Mainzer-Bruchweg-Boys
Bundesliga heute

Vom Burchweg Boy zum Weltmeister

Autor: Christian

Die Bruchweg Boys, die in der Saison 2010/11 die Bundesliga begeisterten, bestanden aus André Schürrle, Lewis Holtby und Adam Szalai. Die drei damals sehr jungen Spieler vom FSV Mainz 05 hatten sich im Sommer 2010 etwas Besonderes für ihren Torjubel ausgedacht. Immer, wenn einer von ihnen einen Treffer in der Bundesliga erzielte, stürmten sie zur Eckfahne und gaben ein imaginäres Konzert in Form einer Rockband. An der Luftgitarre spielte André Schürrle, das virtuelle Schlagzeug behämmerte Adam Szalai und Lewis Holtby hielt sich ein imaginäres Mikrofon vor den Mund, in das er seine vermeintlichen Songs trällerte. Ihr Trainer war der damals ebenfalls für einen Coach noch äußerst junge Thomas Tuchel. Gerade mal 37 Jahre zählte Thomas Tuchel damals, ein Alter, in dem so mancher Profi noch als Spieler in der Bundesliga aktiv ist. Und ganz am Beginn ihrer Karriere standen die drei Mainzer Spieler, die schließlich im Bruchweg Stadion (und auch auswärts) ihren so markanten Torjubel der Bruchweg Boys zelebrieren sollten. Adam Szalai war zwar immerhin schon 22 Jahre alt. Lewis Holtby und André Schürrle aber sollten erst in genau jener Zeit 20 Jahre alt werden.

Waren sie schon allein mit ihrem ausgefallenen Torjubel in fußballinteressierten Kreisen bekannt geworden, tat ein Auftritt im Aktuellen Sportstudio des ZDF, zufällig ebenfalls in Mainz ansässig, schließlich sein Übriges. Hier hatten die Macher der Sendung die drei mit echten Instrumenten bzw. Mikrofon ausgestattet und sie rockten als Bruchweg Boys in die Kameras und damit in die Wohnzimmer der Republik. Da hatten sie das Bruchweg Stadion Mainz mit einer echten Bühne getauscht.

Mainzer Bruchweg-Boys: "Kaum zu realisieren"

Was haben die Mainzer Bruchweg Boys erreicht?

Am Abschluss jener erfolgreichen Saison 2010/11 stand ein sagenhafter 5. Platz in der Endtabelle der Bundesliga für den FSV Mainz 05. Großen Anteil daran hatten natürlich die Bruchweg Boys. Allen voran André Schürrle, der mit 15 erzielten Toren 7. der Torjägerliste wurde. Hinzu kamen noch 4 Assists, sodass Schürrle auf 19 Scorerpunkte kam und in dieser Wertung den achten Rang belegte. Adam Szalai steuerte zwar nur 4 Treffer und 3 Assists bei. Doch da Lewis Holtby in jener Saison auf 13 Scorerpunkte kam (4 Treffer und 9 Assists), summierten sich die Scorerpunkte der Bruchwegboys auf extrem starke 35 Punkte. Und dies sowohl bei einem so kleinen Club wie dem FSV Mainz 05 und trotz ihres so geringen Alters. Wegen dieses famosen 5. Platzes nahm der FSV Mainz 05 zum zweiten Mal nach 2005/06 am UEFA-Pokal bzw. der Europa League teil. Diesmal stieg man allerdings nicht in der 1. Hauptrunde ein, sondern in der 3. Qualifikationsrunde. Dass man in dieser dann am völlig unbekannten rumänischen Club Gaz Metan Medias nach einem 1:1 im Bruchweg Stadion auswärts im Elfmeterschießen scheiterte, war bitter, gehörte aber schon zur nächsten Saison.

 

Wie verlief die weitere Karriere der Bruchwegboys?

Alle drei Jungspunde blieben allerdings nicht ewig bei Mainz 05. Bei Lewis Holtby war das ohnehin klar, denn er war in jener Saison nur vom FC Schalke 04 ausgeliehen. Auf die folgende Weise ging es mit allen dreien weiter:

Lewis Holtby

Von Schalke, wo Holtby noch bis Sommer 2013 blieb, ging es auf die Insel, nach England. Für Holtby noch einmal etwas Besonderes als für andere, schließlich ist er halber Engländer, obwohl er seine Länderspiele für Deutschland absolvierte. Zunächst blieb er eine Saison bei den Tottenham Hotspur, wo er zu immerhin 25 Einsätzen kam. Dennoch wurde er anschließend an den FC Fulham verlieren. Anschließend spielte Lewis Holtby gleich für fünf Jahre beim Hamburger SV. Doch dort war er zuletzt in der 2. Bundesliga nicht mehr glücklich, sodass es für ihn zurück nach England ging. Dort spielte er zuletzt bei den Blackburn Rovers ebenfalls nur in der 2. Liga, aber eben mit etwas anderem Background. Nachdem er noch bis 2013 für die deutsche U21-Nationalmannschaft aufgelaufen war, folgten schon zwischen 2010 und 2012 drei Länderspiele für die A-Nationalmannschaft unter Jogi Löw. Seitdem wurde er dorthin allerdings nicht mehr berufen. Schließlich kehrte Holtby 2021 in die 2. Bundesliga zurück und schloss sich Holstein Kiel an. Sein aktuelles Vertragsverhältnis läuft noch bis zum 30. Juni 2023.

André Schürrle

Schürrle hingegen kam auf insgesamt 57 Länderspiele – und darunter ein ganz besonderes. Im WM-Finale 2014 von Rio de Janeiro war er es, der die Vorlage für das Siegtor von Mario Götze gab. Damals spielte er ebenfalls in England, beim FC Chelsea. Dorthin war er 2013 von Bayer Leverkusen gewechselt, wohin er schon 2011 von Mainz aus gewechselt war. Es folgten Stationen beim VfL Wolfsburg, bei Borussia Dortmund und Leihen zum FC Fulham sowie zu Spartak Moskau. In Sommer 2020 beendete André Schürrle allerdings seine Karriere bereits im Alter von nur 29 Jahren, da ihm ausreichend reizvolle Angebote nicht vorlagen. Zudem begründete er sein vorzeitiges Karriereende unter anderem mit dem in der Branche vorherrschenden Leistungsdruck. Mit seiner Vorlage zum Weltmeistertitel hatte er sich da aber ohnehin bereits lange in den Annalen des deutschen Fußballs verewigt.

Adam Szalai

Der Ungar ist weiterhin aktiv und spielt seit Anfang 2022 beim FC Basel. Von 2019 bis 2022 kehrte Szalai zu Mainz 05 zurück, der Vertrag wurde jedoch vorzeitig aufgelöst. Szalai wurde in der Zeit die Funktion als Führungsspieler und Integrationsfigur zugesprochen. Ursprünglich hatte Szalai die Mainzer bereits 2013 verlassen. Es folgte eine Saison auf Schalke und fünf Saisons bei der TSG Hoffenheim. Zu Mainz war er über die II. Mannschaft des VfB Stuttgart und drei Jahre in der zweiten Mannschaft von Real Madrid gekommen, nachdem er seine frühen Jugendjahre bei Budapester Clubs verbracht hatte. Seit 2009 kommt der immer noch für Ungarn aktive Nationalspieler auf inzwischen über 75 Länderspiele, in denen er 25 Tore erzielte. Bei ihm ist auch weiterhin noch kein Ende der Karriere abzusehen.

 


Was wurde aus dem Trainer der Bruchwegboys, Thomas Tuchel?

Nachdem er von 2009 bis 2014 fünf Saisons die Mainzer trainiert hatte, führte sein Weg für zwei Jahre zu Borussia Dortmund. Dort gewann er zwar den DFB-Pokal, schied aber dennoch vor allem wegen persönlicher Dissonanzen mit den Verantwortlichen. Von 2018 bis 2020 trainierte Thomas Tuchel Paris St. Germain, mit dem er zweimal französischer Meister und einmal Pokalsieger wurde. Zudem erreichte er in der Saison 2019/20 das Finale der Champions League, das aber mit 0:1 gegen den FC Bayern München verloren wurde. 2021 übernahm Tuchel schließlich die Premier League Mannschaft FC Chelsea als Nachfolger von Frank Lampard. Tuchel unterschrieb zuerst ein Vertragsverhältnis bis zum 30. Juni 2022, mit Option auf Verlängerung. Die Saison 2021 beendete er als Tabellenvierter und konnte zudem das Champions League Finale gegen Manchester City gewinnen. Folglich wurde im Juni 2021 seine Vertragslaufzeit um zwei Jahre verlängert, bis 2024. Zudem gewann er im selben Jahr den UEFA Supercup und wurde schließlich zum FIFA-Welttrainer des Jahres gekürt.

 

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Ist eine neue Generation der Bruchwegboys absehbar?

Streng genommen wird es so etwas wie die Mainzer Bruchweg Boys nie wieder geben können. Die Bundesliga-Mannschaft von Mainz 05 spielt schließlich nicht mehr im Bruchweg Stadion, sondern in der MEWA Arena vor den Toren der Stadt. Dort ist nur noch die Zweitvertretung aktiv. Und um derart bundesweites Aufsehen zu erregen, wie es den Mainzer Bruchweg Boys gelang, müsste man schon im Fokus der Bundesliga auftauchen. Weiterhin ist der Club aber bekannt für seine erfolgreiche Jugendarbeit. Aktuell gibt es folgende junge Talente der Mainzer Kaderschmiede, welchen neben ihren Einsätzen im Bruchweg Stadion Mainz auch schon in der Bundesliga zu Spielzeit kamen:

  • Finn Dahmen (Torwart, 23 Jahre)
  • Lasse Rieß (Torwart, 20 Jahre)
  • David Nemeth (Innenverteidiger, 20 Jahre)
  • Niklas Tauer (def. Mittelfeld, 20 Jahre)
  • Paul Nebel (Rechtsaußen, 18 Jahre)
  • Merveille Papela (zentrales Mittelfeld, 20 Jahre)

Wer weiß, was diese sich gemeinsam einfallen lassen, sollten, sie einmal ähnlich erfolgreich in der Bundesliga agieren wie die drei „Rocker“ Adam Szalai, Lewis Holtby und Andre Schürrle?