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Fussball heute

Fußball heute: Nach über 25 Jahren – Wieder Stehplätze in englischen Stadien

Autor: Goeran

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Dass der Fussball heute ein anderer ist als vor 50 Jahren, dürfte allseits bekannt sein. Doch nun kommt es in England zur Rückkehr einer Tradition, die mehrere Jahrzehnte verbannt war. In der englischen Premier League sind bald wieder Stehplätze in den Stadien erlaubt.

Pilotprojekt ermöglicht Stehplätze

In einem Pilotprojekt der vergangenen Saison wurde in einigen Stadien Englands die Wiedereinführung von Stehplätzen getestet. Vereine wie Cardiff, Manchester City, Chelsea, Manchester United und Tottenham Hotspurs beteiligten sich an dem Feldversuch in der zweiten Hälfte der abgelaufenen Saison. Da dieser offenbar positiv verlief, gab der englische Verband nun grünes Licht. Ab der kommenden Saison darf wieder eine bestimmte Anzahl der bei den Fans so beliebten Stehplätze in den Stadien angeboten werden. Die Freude bei den eingefleischten Fans ist darüber gewaltig. Insgesamt 25 Jahre mussten sie auf die beliebten Stehplätze verzichten.

Warum kam es zum Verbot von Stehplätzen?

Die große Katastrophe im Hillsborough-Stadion in Sheffield im April 1989 ging um die Welt. Insgesamt 97 Fans kamen ums Leben, da auf den überfüllten Tribünen eine Massenpanik ausbrach. Die Schuld wurde damals der Hooligan-Kultur in England zugeschoben. Dass in Wirklichkeit auch taktische und organisatorische Planungsfehler bei der britischen Polizei für die Katastrophe verantwortlich waren, wurde erst wesentlich später festgestellt. Zudem fuhr die damalige Premierministerin Margarethe Thatcher einen harten Kurs. Die „eiserne Lady“ verbannte die Stehplätze und ersetzte sie in der neuen Premier League durch Sitzplätze. Die alte Fussballkultur musste dem neuen Milliardengeschäft weichen. Auch in der Bundesliga, Champions League und Europa League setzte sich dieser Trend zum Kommerz durch. Nun endlich dürfen die englischen Fans wieder aufatmen, zumindest zum Teil. „Dass dies im Fussball heute wieder möglich sein wird, hätte ich mir niemals erträumt“, äußerte ein erfreuter Anhänger des FC Liverpool.

Warum der großen Sinneswandel?

Was Thatchers Konservative einst eingeführt hatten, wurde ausgerechnet von Boris Johnson und den heutigen Konservativen wieder aufgehoben. Alle Parteien hatten sich in ihren Wahlprogrammen für die Wiedereinführung der Stehplätze eingesetzt. Dies kam bei den Wählern sehr gut an. Umfragen zufolge wollten überwältigende 88 Prozent sie wieder zurück. Lediglich beim FC Liverpool gab es eine kleine Gruppe an Hinterbliebenen der damaligen Todesopfer, die bis zuletzt gegen die Wiedereinführung kämpfte. Doch auch dieser gelang es nicht, die Aufhebung des absoluten Verbots zu verhindern. Zudem war das Ganze auch nur ein Verbot auf dem Papier. Vor allem auf den Rängen hinter den Toren wurde es nicht wirklich konsequent eingehalten. Von den Ordnern wurde das Stehen geduldet und nicht unterbunden. Somit setzte sich jetzt das durch, was schon lange praktiziert wird.

Vorreiter der Wiedereinführung der beliebten Stehplätze war übrigens schon vor fünf Jahren der schottische Klub Celtic Glasgow. Da es dort seitdem zu keinerlei Problemen kam, lieferte Celtic den Befürwortern die passenden Argumente, auch in England die Stehplätze wieder zu erlauben.