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Hertha-Trainer Leitl: „Das war nicht die Mannschaft, die ich kenne“

Hertha-Fans

Fußball heute: Auch Greuther Fürth konnte Hertha BSC nicht stoppen, mit dem 2:1 feierten die Berliner den siebten Sieg im siebten Spiel. Der Vorsprung auf den Dritten Heidenheim beträgt bereits sieben Punkte. Trainer Stefan Leitl war trotzdem alles andere als zufrieden, wie Bild und n-tv.de berichten.

Hertha BSC: Siebter Sieg im siebten Spiel

Der Erfolg verdankte sich laut Bild eher Glück, Qualität und Schwung als der eigenen Leistung. Leitl freute sich zwar über mehr als 58.000 Fans im Stadion, die er als absolut sensationell bezeichnete. Mit der ersten Hälfte ging er aber hart ins Gericht: „Die Art und Weise hat mir nicht gefallen. Deswegen gibt es sehr viel zu tun für uns.“

Mit Blick auf das nächste Spiel fordert der 49-Jährige eine klare Steigerung, was beinahe wie eine versteckte Warnung an die Konkurrenz klingt. „Das war nicht die Mannschaft, die ich kenne. Wir waren vor der Länderspielpause auf einem anderen Niveau“, sagte Leitl. Vor allem in der Offensive sieht er bei Ernsthaftigkeit, Intensität und Zweikampfführung „deutlich Luft nach oben“.

Stefan Leitl: Kritik trotz Erfolgsserie

Ähnlich deutlich wurde er gegenüber n-tv.de: „Ich erwarte eine andere Haltung, deshalb bin ich sehr kritisch.“ Dass ein Trainer nach einem Sieg so selbstkritisch auftritt, zeigt laut des Senders, wie weit die Hertha gekommen ist. Im Klub ist offenbar ein neuer Hunger erwacht.

Fürth machte es den Berlinern aber auch schwer. Die Gäste liefen beide Innenverteidiger an und stellten Spielmacher Paul Seguin in Manndeckung. Von 27 langen Bällen von Torhüter Marius Gersbeck kamen nur acht an, Stürmer Luca Schuler konnte kaum Bälle festmachen, und am Ende hatte Fürth 58 Prozent Ballbesitz und eine um fünf Prozent bessere Passquote.

Hertha gegen Fürth: Glück bei trägem Pressing

Gegen den Ball offenbarte die Hertha ebenfalls Schwächen. Das Pressing war träge, die Abstände zwischen den Linien zu groß, und die Räume hinter der Kette wurden schlecht verteidigt. Immer wieder kamen die Franken an den Strafraum und erspielten Chancen für Felix Klaus, die Gastgeber hatten Glück, nicht in Rückstand zu geraten.

Die Wende brachte ein Wechsel. Zwei Minuten nachdem Neuzugang Gustaf Nilsson für Schuler ins Spiel gekommen war, fiel in der 65. Minute die Führung. Nilsson behauptete den Ball und bediente Kapitän Josip Brekalo, der auf Mads Pedersen ablegte, und der dänische Linksverteidiger zirkelte den Ball mit dem Außenrist ins rechte Eck.

Mads Pedersen: Traumtor und ehrliche Worte

Geblendet hat das Traumtor den 31-Jährigen aber nicht. Nach dem Spiel kam Pedersen zu seinem Coach und gab sich ehrlich. Leitl verriet: „Er kommt und sagt: Coach, schlecht gespielt, aber ein Tor gemacht.“ Die Selbsteinschätzung passte gut zur kritischen Grundstimmung.

Großes Lob gab es dagegen für den Vorbereiter. „Wir hatten beim Tor mit Gustaf Nilsson einen Stürmer auf dem Feld, der den Ball sensationell festmacht und gut in der Spielfortsetzung ist“, sagte Leitl. Der Neuzugang dürfte damit schon bald zur ersten Wahl im Berliner Sturm aufsteigen.

Paul Seguin: Distanzschuss zum 2:0

Für die Entscheidung sorgte Seguin mit einem sehenswerten Distanzschuss zum 2:0. Der 31-Jährige blieb dennoch auf dem Boden: „Es war heute nicht alles super. Aber ich bin stolz, dass wir den Dreier trotzdem gezogen haben.“ Selbst Fürth-Coach Heiko Vogel räumte ein: „Hertha hat gezeigt, dass sie sehr gute Einzelspieler hat, die nur einen Moment brauchen, um zuzustechen.“

Genau darin lag diesmal der Unterschied. In den Spielen zuvor hatten der neue Stil und die frühen Erfolge Profis wie Jon Dagur Thorsteinsson und Kevin Sessa enormes Selbstvertrauen gegeben. Gegen Fürth wirkte die Hertha jedoch meist harmlos, wenn Brekalo keinen Geistesblitz hatte.

2. Bundesliga: Hertha auf den Spuren von Hannover 96

Nach dem Abpfiff feierten alle gemeinsam mit lauten Gesängen: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!“ Die Geschichte spricht für den Aufstieg. Nur Hannover 96 (1986/87) und Bayer Leverkusen (1978/79) waren zuvor mit sieben Siegen in Serie in eine Zweitliga-Saison gestartet, beide stiegen am Ende auf.

Schon am Freitag (18:30 Uhr) in Kiel kann die Hertha nachlegen. Mit einem achten Sieg in Folge würde sie den Rekordstart von Hannover aus der Saison 1986/87 einstellen. Dafür fordert Leitl allerdings eine klare Steigerung, denn mit einer Leistung wie gegen Fürth dürfte die Serie kaum zu halten sein.

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