Fußball heute: Nach dem 2:2 in Augsburg und dem 3:3 beim Außenseiter Viking Stavanger in der Champions League droht dem FC Bayern eine echte Krise. Wie Bild berichtet, herrscht in der Klubführung Sorge. Positiv registriert man dort allerdings, dass die sportliche Leitung, Trainer und Spieler die Probleme offen ansprechen, statt die Ergebnisse als Ausrutscher abzutun.
FC Bayern: Kimmich ist „innerlich in Alarmbereitschaft“
Allen voran Joshua Kimmich (31) redet Klartext. Schon früh in der Saison habe er gespürt, dass die Mannschaft nicht auf ihrem Top-Level sei. Daran habe sich nichts geändert. „Innerlich bin ich in Alarmbereitschaft, aber nach außen oder auch nach innen in die Truppe hinein habe ich schon großes Vertrauen, dass wir das auch schnell wieder umstellen können“, sagte Kimmich laut Bild.
Gleichzeitig mahnt er zur Eile. „Wir müssen aber damit anfangen, das umzustellen.“ Die Ursache sieht der 31-Jährige vor allem in individuellen Patzern, von denen es momentan zu viele gebe. Sportdirektor Max Eberl (53) pflichtet ihm bei. „Das ist nicht das Niveau von unserer Mannschaft“, stellte er klar und nahm damit das ganze Team in die Pflicht.
Bayern-Fehlstarts: Gegentore nach acht Sekunden und zwei Minuten
In den Anfangsphasen zeigen sich die Probleme besonders deutlich. In Augsburg kassierten die Münchner nach einem Fehler von Manuel Neuer bereits nach acht Sekunden das erste Gegentor. In Stavanger stand es nach zwei Minuten 0:1, nachdem Minjae Kim unnötig eine Ecke verursacht hatte. Für Eberl ist das bei dieser Häufung kein bloßes Pech mehr, sondern eine Frage der Konzentration.
Den folgenschwersten Einzelfehler beging in Stavanger Michael Olise (24). Der Offensivspieler sah Gelb-Rot, weil er einem Gegenspieler den Ball ins Gesicht warf. „Die Rote Karte ist über-blöd natürlich, das haben wir auch angesprochen und da sind wir deutlich. Das darf nicht passieren“, sagte Trainer Vincent Kompany (40). Über eine mögliche Geldstrafe will Eberl in Ruhe entscheiden.
Vincent Kompany: Ungewohnt deutliche Kritik an seinen Spielern
Schon in der Kabine sprach der Coach die Fehler laut des Blattes in scharfen Worten an. Ungewöhnlich ist, dass er sein Team auch öffentlich kritisierte. „Jeder hat die zwei frühen Gegentore gesehen. Jeder hat die Gelb-Rote Karte gesehen. Jeder hat gesehen, dass wir das selbst verursacht haben. Man kann es nicht schönreden, sondern man muss die Reaktion auf dem Platz zeigen.“
Vorstandschef Jan-Christian Dreesen (59) schlug in seiner Bankettrede kurz nach Mitternacht ähnliche Töne an. In der ersten Halbzeit habe man ein bisschen Blut und Wasser geschwitzt, ehe erneut unnötige Fehler und der Platzverweis folgten. Das 3:3 sei deshalb wahrscheinlich der faire Ausgang gewesen. „Insofern müssen wir unsere Lehren ziehen!“
Bayern-Offensive: Fast alles läuft über Olise
Auch personell hakt es. Im Angriff erreichen demnach nur Olise und Harry Kane (33) ihr gewohntes Level. Jamal Musiala (23) fehlt wegen eines Muskelfaserrisses, Serge Gnabry (31) ist noch nicht in Topform. Für eine Offensive, die zuletzt in zwei Partien fünf Gegentore ausgleichen musste, sind das zu wenige Leistungsträger.
Die Formkrise von Luis Díaz (29) verschärft die Lage. Der Flügelspieler bleibt weit hinter der Vorsaison zurück, sein Tor in Stavanger war sein erstes seit dem ersten Spieltag, eine Vorlage fehlt noch komplett. Entsprechend konzentriert sich das Spiel auf Olises rechte Seite. Genau das macht die Münchner derzeit ausrechenbar.
Bayern-Bank: Kompany fehlen die Alternativen
Von der Bank kommt ebenfalls kaum Entlastung. Lennart Karl (18) und Ismael Saibari (25) blieben in Stavanger blass, Kim und Nathaniel Brown (23) hatten in der Abwehr Mühe. Tom Bischof (21) war kaum ins Spiel eingebunden. Damit sind die Möglichkeiten zur Rotation spürbar begrenzt.
Auch die Neuzugänge Saibari und Brown haben bislang noch keinen echten Unterschied gemacht. Auf der linken Seite gibt es zudem niemanden, der Díaz ernsthaft unter Druck setzt. Für den Trainer bedeutet das, dass er kaum über den Konkurrenzkampf gegensteuern kann. Die Lösung muss also aus dem bestehenden Stamm kommen.
Uli Hoeneß: Länderspielpause als „Katastrophe“
Eine weitere Ursache sehen die Bayern intern in der langen Länderspielpause, während der fast alle Spieler unterwegs waren und kaum Trainingszeit blieb. „Eine Katastrophe, vier Wochen nach Bundesliga-Beginn schon zwei Wochen Pause zu machen. Wir haben 18 Spieler auf Reisen gehabt. Dass da der Rhythmus verloren geht, ist doch ganz normal“, sagte Ehrenpräsident Uli Hoeneß (74) dem Blatt.
Wenig hilfreich findet man im Klub zudem die Debatte um Kimmich in der Nationalmannschaft, die auch Bundestrainer Jürgen Klopp (59) mit angestoßen hatte. Umso wichtiger wird nun die Reaktion auf dem Rasen. Die Ansätze zur Aufarbeitung sind da, jetzt muss Kompanys Team sie in Ergebnisse ummünzen, bevor aus der Delle tatsächlich eine Krise wird.
