Fußball heute: Nach dem 2:1 im Derby gegen Borussia Mönchengladbach stellt sich Thomas Kessler (40) demonstrativ hinter René Wagner (38). „Wir haben uns ganz bewusst für ihn entschieden, weil wir von seinen fachlichen und menschlichen Qualitäten überzeugt sind“, sagte der Sportdirektor des 1. FC Köln im Gespräch mit Bild. Daran habe sich nichts geändert.
1. FC Köln: Kessler stärkt Trainer Wagner den Rücken
Für die Skepsis vieler Fans zeigt Kessler durchaus Verständnis. Der letzte Trainer, der in Köln ohne vorherige Erfahrung als Cheftrainer übernahm, war Christoph Daum in den 1980er-Jahren. Die Verpflichtung Wagners war für den Klub damit ein ungewöhnlicher Schritt. Entsprechend genau wurde jeder Auftritt des 38-Jährigen in den ersten Wochen beäugt.
Dass die Zweifel bleiben, befürchtet der Sportdirektor allerdings nicht. „Am Ende ist es im Fußball doch relativ einfach: Du musst die Menschen mit deiner Arbeit und vor allem mit Ergebnissen überzeugen“, erklärte er. Wagner beschreibt er als klar, fokussiert und als einen Trainer, der voll hinter seinem Ansatz steht. Wie alle Verantwortlichen werde auch der Coach weiter dazulernen.
Köln-Sportdirektor Kessler: „Intern gab es überhaupt keine Unruhe“
Von Nervosität vor dem Derby will Kessler nichts wissen. „Intern gab es überhaupt keine Unruhe. Und es gab auch zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Szenarien, mit denen wir uns beschäftigt haben“, stellte er klar. Nach vier Spieltagen die eigenen Pläne wegen äußeren Drucks infrage zu stellen, wäre aus seiner Sicht falsch.
Spurlos ging die Debatte der vergangenen Wochen aber nicht an den Verantwortlichen vorbei. Kessler räumt ein, dass die Skepsis spürbar war, und hofft nun auf mehr Vertrauen von außen. „Natürlich tut uns dieser Sieg gut und bestätigt uns in unserer Arbeit“, sagte er. Der Derbysieg kommt damit zum richtigen Zeitpunkt für den Kurs der Klubführung.
Thomas Kessler: Späte Transfers gehen auf seine Kappe
Beim Blick auf den Sommer zeigt sich der 40-Jährige selbstkritisch. Wegen der begrenzten finanziellen Mittel kamen einige Neuzugänge erst spät. „Wenn man diesen Umstand kritisch bewerten möchte, dann ist das in erster Linie ein Thema, für das ich die Verantwortung trage“, betonte Kessler gegenüber dem Blatt.
Hinzu kommen nun schwere Verletzungen wichtiger Spieler, weshalb sich die Mannschaft noch immer findet. Seine eigene Zukunft stellt Kessler dabei bewusst hintan, Kritik gehöre zum Job. „Denn eines ist doch völlig klar: Der sportliche Erfolg des 1. FC Köln ist keine One-Man-Show, sondern das Ergebnis gemeinsamer Arbeit.“
Said El Mala: Verbleib weckt zu hohe Erwartungen
Überrascht hat Kessler, wie schnell die Hoffnungen gewachsen sind. Der Verbleib von Said El Mala und der Transfersommer hätten die Erwartungen zu früh nach oben getrieben. Der Klub bleibt bei der Einordnung seines Niveaus aber realistisch. „Da sprechen wir über sechs, sieben Vereine, die sich am Ende um die Plätze 10 bis 16 streiten.“
Wer in Köln Verantwortung trage, müsse mit der Leidenschaft und den hohen Ansprüchen im Umfeld umgehen können, findet Kessler. „Du brauchst eine gewisse Widerstandsfähigkeit und musst auch mal Dinge aushalten, selbst wenn du das Gefühl hast, dass eine Situation von außen vielleicht nicht ganz richtig bewertet wird“, ergänzte er. Sein Ziel bleibt, den Klub in der Bundesliga zu etablieren.
