Fußball heute: Gut drei Wochen nach seinem Amtsantritt kommt Sandro Wagner (38) bei Hannover 96 bestens an. Wie Bild berichtet, loben Spieler wie Marcel Hartel (30) und Bastian Allgeier (24) seine offene, ehrliche und authentische Art. Ein Kolumnist bei onefootball zeichnet nach dem 0:3 in Magdeburg dagegen ein düsteres Bild vom Zustand des Klubs.
Hannover 96: Hartel schwärmt von Wagners Ansprachen
Besonders angetan ist der Spielmacher von der Arbeitsweise seines neuen Trainers. „Er zeigt uns mit Videoanalysen, wie er was haben will. Seine Ansprachen sind top. Er erreicht die Mannschaft, ist mit jedem im Austausch“, sagte Hartel dem Blatt. Davon werde das Team in Zukunft sehr profitieren, glaubt der 30-Jährige.
Nach der Pleite in Magdeburg nahm sich Wagner seinen Mittelfeldspieler direkt auf dem Platz zur Seite, ungewöhnlich ist das nicht. „Ich hatte schon viele Einzelgespräche mit ihm“, verriet Hartel. Beide schätzten sich gegenseitig, die Zusammenarbeit mache in den ersten drei Wochen viel Spaß. „Er hat ein sehr hohes Standing in der Mannschaft.“
Bastian Allgeier: Wagner bringt „Feuer“ ins Team
Auch die Kommunikation des Coaches hebt Hartel hervor. „Er weiß, wie er seine Worte wählen, wie er Sachen ansprechen, wie er kommunizieren muss mit Mimik und Gestik und auch mit seiner Lautstärke. Er macht es einfach gut“, betonte er. Gerade nach dem verpatzten Einstand ist dieser Rückhalt aus der Kabine für Wagner wertvoll.
Verteidiger Allgeier sieht das ähnlich. „Er bringt da schon Stimmung rein, will, dass wir uns hochfahren“, erklärte er. Wagner trete überzeugend auf und sei klar in seinen Forderungen. Seine Kabinenansprachen zeigten bislang ebenfalls Wirkung. „Man hat gemerkt, dass er uns anzünden kann und Feuer reinbringt.“
Hannover-Kolumnist: Monatelange Planungsfehler als Ursache
Weniger positiv fällt die Analyse eines Fan-Kolumnisten bei onefootball aus. Das 0:3 in Magdeburg sei kein Pech gewesen, sondern Folge mangelnder Qualität nach monatelanger Fehlplanung. Hannover erlebt den schlechtesten Start seit dem Abstieg in die 2. Liga 2019 und hat bereits mehr Auswärtsspiele verloren als in der gesamten Vorsaison.
Nach dem Gegentor in der dritten Minute fand das Team nie zu seinem gewohnt dominanten Spiel. Ohne den Ballbesitzfußball von Christian Titz wirkten die Spieler demnach ideenlos. Wagner zeigte immer wieder die Geste „Brust raus!“. Sinnbildlich war ein Standard nahe dem Magdeburger Strafraum, der bis zu Torwart Leo Weinkauf zurückgespielt wurde.
H96-Kader: Abgänge nicht gleichwertig ersetzt
Kritik übt der Kolumnist auch an den vergangenen zwei Transferperioden. Nawrocki, Yokota, Aseko und Leopold seien nicht adäquat ersetzt worden. Es sei naiv gewesen zu glauben, ein neuer Trainer könne einen so schwachen Kader verwandeln. Bis mindestens zur Winterpause müsse Hannover mit dem vorhandenen Personal auskommen.
Ungünstig kam zudem die dreiwöchige Länderspielpause. Mehrere Spieler waren unterwegs, Bundu, Gindorf und Hugonet konnten verletzungsbedingt nicht voll trainieren. Lediglich zwei komplette Einheiten waren möglich, und Magdeburg war erst das zweite Pflichtspiel des „neuen“ Hannover. Für eine echte Handschrift des Trainers fehlte schlicht die Zeit.
2. Bundesliga: Heimdebüt gegen St. Pauli muss gelingen
Um die Wende zu schaffen, fordert der Kolumnist eine klare Hierarchie mit Führungsspielern wie Roggow und Weinkauf. Wagner, als „Menschenfänger“ geholt, solle die flachen Strukturen der Titz-Ära beenden. Magdeburg, Nürnberg, Berlin und St. Pauli gehören in der 2. Bundesliga zu den formstarken Teams, Hannover dagegen wirkt noch vom verpassten Aufstieg gezeichnet.
Positiv sei immerhin, dass Wagner viele Baustellen erkannt habe. Magdeburg selbst rutschte nach Titz‘ Abschied tief in die Krise und wäre fast abgestiegen, tritt nun aber als echte Einheit auf. Am Samstag (20:30 Uhr, Sky und RTL) gegen St. Pauli muss das Heimdebüt gelingen, sonst droht die Stimmung vor dem Derby gegen Braunschweig am 25. Oktober zu kippen.
