstellige Summe, werden aber fast vollständig von Partnern finanziert.

Hinter allem steht ein Konzept, das Tillmann den „neuen Schalker Kreisel“ nennt. Vier Bereiche sollen sich gegenseitig verstärken: finanzieller Rahmen, Sport, Schalke-Erlebnis und Vermarktungsstärke. Der Einstieg eines externen Vermarkters war anfangs heftig kritisiert worden, zahlt sich laut Tillmann inzwischen aber aus. Nun gelte es, das Tempo zu erhöhen.

Matthias Tillmann: Vertragsverlängerung als Bestätigung

Rückenwind gibt ihm die jüngste Vertragsverlängerung, deren Laufzeit nicht bekannt ist. „Mir bedeutet das Vertrauen sehr viel“, sagte Tillmann. Er wertet sie als Bestätigung. „Deshalb ist dieses Bekenntnis ein Ausdruck davon, dass wir hier in den vergangenen drei Jahren nicht alles falsch gemacht haben, wir auf dem richtigen Weg sind und diesen gemeinsam fortsetzen wollen.“

Nicht alles lief dabei nach Plan. Ursprünglich wollte Tillmann im Sport nur den Rahmen setzen, mit mehr Datennutzung, klarer Kaderstruktur und definiertem Spielstil. Das Tagesgeschäft sollten zwei ihm unterstellte Sportdirektoren übernehmen. Als das nicht funktionierte, holte Schalke Frank Baumann als Fußball-Experten in den Vorstand.

S04-Vorstandschef: Kritik traf auch die Familie

„Die vielen Baustellen im Verein waren ehrlich gesagt viel zu viel für zwei Personen“, räumte Tillmann ein. Die Kritik an seiner Anfangszeit ging ihm persönlich nahe. „Die Auswirkungen für Familie und Umfeld habe ich in dieser Härte so nicht erwartet. Da habe ich erstmals drüber nachgedacht, wie lange ich das machen kann und ob ich meine Familie nicht schützen muss.“

Am größten war der Druck vor zwei Jahren, als Schalke bis zum Schluss gegen den Abstieg kämpfte und viele schnelle Veränderungen forderten. „Der Gegenwind hätte nicht größer sein können“, erinnerte sich Tillmann. Bewusst verzichtete der Klub damals auf Schnellschüsse. Statt kurzfristiger Lösungen setzte man auf Kontinuität.

Schalke 04: Langfristiges Denken statt Wochenend-Rettung

Als Tillmann im Januar 2024 kam, gab es keinen klaren Spielstil, der Klub hangelte sich von Wochenende zu Wochenende. Den Wechsel hin zu langfristiger Planung sieht er als bisher größten Erfolg. „Dieses langfristige Denken ist vielleicht das Größte, was wir bis jetzt erreicht haben.“ Genau diese Geduld soll Schalke nun dauerhaft voranbringen.

Der frühere Manager Rudi Assauer sagte einst: „Ich werde es noch erleben, dass Schalke 04 Deutscher Meister wird.“ Für den Mathematiker und früheren Investmentbanker bleibt die Meisterschaft als Fan ein Traum. Als Vorstandschef setzt er auf schrittweise Verbesserung: „Das ist wie eine Exponentialfunktion. Und über einen langen Zeitraum geht diese irgendwann sehr steil nach oben.“

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