Fußball heute: Alexander Blessin hat in seinem ersten öffentlichen Auftritt als Gladbach-Trainer die Marschroute klar definiert. Kurzfristiger Erfolg steht vor allem anderen: „Das Langfristige können wir gerade nicht sehen, es geht erstmal nur darum, kurzfristig erfolgreich zu sein.“ Ein Satz, der die Lage von Borussia Mönchengladbach nach null Punkten aus vier Spielen schonungslos beschreibt – und keinerlei Beschönigung zulässt.
Borussia Mönchengladbach: Blessin mit Testspiel-Sieg – und klarem Taktik-Wechsel
Den Auftakt machte ein 3:0-Testspielsieg beim SC Siegen – Treffer durch Robin Hack und zweimal Shuto Machino. Blessins erstes Fazit nach dem Spiel war typisch für seine direkte Art: „Im Grunde war vieles schon okay. Aber es gab auch viel, worüber wir noch reden müssen“, so der neue Coach laut *RP Online*. Taktisch schaltet er einen Gang zurück: Schluss mit Spektakel, künftig stehen Defensive und Stabilität im Vordergrund. „Intensität ist jetzt wichtig, gegen den Ball kann man nicht schlafen.“
Trotz des nötigen Handlungsdrucks gönnt Blessin der Mannschaft zunächst vier freie Tage: „Es ist extrem wichtig, dass das Team den Kopf frei hat. Die Arbeit kommt danach, die wird schweißtreibend und hart.“ Ein durchdachter Schachzug – wer einen ausgebrannten Kader übernimmt, gewinnt mehr durch kurzfristige Entlastung als durch sofortige Maximalbelastung.
BMG-Trainer Blessin: Kleindienst und Diks bleiben Führungsspieler – Neuhaus bekommt Chance
Trotz der öffentlichen Vorfälle rund um Kleindienst und Diks – TikTok-Interview, Elfmeter-Streit gegen Mainz – stellt Blessin deren Führungsrollen nicht infrage: „Es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern, ich schätze beide sehr als Spieler.“ Eine klare Botschaft nach innen wie nach außen: Der neue Trainer setzt nicht auf Konfrontation, sondern auf Einbindung. Gleichzeitig hält er am Gladbacher Entwicklungsweg fest – in seiner Trainerkarriere entfielen knapp 20 Prozent der Gesamteinsatzzeit auf U23-Spieler, ein Wert, der zur Philosophie des Klubs passt.
Florian Neuhaus, der unter Interimstrainer Lichte gegen Mainz nach langer Pause sein Saisontor erzielte, bekommt auch unter Blessin eine Chance: „Ich komme nicht hierher, um jemanden zu rasieren. Die Tür steht für jeden offen.“ Positiv überrascht wurde Blessin von Japan-Neuzugang Zento Uno, den er wegen dessen Verletzungspausen zuvor noch nie hatte spielen sehen. Der 21-Jährige überzeugte mit Einfachheit im Spiel und einem schnellen ersten Blick nach vorne – auch wenn Blessin auch Momente monierte, in denen ein zweiter Kontakt sinnvoller gewesen wäre.
Auch Yukhym Konoplia feierte nach zwei Monaten Pause wegen eines Innenbandanrisses sein Comeback. Blessin will ihn behutsam aufbauen: „Es war keine einfache Verletzung. Er braucht jetzt Trainingseinheiten.“ Für Borussia Mönchengladbach beginnt unter Blessin eine neue Phase – mit harter Arbeit, offenem Türen und dem Derby in Köln als erstem Gradmesser.
